Erstellt am 06. April 2016, 05:54

von Doris Firmkranz

Kriminalität in Zahlen gepackt. Besorgnis erregender Anstieg der Betretungsverbote. Exekutive setzt auf Nachbarschaftshilfe.

Bezirkskommandantin Sonja Fiegl und Chefinspektor Leopold Heindl brüten über den aktuellen Zahlen der Kriminalitäts-Statistiken.  |  NOEN, Firmkranz

Die Kriminalitäts-Bilanz für den Bezirk ist laut jüngster Polizeistatistik "durchwachsen". So hat sich die Zahl der Einbruchsdiebstähle landesweit von 2014 auf 2015 verringert, im Bezirk Tulln hingegen ist sie um 8,1 % gestiegen. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist zwar um rund ein Drittel zurückgegangen, jedoch wurde mit 160 Mal im Vorjahr um 55 Mal mehr in Wohnhäuser eingebrochen als 2014.

Ladendiebstähle hingegen wurden im Vorjahr weniger zur Anzeige gebracht, und die Zahl der Sexualdelikte hat sich so gut wie halbiert – für Bezirkskommandantin Sonja Fiegl ein Hinweis, dass die Präsenz von Asylwerbern auf die Kriminalität keine Auswirkung zeigt.

Die Zahl jener Autolenker, die 2015 mit dem Handy am Steuer erwischt wurden, ist beeindruckend, jedoch mit 717 nur unwesentlich mehr als 2014. Hier machen sich offensichtlich die bereits über einen längeren Zeitraum durchgeführten Schwerpunktkontrollen der Exekutive bemerkbar. 50 Euro muss ein Pkw-Lenker laut Chefinspektor Leopold Heindl bei einem solchen Vergehen berappen. „Das ist wesentlich mehr als das, was eine funktionstüchtige Freisprechanlage kostet“, so Heindl.
 

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Überdurchschnittlich hoch ist die Zahl aus dem Vorjahr im Bereich Falschgeld. Diese erhöhte sich von 15 auf 61. Leopold Heindl führt dies auf neu gedruckte Geldscheine zurück. „Da versuchen die Fälscher noch schnell, ihre alten Blüten loszuwerden“, weiß Heindl zu berichten.

„Wird man mit Handy am Steuer erwischt, zahlt man 50 Euro Strafe. Eine anständige Freisprechanlage gibt es ab 15 Euro.“ Chefinspektor Leopold Heindl.

Besondere Sorgen bereitet Bezirkskommandantin Sonja Fiegl der enorme Anstieg von Gewalttaten innerhalb der Familie: „Die Zahl der Fälle, in denen wir ein Betretungsverbot aussprechen mussten, war 2015 mit 55 geringer als im Jahr davor, da waren es 70.“ Das sollte sich aber als Ruhe vor dem Sturm herausstellen: In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind die Zahlen förmlich explodiert. „Von Jänner bis Ende März hatten wir 27 Wegweisungen“, so Fiegl. Bei ihr schrillen bereits die Alarmglocken, denn sollte der Trend anhalten, wären das hochgerechnet aufs Jahr 2016 doppelt so viele wie im Vorjahr.

Fiegl kennt den Grund: „Schuld ist in den meisten Fällen das soziale Umfeld.“ Arbeitslosigkeit und Alkohol seien eine brisante Mischung. „Es besteht dringender Handlungsbedarf. Die Betroffenen brauchen Hilfe von außen, etwa Mediation oder ein spezielles Gewalttraining. Vor allem aber kommt es auf die Nachbarschaft an“, betont die Polizistin. Da seien Aufmerksamkeit und Zivilcourage gefragt. „Es geht nur miteinander!“, bittet Bezirkspolizeikommandantin Sonja Fiegl die Bevölkerung um Unterstützung.

Geplante Schwerpunktaktionen

Einbruchsdelikte:

Verstärkte Präsenz, noch mehr Kontrollen, Information für die Bevölkerung.

Familiäre Gewalt:

Aufmerksammachen auf die Problematik, Informationsstände etwa vor Schulen, Krankenhäusern, etc.

Straßenverkehr:

Alkohol-Kontrollen und noch mehr Augenmerk auf Handy am Steuer.

Jugendschutz:

Verstärkte Präsenz bei Clubbing-Veranstaltungen, auch in Zivil. Kontrollen nicht nur Alkohol und Drogen, sondern auch das Alter der Besucher betreffend.

Besonders in den Bereichen Wohnungs- und Wohnhauseinbrüche sowie Gewalt in der Familie setzt die Polizei auf die Hilfe und die Unterstützung aus der Nachbarschaft.