Grafenwörth

Erstellt am 04. August 2016, 12:36

von APA Red

Stupa-Gegner kritisieren Naturzerstörung. Der in der Gemeinde Grafenwörth geplante - und baubewilligte - Stupa ist der Initiative "Rettet den Wagram" ein Dorn im Auge. Stupa-Institut betont rechtmäßigen Baubescheid.

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Eineinhalb Mal so groß wie die Sixtinische Kapelle in Rom soll der buddhistische Sakralbau werden, kritisierte Sprecher Helmut Ferrari bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien die Dimension der Grünlandzerstörung.

Das von Bürgermeister LAbg. Alfred Riedl (ÖVP) "top secret" - ohne Einbeziehung oder Information der Bevölkerung - über die Bühne gebrachte Projekt entspreche nicht dem Raumordnungsgesetz, weshalb der Bescheid sofort annulliert werden müsse, verwies Ferrari auch auf die gleichlautende Meinung der Volksanwaltschaft. 765 Quadratmeter Grundfläche - die Sixtinische Kapelle habe 550 -, 33,5 Meter Höhe, 320 Sitzplätze im Gebäude, dazu Nebenanlagen wie Parkplätze: Das entspreche keiner Kapelle, die im Grünland errichtet werden dürfe, meinte der gebürtige Anrainer aus Feuersbrunn.

Bezüglich des Grundstücksverkaufs durch die Gemeinde an Unternehmer Johannes Gutmann zum Quadratmeterpreis von einem Euro - im Wissen, dass an der exponierten Geländekante des Wagram quasi gegenüber von Schloss Grafenegg ein großer Stupa gebaut werden soll - habe man im April die Korruptionsstaatsanwaltschaft eingeschaltet.

"Wir kämpfen bis zum Schluss."

Manfred Eckenfellner, der sich eigenen Angaben zufolge seit zwei Jahrzehnten für Tiere und Umwelt einsetzt und mit einem Naturschutzpreis ausgezeichnet wurde, geht es in seinem Widerstand gegen das Projekt keineswegs um Religionen, sondern einzig um den Naturschutz. 2002 habe er die ersten Nistkästen für den vom Aussterben bedrohten Wiedehopf gebaut - heute würden in der Region 118 Brutpaare gezählt. Dennoch sei bereits gebaggert worden, kritisierte er und gab sich kämpferisch: "Und wenn wir uns an die Bagger anketten müssen - wir kämpfen bis zum Schluss." Die Landschaft müsse erhalten bleiben.

Christian Schuhböck, der im Auftrag des Feuersbrunner Vereins Vogelsang ein naturschutzfachliches und -rechtliches Gutachten erstellt hat, kam zu dem Schluss, dass das Stupa-Projekt samt Nebenanlagen im Widerspruch zu den gesetzlichen Bestimmungen des Raumordnungsgesetzes und der Flächenwidmung stehe. Eine naturschutzrechtliche Bewilligung wäre ebenfalls zu untersagen, sprach Schuhböck von einem "Fremdkörper" in der Natur- und Kulturlandschaft der umgebenden Weingärten und ungeeigneten Standort in der Nähe des europäischen Vogelschutzgebiets Natura 2000. Schuhböck zählte 15 gelistete Tierarten auf, sieben davon - wie der Wiedehopf - stünden auf der Roten Liste.

Vor vier Jahren ist ein ähnliches Projekt des bauwerbenden Stupa-Instituts in Gföhl im Waldviertel (Bezirk Krems) an einer Volksbefragung gescheitert. In Grafenwörth (Bezirk Tulln) schien alles glatt zugehen - allerdings wurde bereits die Spatenstichfeier im März von heftigen Protesten begleitet. Er habe ordnungsgemäß entschieden, betonte Riedl damals.

Stupa-Institut betont rechtmäßigen Baubescheid für Projekt

"Das Verfahren zur Baubewilligung für den Stupa in Grafenwörth wurde korrekt und sorgfältig abgewickelt. Alle Prüfverfahren sind ordnungsgemäß verlaufen, es gibt rechtmäßige Bescheide", hielt Projektwerberin Elisabeth Lindmayer Kritikern entgegen, die eine Naturzerstörung am Wagram befürchten.

Landesregierung, Bezirkshauptmannschaft und Gemeinde hätten die Rechtmäßigkeit des Bauvorhabens intensiv geprüft, wurde betont. Umweltschutzgründe als Argument gegen den Bau des buddhistischen Friedensdenkmals scheinen dem Stupa-Institut "nur vorgeschoben: Tatsächlich stecken dahinter politische Interessengruppen, bewusste Fehlinformationen und vor allem die Missachtung der Religionsfreiheit", hieß es in der Aussendung am Freitag.

"Respektloses und verleumderisches Verhalten"

"Das respektlose und verleumderische Verhalten der Initiative 'Rettet den Wagram' gegenüber dem Buddhismus hat enorme Ausmaße angenommen", so Lindmayer. Schon beim ursprünglich in Gföhl im Waldviertel geplanten Stupa-Bau sei es zu ähnlichen Verhetzungen gekommen, das Oberlandesgericht Wien habe derartige Aussagen mit einem rechtskräftigem Strafurteil geahndet.

Festgehalten wurde, dass durch den Bau niemand zu Schaden kommen werde. Vielmehr solle der Stupa in Grafenwörth Menschen zusammenführen, den Meinungsaustausch beleben und ein harmonisches Miteinander jenseits von Weltanschauungen fördern. Der "äußerst sorgfältig und liebevoll" geplante Garten werde besonders auch den Tieren einen "paradiesischen, geschützten" Lebensraum bieten.

"Verzögerung verursacht erheblichen wirtschaftlichen Schaden"

Der Buddhismus sei eine friedliche, anerkannte Religion. Das Vorgehen der Initiative "mit Traktoren, Mistgabeln, Lautsprecherterror, Blockaden" grenze an das Faustrecht. "Diese Verzögerung beim Bau verursacht uns erheblichen wirtschaftlichen Schaden und ist eine Beschneidung unserer subjektive Rechte", meinte Lindmayer.

"Der Stupa am Wagram soll ein Fanal des Friedens im Einklang mit allen Lebewesen von Flora und Fauna sein", zitierte Stupa-Mediensprecher Reinhard Bimashofer Landschaftsplaner Gunther Hauser, der seine Aufgabe bei dem Projekt vor allem in der Integration der Naturlandschaft mit dem Denkmal sehe: "Keine einzige kleinmosaikförmige Biotopfläche und dessen Flora und Fauna soll angetastet werden, sämtliche Flächen für den eigentlichen Stupa-Bau als auch die Zugangswege und Verweilplätze sollen nur an jenen Flächen errichtet werden, die schon Erwerbskulturflächen sind (Weingärten) oder schon als Wege und Zufahrtsstraßen genutzt wurden", so Hauser.

Alle örtlichen Habitate, die in Jahrhunderten entstanden sind, sollen im derzeitigen Zustand erhalten werden. "Durch wesentlich geringere Störung aufgrund der stark reduzierten Landwirtschaft (Weinbau) werden sich diese ökologischen Formationen nach Vollendung des Projektes relativ rasch zu wesentlich artenreicheren Biotopen entwickeln können", zeigte sich der Landschaftsplaner überzeugt.