Erstellt am 06. April 2016, 04:44

von Thomas Peischl

Handlungsbedarf für Alltagsradfahrer. Alfred Kaiblinger (Radlobby Tulln) lobt Infrastruktur für Freizeitradverkehr und setzt sich für Mehrzweckfahrstreifen ein.

Alfred Kaiblinger mit seinem Transport-Fahrrad in der Wiener Straße. Sogenannte »Sharrows« (Bodenmarkierung im Vordergrund) weisen hier auf den Radverkehr hin. Der Radlobbyist hofft, dass der Versuch auf weitere Straßen in Tulln ausgedehnt wird.  |  NOEN, Thomas Peischl t.peischl@noenl

Die Saison für Genussradfahrer hat begonnen. In Tulln nimmt aber auch die Zahl der Alltagsradler zu, die vom Weg in die Arbeit bis zum Einkauf möglichst viele Strecken per Fahrrad bewältigen. Die NÖN sprach mit dem Obmann der Radlobby Tulln, Alfred Kaiblinger, über das „Leitbild Fuß- und Radverkehr Tulln 2030“, das gerade entsteht.

Verfechter von Mehrzweckfahrstreifen 

E-Bikes und Pedelecs sind weiterhin im Kommen, der Radverkehr nimmt generell zu. „Dadurch ist der kombinierte Radfahrer- und Fußgänger-Verkehr auf denselben Wegen nicht immer ideal“, gibt Kaiblinger zu bedenken. Er ist ein Verfechter von Mehrzweckfahrstreifen für Auto- und Radverkehr bzw. von Sharrows .

„Je besser sich Auto- und Radfahrer in der Stadt aneinander gewöhnen, desto geringer das Risiko“, betont der Radlobbyist. Man müsse den motorisierten Verkehr nur unwesentlich einschränken, um den Alltagsradverkehr zu fördern.

Es sei auch falsch, Kinder mit dem Rad immer nur auf Gehwegen fahren zu lassen. „So bekommen sie zu wenig Eindrücke, wie Straßenverkehr wirklich funktioniert“, meint Kaiblinger. Es sei problematisch, wenn 10- bis 12-Jährige, die bis dahin nur im geschützten Bereich unterwegs waren, sich plötzlich im „echten“ Straßenverkehr zurechtfinden sollen.

„Der Freizeitradverkehr funktioniert in Tulln sehr gut. Aber der Alltagsradverkehr wird noch zu wenig gefördert.“ Alfred Kaiblinger

Im Leitbild 2030 in der derzeitigen Form sieht Kaiblinger vor allem eine Aufzählung des Möglichen, denn: „Noch gibt es kein Bekenntnis, was man wirklich möchte.“ Bei Sharrows gibt es beispielsweise bislang nur zwei Versuche in der Wiener Straße und in der Bahnhofstraße. Vier weitere wären vom Gemeinderat abgesegnet, harren aber noch der Umsetzung.

„Wichtig ist, dass nichts für die Zukunft verbaut wird“, betont Keiblinger. Rosen streut er dem obersten Verkehrsplaner der Stadt, Franz Friedl, in Zusammenhang mit der Neugestaltung des Hauptbahnhofs: „Da werden ein paar sehr gute Dinge umgesetzt.“ Unter anderem sind absperrbare Käfige mit eigenem Zutrittssystem geplant, damit Pendler zukünftig auch teurere Fahrräder sicher abstellen können.