Erstellt am 12. Oktober 2016, 09:17

von Thomas Peischl

Recht ist nicht gleich gerecht. Thomas Peischl über die Abschiebung von Janpreet Singh.

Schulanfang 1990, eine HAK-Klasse hat zum ersten Mal „Staatsbürgerkunde und Rechtslehre“. Der Lehrer, ein breitschultriger Hüne, betritt den Raum und knurrt mit stechendem Blick: „Recht ist nicht gerecht — merken Sie sich das!“ Das sitzt, auch wenn man als Jugendlicher noch nicht so viel damit anfangen kann.

26 Jahre später hatte einer der jungen Leute, den das schwer beeindruckte, viele Gelegenheiten zu lesen, zu sehen oder mitzuerleben wie wahr diese Worte wirklich sind, aktuell etwa bei der Abschiebung des 14-jährigen Janpreet Singh.

Seine Familie gehört zur religiösen Minderheit der Sikhs, die es in Afghanistan alles andere als lustig hat (googlen Sie bitte einfach einmal). Sie hatte das Pech, ihren ersten Fingerabdruck in Italien zu hinterlassen, jetzt muss sie dorthin zurück — alles rechtens.

In der dritten bzw. vierten Klasse der NMS 1 Tulln hatte Janpreet ein neues Leben kennengelernt, Freunde gefunden, sich trotz Heimweh einigermaßen zu Hause gefühlt. Jetzt heißt es zurück an den Start,
ist das gerecht?