Erstellt am 20. April 2016, 05:04

von Thomas Peischl

Ohne Kernkraft kerngesund. Thomas Peischl über Atomkraft, Tschernobyl und Zwentendorf.

Die Wahrheit wurde schon oft als Tochter der Zeit bezeichnet. Das stimmt nicht immer, aber im Fall des Atomkraft-Propagandavideos, das die EVN in Zwentendorf entdeckte, eindeutig. Allein schon die Einleitung der einlullenden Stimme des Sprechers mit „Sollte Ihnen das Gruseln lieber sein als die exakte technische Information — wir haben Sie gewarnt!“ Oder der (mehr als) gewagte Vergleich der Kernkraft mit der Erfindung des Rades. Wirklich gruselig wird es, wenn es heißt „Stellen Sie sich vor, ein Kinderspital ohne Strom“ und von einer glücklichen Mutter mit Kind auf einen Friedhof umgeblendet wird. Schlichtweg grandios ist die Wortfolge „Kernkraft, Kernenergie, kerngesund“. Wenige Jahre vor Tschernobyl und viele Jahre vor Fukushima wird die Frage „Kann ein Reaktor gefährlich werden?“ klar mit „natürlich nicht“ beantwortet.

In Anbetracht derartiger Propaganda zum wiederholten Mal: Hochachtung vor den 50,47 Prozent, die 1978 „Nein, Danke“ sagten. Jetzt hat die EVN in Zwentendorf das sicherste AKW der Welt: Einfach, weil es niemals in Betrieb ging.