Erstellt am 08. September 2015, 05:02

von Helga Urbanitsch

"Viel Herz statt Hetze". Ein Picknick der Begegnungen wurde in Michelhausen von und für Flüchtlinge organisiert. Das herzliche Miteinander ließ Berührungsängste gar nicht erst aufkommen.

Beim Schnuppertag im Kindergarten (v.l.) Monika Raab (Stellvertreterin Kindergartenleitung, Alaa Ktish, Kristina Zehetner und Vizebürgermeisterin Anna Haider mit (Kinder) Besan Hussein, Marie Hafenrichter, Carina Zehetner und Jakob Hafenrichter sowie (vorne) Hamzha Hussein.  |  NOEN, privat

Lena Wentseis ist es zu verdanken, dass es wieder einen Schritt weiter ging, Menschlichkeit zu leben. Mit Julia Rest und der Geschäftsführerin des Club Niederösterreich Theres Friewald-Hofbauer wurde ein Picknick auf der Florianiwiese in Michelhausen für die Flüchtlinge aus Mitterndorf organisiert. Das große Engagement der Bevölkerung war überwältigend. Das Buffet wuchs von Stunde zu Stunde.

Es gab keine Berührungsängste, ein herzliches Miteinander dominierte den Nachmittag.

„Sind sehr hilfsbereit und bildungshungrig“

Die Flüchtlinge aus Mitterndorf, 34 junge Männer und Burschen werden von einem 20-köpfigen Team, organisiert von Paul Stocker fünf Mal die Woche in Deutsch unterrichtet. Lehrer, Studenten und Freiwillige sind mit dabei.

„Es sind sehr bildungshungrige Burschen, für die nicht mehr Schulpflichtigen gibt es eine Bildungsberatung von der Caritas“, erklärte Theres Friewald Hofbauer. Beim Picknick wurde der 17. Geburtstags eines Syrers gefeiert, der sich auf englisch für die Glückwünsche bedankte. „Überhaupt sind die Burschen sehr hilfsbereit und geben sich Mühe, wir putzten alle gemeinsam die Räumlichkeiten, in denen der Deutschunterricht stattfindet“, freut sich Friewald-Hofbauer. Das Motto des Picknicks „Herz statt Hetze“ wurde voll gelebt.

Auch die Michelhauserin Sejda Atifetae war gekommen. Sie kam 1999 selbst als Flüchtling aus dem Kosovo, sie versteht am besten, wie sich die jungen Männer fühlen. „Ich bin jetzt hier zu Hause, bin zufrieden, ich habe einen Mann und drei Kinder und auch noch Kontakt zu meiner Heimat.“

Dass Menschlichkeit keine Grenzen kennt, bewiesen Edeltraut und Kristina Zehetner aus Tulbing. In ihrer leer stehenden Wohnung im Obergeschoss nahmen sie eine Flüchtlingsfamilie auf. Es sollte eine Familie mit kleinen Kindern sein, da es in ihrer Familie auch kleine Kinder gibt. Persönlich holten sie am 19. August eine vierköpfige Familie mit einem einjährigen Mädchen und einem dreijährigen Buben ab. „Es war Sympathie auf den ersten Blick“, so Edeltraud Zehetner, „die von der Diokonie angebotene Zusammenführung war nicht nötig, es war klar, Familie Hussein fährt mit zu uns.“ Alle haben zusammengeholfen, Freunde und Bekannte brachten die fehlenden Dinge. „Die Hilfsbereitschaft nimmt kein Ende“, sind alle überwältigt. Auch ein Kindergartenplatz für den kleinen Hamzha ist schon organisiert.

„Wichtig ist das soziale Verständnis“

Täglich wird mit der Familie Deutsch gelernt. „Wir lernen voneinander“, so Kristina Zehetner. Beide Familien sind sehr an den jeweils anderen, fremden Kulturen interessiert, „wichtig ist das soziale Verständnis“, so die Gastfamilie.