Tulln

Erstellt am 11. Oktober 2016, 21:44

von Gabi Gröbl

Kleiner Verein mit großem Herz. Der Verein „Laufend Helfen“ hat sich im Tullnerfeld etabliert. Nun wagten Obmann Markus Riederer und Robert Kasser mit dem „Spendenlauf für Jakob“ den Sprung über die Bezirksgrenze.

Gröbl

Am Tullner Hauptplatz startete das Duo, um in zwei Tagen nach Maria Rain in Kärnten zu gelangen. Mit nichts im Gepäck, außer einer Zahnbürste, Waschzeug, etwas Gewand und den auf der Strecke gesammelten Spenden für den kleinen Jakob und seine Familie. Die Aktion war ein voller Erfolg. Insgesamt 16.000 Euro können weitergegeben werden, rund 5.000 Euro davon wurden auf der Strecke gesammelt. Markus Riederer und Robert Kasser hatten eine anstrengende, aber beflügelnde Zeit, die sie auf ihrer Facebook-Seite live dokumentierten. Der etwas andere Spendenlauf lässt bei Markus Riederer noch immer die Gänsehaut auflaufen, wenn er sich zurück erinnert.

NÖN: Herr Riederer, sie laufen erst seit dem Jahr 2015 und dieser Lauf war seither nicht die erste Benefiz-Aktion von „Laufend Helfen“. Wie kam es denn dazu?
Riederer:
Ja, ich habe erst 2015 zu laufen begonnen. Ich wollte nicht einfach nur laufen, das war mir zu fad.  Ich wollte damit etwas bewirken. Also habe ich mir vorgenommen für die kleine Anna aus Tulln etwas Geld zu erlaufen, damit die Eltern ihre Therapien leichter finanzieren können. Na ja, da kamen in einer Woche 400 Euro zusammen. Da dachte ich mir: da erreichen wir beim nächsten Mal sicher mehr. Und so war es auch.  Wir haben uns zum Ziel gesetzt so zwischen 3.000 und 5.000 Euro für die Kinder zusammen zu bekommen. Es ist dann wesentlich mehr geworden. Nicht nur das Geld, auch die Läufer

Wie haben Sie sich auf diese weite Strecke vorbereitet?
Wir haben ganz normal weiter trainiert, haben auch bei Wettkämpfen mit gemacht. Wir wussten ja nicht, wie wir uns vorbereiten sollen, weil wir sowas noch nie gemacht haben. Robert läuft ein ruhigeres Tempo, das ist wichtig. Ich bin ihm ewig dankbar, dass er mit mir gelaufen ist.

Der Spendenlauf für Jakob war dann richtig Grenzen überschreitend, also über das Tullnerfeld hinaus.
Ja, wir haben Jakob und seine Familie über Facebook gefunden. Fünf Wochen haben wir uns auf das Projekt vorbereitet. Wir haben die Aktion auch über Facebook beworben, und über Mundpropaganda. Da waren wir auf einmal in allen Medien präsent, in Zeitungen, Internet sowieso, Radio und sogar Fernsehen.

Warum ist der Verein so rasch so bekannt geworden?
Wir treten immer im Rudel auf. Egal wo wir sind, wir sind immer viele, weil wir uns alle gut Verstehen. Es ist ein Freundeskreis.

Zieleinlauf als großes Highlight

Was war für Sie am Lauf nach Kärnten das prägendste, das beeindruckendste Erlebnis?
Eindeutig der Zieleinlauf in Maria Rain. Etwa eineinhalb Kilometer vor dem Ziel war auf einmal die Feuerwehr da. Die haben uns bis ins Ziel begleitet. Da waren wirklich viele Leute, die uns angefeuert haben, mit uns mitgelaufen sind. Da kriege ich jetzt noch Gänsehaut beim Erzählen.

Haben Sie unterwegs je gezweifelt, hat Sie irgendwann der Mut verlassen?
Nach den ersten 60 Kilometern am Freitag habe ich schlecht geschlafen. Mein Bein war angeschwollen. Ich hatte das erste Mal Angst, dass das Projekt an meinem Lauf scheitert. Im Endeffekt hatten wir 120 reine Laufkilometer.

