Tulln

Erstellt am 20. August 2016, 13:28

von Martin Gruber-Dorninger

Kugeln bedeuten die Welt. Bakterien erzeugen Grundsubstanz für biologisch hergestelltes Plastik. „Zu schade um wegzuwerfen“, hebt Wissenschaftlerin Ines Fritz die Bedeutung des Stoffs hervor.

Ines Fritz kontrolliert die Parameter und dadurch die Lebensbedingungen für ihre Cyanobakterien.  |  NOEN, Gruber-Dorninger

Mit freiem Auge sind sie nur schwer sichtbar, unter dem Lichtmikroskop sind sie gepaarte Doppelkugerl und dennoch sind es Dinge, die für die Wissenschaftlerin Ines Fritz von der BOKU am Tullner Technopol die Welt bedeuten. Es handelt sich um sogenannte Cyanobakterien, die in Zukunft zur Lösung des globalen Plastikproblems beitragen könnten.

CO2USE-Projekt in Zusammenarbeit mit der EVN

In den Katakomben des BOKU-Gebäudes im Technopol rumort es gehörig. Hinter den verschlossenen Sicherheitstüren befinden sich Labors und Versuchsräume. Darin parallel zum Boden rotierende Ebenen darauf Fläschchen mit dunkelgrünem Inhalt. „Hier sind unsere Cyanobakterien, Synechocystis salina “, erklärt Ines Fritz und zeigt stolz auf die grüne Suppe. Fritz ist Professorin am Institut für Umweltbiotechnologie und leitet das sogenannte CO2USE-Projekt in Zusammenarbeit mit der EVN. Ziel ist es aus den Caynobakterien möglichst viel Ertrag eines von ihnen hergestellten Soffes zu erhalten. „Es handelt sich dabei um Polyhydroxy-Buttersäure (PHB). Der Hauptbestatandteil eines Biokunststoffes“, ist Fritz begeistert. Das Wort „Bioplastik“ nimmt sie nur ungern in den Mund, da Plastik etwas künstlich, nicht in der Natur vorkommendes ist und mittlerweile ein globales Umweltproblem darstellt. Plastiksackerl fliegen in Naturjuwelen umher, der Magen- und Darminhalt von Meeresvögeln besteht zum Großteil aus den Hartplastikverschlüssen von PET-Flaschen und selbst in unserer Donau werden täglich bis zu 4,2 Tonnen Plastik in Richtung Schwarzes Meer gespült. „Dieses ,Bioplastik’ ist biologisch durch dieses Cyanobakterium hergestellt und ebenso leicht biologisch abbaubar“, so Fritz.

Die Aufgabe ihres Teams ist es nun jene Lebensbedingungen für das Cyanobakterium herauszufinden, die es dazu bewegen, möglichst viel von diesem PHB herzustellen. Synechocystis salina benötigt Nährstoffe und Licht für ihr Wachstum. Dementsprechend werden die Bakterien-Kulturen unter verschiedenen Lichtbedingungen und mit variierenden Nährstoffen „gezüchtet“. „Phosphor, Stickstoff und Kohlendioxid sind die Nährstoffe“, verrät Fritz.

Dieses Material wäre viel zu schade um es als Wegwerfprodukt zu verwenden

Diese Grundversuche sollen in Zukunft in großem Maßstab in Bioreaktoren umgesetzt werden. „Eine tägliche Ernte wäre wünschenswert“, hofft Fritz, dass bald große Mengen an diesem Bioplastik produziert werden können.

Doch Fritz ergänzt: „Dieses Material wäre viel zu schade um es als Wegwerfprodukt zu verwenden. Es ist sehr wertvoll und die Herstellung ist aufwendig.“ Eine Art von Mehrfachnutzung bei „Bioplastik-Besteck“ oder-Gefäße, wäre auch das Ziel, beziehungsweise den Geist der Benutzer stärken, um von dieser Wegwerfgesellschaft wegzukommen.

Noch ist das „Bioplastik“ recht teuer (viermal zu herkömmlichem Plastik), dennoch ist dieses Material etwas Besonderes in dem auch viel Hirnschmalz und Forschung steckt.