Erstellt am 07. Oktober 2015, 05:32

von Thomas Peischl

Kleine Stadt und großer Künstler. Thomas Peischl über die Beziehung der Stadt zu Egon Schiele.

Tulln setzt beim Standortmarketing auf ein Vier-Säulen-Modell: Garten, Kultur (Schiele/Bühnenstadt), Donau und Wissenschaft/Messe sollen den Stadtnamen über Landes- und Bundesgrenzen hinaus bekannt machen.

Mit Garten, Bühne, Donau, Wissenschaft und Messe funktioniert das ganz gut. Die Entwicklung der Vermarktung ihres größten Sohnes scheint hingegen in der Pubertät festzustecken.

Und das liegt nicht nur daran, dass sich die Geburts- und Kindheitsheimat des Weltkünstlers auf sein Frühwerk beschränkt. Egon Schiele und Tulln, das ist keine dysfunktionale Beziehung, aber doch eine problematische.

Es gibt viele Bemühungen, vom Museum an der Donaulände über das wunderschön gestaltete interaktive Geburtshaus am Tullner Hauptbahnhof bis zum Schiele-Pfad. Aber dann genügt ein Streit mit einem Schiele-Erben (der Vorwurf geht an beide Seiten, einer allein kann nie streiten), um die Entwicklung wieder zu bremsen, wenn nicht zurückzuwerfen.

Die Marke „Egon Schiele“ wird nie die allein tragende Tullner-Säule werden, aber sie wäre durchaus ausbaufähig.