Was war die markanteste Station?
Beeindruckend war der Empfang im WAC Stadion in Wolfsberg. Da hat der Sprecher meinen Namen gesagt, wir sind am Spielfeld gestanden mit den Spielern. Das war ein cooles Erlebnis.

Wie haben die Leute entlang der Strecke auf euch und euer Vorhaben reagiert
Wenn uns Leute erkannt haben, waren sie sehr nett. Die meisten haben uns gewinkt, wir waren ja auf der Straße unterwegs. Es haben aber auch ein paar geschimpft, das ist uns auch passiert. Wir haben die Menschen nicht aktiv angesprochen. Wenn jemand gefragt hat was wir machen, wer wir sind, haben wir Auskunft gegeben. Irgendwie zieht man in so einer Situation Leute an, die auch mit Benefiz zu tun haben, glaube ich.

Interessante Begegnungen entlang der Strecke

Aha, gab es da eine besondere Begegnung?
Wir haben eine Frau getroffen, die mit dem Radl von Stockholm nach Senegal gefahren ist. Das war auch nicht leicht. Robert glaubt, man zieht gleichgesinnte an. Da hat er Recht. Und einen FB-Comedian haben wir auch unter den Unterstützern. Marco Wagner hat uns eine Grußbotschaft geschickt. Ich mag diesen Typen, coole Videobotschaft. Und natürlich die Dame, die selbst das Apert-Syndrom hat, die eine Familie gegründet hat und das letzte Stück mit uns gelaufen ist. Das war eine beeindruckende Begegnung, die nicht nur uns überrascht hat. Sie hat auch der Familie von Jakob, vor allem seiner Mutter, viel Mut gemacht und viel mit ihr über das Leben mit dem Apert-Syndrom gesprochen. Sie hat gesagt: „Wir sind nicht krank, wir haben nur ein Handycap“.

Von Baden bis in die Steiermark wurden Sie mit dem Auto mitgenommen, war das geplant?
Die ganze Strecke zu laufen wäre sich in zwei Tagen nicht ausgegangen. Bis Graz war es kein Problem einmal mitgenommen zu werden. Dann hatten wir allerdings Pech. Da haben wir zwei Stunden auf eine Mitfahrgelegenheit gewartet, aber keiner hat uns mitgenommen. Da war ich verzweifelt und habe nicht mehr geglaubt, dass wir es schaffen. Ein Freund und guter Sponsor hat uns dann abgeholt und ein Stück weiter gebracht.

Habt ihr euch auch ein bissl die Gegend anschauen können?
Ja, vor allem den Grazer Uhrturm. (lacht) Da waren wir zwei Mal, weil Robert seine Trinkflasche oben vergessen hat.

Wo habt ihr die zwei Nächte verbracht?
Wir haben in Mürzhofen beim Turmwirt übernachtet. Das war sehr schön und wir wurden sehr gut verpflegt. Über eine Freundin konnten wir dort sein. Die zweite Nacht haben wir in der Nähe von Brückl, das war unser erstes Ziel, verbracht. In St. Filippen durften wir im Gasthof Kurat sein, auch sehr schön und viel gutes Essen.

Energieriegel und Nahrungsergänzung als Hauptnahrungsmittel

Apropos Essen. Ihr konntet ja nicht einen Rucksack voll Dosengulasch mitnehmen. Wie habt ihr euch denn ernährt?
Wir haben hauptsächlich Energieriegel und Nahrungsergänzung zu uns genommen. Was anderes wäre nicht so gut gewesen, wir wollten ja laufen. Das hat uns sicher einige Kilos gekostet.

Dann wart ihr ja schon ganz in der Nähe von Jakob und seiner Familie.
Ja, wir waren dann schon ganz schön aufgeregt. Wir wussten nicht, dass meine Freundin Sandra meinen Papa und meinen besten Freund in Brückl „ausgesetzt“ hat. Für diese Überraschung sind sie um viertel Vier in der Früh von daheim weggefahren. Sie sind mit uns die letzten Kilometer mitgelaufen. Im Ziel waren unglaublich viele Leute und Jakob mit seiner Familie. Viele Freunde von „Laufend Helfen“ waren da, die Feuerwehr hat uns begleitet, wir wurden angefeuert. Das war ein mega Highlight.

