Erstellt am 23. März 2016, 05:04

von Günter Rapp

Mit Trillerpfeifen gegen den Spatenstich. Wilde Proteste bei erstem Bauakt in Feuersbrunn. Rädelsführer Ferrari will nicht aufgeben. "Keine unrichtigen Bescheide" kontert Ortschef Riedl.

Helmut Ferrari (r.) sorgte mit seinen Mitstreitern für gehörigen Wirbel, während das buddhistische Stupa-Institut den Baustart für die Tempelanlage feierte.  |  NOEN, Rapp

Während noch am Samstag in der TV-Sendung "Bürgeranwalt" Volksanwältin Gertrude Brinek eine Nichtigkeitserklärung des Baubescheides für den Stupa am Wagram gefordert hatte, feierte das Österreichische Stupa-Institut am Montagnachmittag den Spatenstich für ebendiesen Bau.

Die Kritik der Volksanwältin bezog sich auf den vom Grafenwörther Bürgermeister und Landtagsabgeordneten Alfred Riedl erlassenen Baubewilligungsbescheid.

Brinek ging darauf ein, dass laut NÖ Bauordnung Kapellen, wie sie überall zu finden sind, einer riesigen buddhistischen Tempelanlage gleichgestellt werden.

Zeitgleich formierten sich am Nachbargrundstück am Schnittpunkt zwischen Feuersbrunn und Engabrunn die Projektgegner. Mit Trillerpfeifen und Mega-Lautsprechern ausgestattet, versuchte die Initiative „Rettet den Wagram“ – unter der Leitung von Helmut Ferrari – die Veranstaltung so heftig wie möglich zu stören. Bürgermeister Landtagsabgeordneter Riedl, aber auch der Grundbesitzer Johannes Gutmann – er stellte das 1,3 Hektar große Areal zur Verfügung – wurden lautstark verbal attackiert. Laut Beobachter mitunter auch „unter der Gürtellinie“.

Elisabeth Lindmayer vom bauwerbenden Stupa-Institut und Pressesprecher Reinhard Bimashofer konnten auch Gerhard Weißgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft, Grünen-Klubobfrau im NÖ Landtag Helga Krismer-Huber sowie Herta Habsburg-Lothringen zum Spatenstich begrüßen.

Baubescheid wurde richtig erlassen

In kurzen Worten ging Alfred Riedl auf die Vorwürfe der Volksanwaltschaft ein. „Wir haben keine unrichtigen Bescheide erlassen. Die Emotionen waren bekannt, aber die Behörde hatte zu entscheiden und die Entscheidung konnte nur ,Ja‘ heißen“, so Riedl. „Hätte ich nicht entschieden, dann wäre das Amtsmissbrauch gewesen.“

Vor dem offiziellen Spatenstich sprach der buddhistische Mönch und Projektleiter Bop Jon Sunim Tenzin Tharchin ein Gebet an dem Platz, wo der Stupa mit immerhin 18,75 Metern Kuppelhöhe und einem Durchmesser von 30 Metern bis April 2017 entstehen soll.

Friedensstupa-Tee aus dem Waldviertel 

Eigenen Friedensstupa-Tee hatte „Sonnentor“-Chef Johannes Gutmann aus dem Waldviertel mitgebracht. Die Teepackungen sollen als Bausteine für den Stupa-Bau verkauft werden.

Wie die NÖN bereits mehrmals berichtete, hat es im Vorfeld der Spatenstichfeier harte Kritik an der Verbauung des naturnahen Lebenraumes gegeben. Auch bei der Feier waren die Zufahrtsstraßen und Agrarwege mit Transparenten zugepflastert.

Initiativen-Leiter Helmut Ferrari kündigt jedenfalls weiteren Widerstand an. „Wir lassen das Projekt jetzt von der Volksanwaltschaft hinsichtlich des Naturschutzes überprüfen und haben die Bezirkshauptmannschaft Tulln als Kontrollorgan eingeschaltet. Notfalls gehen wir bis zum Verwaltungsgerichtshof.“