Erstellt am 25. Mai 2016, 05:55

von Thomas Peischl

Hofer gewinnt Bezirksmatch mit 17:4. Bezirk bleibt unterm Strich mit 52,1 Prozent klar blau. Van der Bellen erreicht bei Wahlkarten-Stimmen mit 58 Prozent erwarteten Achtungserfolg.

Stadtrat Johannes Scholz und Gemeinderat Gustav Rödl von den Tullner Grünen zitterten vom Wahlsonntagabend bis Montagnachmittag mit Alexander Van der Bellen dem Endergebnis entgegen.  |  NOEN, Thomas Peischl t.peischl@noen

Der Wahlkrimi verlief im Bezirk nicht ganz so spannend wie auf Bundesebene. Am Sonntag hatte Norbert Hofer eine Mehrheit von satten 53,5 Prozent (Sieg in 17 von 21 Gemeinden), nach Auszählung der Wahlkarten am Montag hielt er immer noch bei 52,1 Prozent. Unter den Wahlkarten-Wählern erreichte Bundessieger Alexander Van der Bellen auf Bezirksebene einen Achtungserfolg: 58 Prozent.

Ein „Mann der Mitte“

Bezirkssprecherin Ulli Fischer (Grüne) jubelte zunächst über das „schöne Pro-Van-der-Bellen-Ergebnis“ in Königstetten, Zeiselmauer, Tulln und St. Andrä-Wördern: „Vor allem über Letzteres, weil das schon öfter auf den Bundestrend schließen ließ.“ Dass es sich dann tatsächlich ausging, ist für Fischer „ein Meilenstein für die europäische Politik, denn er ist unabhängig, aber im Herzen ein Grüner und das ist ein gutes Zeichen für Menschlichkeit und Umwelt“. Van der Bellen sei ein „Mann der Mitte“, der Österreich im Ausland gut vertreten und im Inland bedächtig gute Politik machen werde, ohne seine Macht auszunützen.

Erleichtert und zuversichtlich gibt sich auch Stadtrat Johannes Scholz (Grüne Tulln): „Alexander Van der Bellen hatte angekündigt, dass es ,arschknapp‘ wird und es ist tatsächlich knapp geworden. Aber Österreich hat eindeutig den besten Kandidaten gewählt und er hat unsere volle Unterstützung.“

„Demokratische Wahlen sind zu akzeptieren"

FPÖ-Bezirksparteiobmann Andreas Bors zeigt sich erfreut über das Bezirksergebnis, gratuliert aber auch Van der Bellen zum Bundeserfolg: „Demokratische Wahlen sind zu akzeptieren und er hat um Haaresbreite gewonnen.“ Trotzdem sei für Österreich demokratiepolitisch ein neues Zeitalter angebrochen. „Noch im Jänner haben viele in Österreich Norbert Hofer gar nicht gekannt und ihm kaum Chancen eingeräumt. Jetzt hat er die Stichwahl nur knapp verloren. Man sieht, dass wir auch staatstragende Persönlichkeiten in unseren Reihen haben.“ Bors sieht die FPÖ auf „einem guten, richtigen Weg“ in Richtung Nationalratswahl, denn: „Dann gibt es keine Möglichkeit mehr, dass sich das politische Establishment vereint, da tritt wieder jede Gruppierung für sich an.“

Erich Stoiber, FPÖ-Gemeinderat in Tulln, analysiert: „Auch im Bezirk wurde im ländlichen Raum der konservative Kandidat und im städtischen Bereich der liberale gewählt. Wenn in Zukunft Klosterneuburg zum Bezirk gehört, kann die Welt schon ganz anders ausschauen.“