Und er Heimweg?
Da waren wir müde. Und zu einem Unfall sind wir auch dazu gekommen, ein LKW hat gerade noch gebremst direkt vor uns. Wir sind stehen geblieben und haben geholfen. Gott sei Dank ist nichts passiert, nur Blechschaden bei den Beteiligten.

Aha, und die Halskrause bei Ihrer Freundin Sandra und Ihr Hinken? Ist das vom Lauf?
Nein, da ist uns am Tag nach dem Lauf in Tulln bei einem Zebrastreifen jemand hinten ins Auto gefahren. Lippe aufgebissen, Prellungen an der Wirbelsäule.

"Wir haben gesehen wie einfach es ist zu helfen, wenn alle zusammenhalten"

Was hat ihnen und dem Verein der Spendenlauf für Jakob gebracht?
Wir haben gesehen wie einfach es ist zu helfen, wenn alle zusammenhalten. Auch ein kleiner Verein kann Großes bewirken. Wir haben das nur mit der Werbung auf Facebook geschafft und haben wieder eine Familie glücklich gemacht, haben herzensgute Menschen kennengelernt, die wiederum andere unterstützen möchten. Alles in allem natürlich auch ein riesengroßer Aufschwung für den Verein. Daher suchen wir wieder Familien, die Unterstützung brauchen. Her sei gesagt: wir können nicht jedem helfen, dafür bitten wir um Verständnis. Wir sind „nur“ ein kleiner Verein, aber zu 100 Prozent für diejenigen da, die Teil eines Projektes sind.

Das nächste "Laufend Helfen" Ziel ist also schon gesteckt?
Bis zum nächsten Wings for Life Worldrun möchten wir Pause machen, obwohl viele Ideen da sind. Dann sind wir wieder voll dabei. Wenn jemand eine Familie kennt, die Unterstützung braucht, kann er sich gerne an uns wenden. Wir sind gerade dabei ein neues Projekt zu finden.

„Ein bissl verrückt muss man schon sein. Aber es zahlt sich aus.“

Der Spendenlauf für Jakob ist abgeschlossen, der Verein Laufend Helfen ist noch lange nicht am Ziel. Viel Arbeit im Hintergrund, viel organisatorisches Geschick und über all dem der Spaß am Sport und am Helfen stehen auf der Liste des engagierten Obmanns und seinem Team. Auf die Frage wie jemand tickt, der solche Strapazen auf sich nimmt, antwortete Markus Riederer mit einem breiten Grinsen, aber tief ehrlich: „ein bissl verrückt muss man schon sein. Aber es zahlt sich aus.“

Dankbar für die Unterstützung

Elena Kitz, die Mutter von Jakob, konnte den Erfolg kauf fassen. Sie ist dankbar für die Unterstützung und dankbar für die Menschlichkeit. Allerdings hat diese Aktion nicht nur Positives für ihre Familie gebracht: „Man erfährt, wer sich einsetzt und wer sich zurücknimmt. Gewisse Momente, wo sich Menschen ausklinken, wenn es nicht um sie selber geht – die sind nicht so schön. Markus und Robert haben ihr Herz aufgemacht. Menschen, die man nicht kennt, setzen sich für einen ein, das sind wunderschöne Momente.“

Weiters freut sich Elena Kitz: „Ich bin dem Markus und seinem Verein so dankbar. Für unsere Familie bedeutet das einen viel entspannteren Alltag. Es ist ein Polster da, der vorher nicht da war. Die Kosten für das Krankenhaus, Therapien sind viel leichter zu tragen. Wir sind unendlich dankbar für jeden einzelnen Groschen. Noch dankbarer sind wir, dass Menschen für uns da sind.“

Der Verein informiert über facebook.com/Teammarkuslaeuft über die Aktivitäten und ist auf der Suche nach Familien, die Unterstützung brauchen. Kontaktieren kann man den Verein über laufendhelfen@yahoo.com

Das Spendenkonto lautet
IBAN: AT50 3288 0000 0055 7868