Erstellt am 19. Oktober 2016, 04:32

von Thomas Peischl

Dunants Blick auf unsere Zeit. Thomas Peischl über die Henri-Preisträger aus dem Bezirk.

Was würde Henri Dunant sich denken, könnte er einen Blick in unsere Zeit werfen? Klassische und einzig richtige Antwort: Kommt ganz darauf an, und zwar wo sein Blick hinfällt.

Fällt er auf die syrische Stadt Aleppo, dann dreht sich der Gründer des Roten Kreuzes im Grab um, und fängt bitterlich zu weinen an. Seine eigenen traumatischen Erinnerungen an das Grauen von Solferino, die Gründung der neutralen, freiwilligen Hilfsorganisation — war alles umsonst? Das rote Kreuz auf weißem Grund, das einst die Helfer schützte, wurde zum Zielkreuz, Spitäler zu bevorzugten Angriffszielen, was zählt, ist der größtmögliche Schaden.

Fällt der Blick aber auf die kleine Stadt Tulln, dann sieht Dunant vielleicht, wie in seinem Namen freiwilliges Engagement gewürdigt wird. Menschen, die in einer Zeit in der Aufregung, Empörung, Angst und Hetze allgegenwärtig sind, kühlen Kopf bewahren und die nicht fragen, wie kann ich etwas verhindern, sondern wie kann ich helfen, wie kann ich dazu beitragen, dass es besser wird. Dunant wird denken: Es war also doch nicht alles umsonst.