Erstellt am 21. Mai 2017, 05:51

von Thomas Peischl

Voodoo Jürgens: Amadeus, Charts und Donaubühne. Der gebürtige Tullner und seine Wiener Lieder sind in aller Munde. Mit seiner „Ansa Panier“ füllt er auch Hallen in Deutschland und der Schweiz.

Voodoo Jürgens in der berühmt-berüchtigten Blutgasse, die er auch in seinem Tulln-Lied verewigt hat. Für sein Konzert auf der Donaubühne am 8. Juli verspricht er: „Da werden wir ein paar Geschütze mehr auffahren und in einer größeren Besetzung spielen.“  |  NOEN, Peischl

Sein Debut-Album „Ansa Woar“ stürmte an die Spitze der Charts, er ist Amadeus-Preisträger in der Kategorie „Alternative“ und am 8. Juli spielt er ein Gratis-Konzert auf der Tullner Donaubühne: Voodoo Jürgens. Die NÖN sprach mit dem 33-Jährigen, der in Tulln aufgewachsen ist, über seinen Erfolg und seine Pläne.

NÖN: Du warst in fünf Kategorien nominiert, wie war das Gefühl einen wichtigen Musikpreis abzuräumen?
Voodoo Jürgens: Ich hab vorher nie über so etwas nachgedacht, es war eine große Überraschung überhaupt nominiert zu sein. Aber es war dann schon cool, eine Freude, aber auch eine gewisse Genugtuung, wenn man jahrelang musiziert und dann diese Anerkennung bekommt. Andererseits: Die größte Freude ist, wenn viele Leute zu den Konzerten kommen. Im Endeffekt geht es darum, wie groß auch immer man das halten mag.

Sind dir kleine Lokale und Bühnen lieber als große Hallen?
Natürlich ist es reizvoll, abzustecken wie weit man kommt. Aber klein und kompakt, da passt und wirkt unsere Musik einfach am besten.

Bei der Amadeus-Verleihung hast du das Tulln Lied gespielt, war das bewusst ausgewählt?
Diese Gala ist mitten in unsere Tournee hineingeplatzt. Eigentlich war für diesen Abend ein Konzert in Leipzig angesetzt und die Band war noch dort. Also habe ich ein Lied ausgesucht, das alleine mit Gitarre gut funktioniert, außerdem war es die letzte Single. Dazu kommt, dass mich sehr viele Leute, die in anderen Kleinstädten aufgewachsen sind, ansprechen und meinen: „Mir ist es damals ganz ähnlich gegangen.“ Das hat alles ganz gut zusammen gepasst.

"Es ist interessant, welche Grenzen die Leute noch immer in ihren Köpfen ziehen"

Viele Wiener sind nach wie vor verwundert, dass du ursprünglich aus Tulln kommst, auch wegen deines Dialekts …
Ja, es ist interessant, welche Grenzen die Leute noch immer in ihren Köpfen ziehen, als ob 20 oder 30 Kilometer jetzt so einen großen Unterschied machen würden. Was den Dialekt angeht: Ich verwende Ausdrücke von meiner Weinviertler Oma genauso wie Wienerisches oder alles andere. Mir geht es um die Worte und nicht darum, wo sie herkommen.

Du hast die Kunstfigur Voodoo Jürgens ganz bewusst geschaffen und willst nicht mit deinem echten Namen angesprochen werden, warum?
Das ist nur eine Seite von mir. Als Voodoo kann ich Dinge angreifen, die ich sonst vielleicht nicht angegriffen hätte. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich plötzlich ganz andere Musik machen muss oder, dass ich damit zu sehr festpick‘, dann nehme ich vielleicht ein anderes Pseudonym. Aber im Moment schaut es nicht danach aus.

Wenn du das letzte Jahr Revue passieren lässt, was war das Ärgste oder das Größte daran?
Das Flashigste war, dass die „Ansa Woar“ auch in den Ö3-Album-Charts auf die Nummer 1 gekommen ist. Das ist mit einem Album, das von einem kleinen Indie-Label kommt, noch nie passiert. Andererseits sind schnell hintereinander so viele coole Sachen passiert, dass es schwierig ist, einzelne herauszuklauben: Vor den Libertines in der Stadthalle zu spielen oder im ausverkauften Flex, in dem ich früher selbst gearbeitet habe oder wo ich weggegangen bin.

"Geigen, Quetschn, Kontrabass, Bläser … werden sicher auch in die nächste Platte einfließen"

Also schon auch große Bühnen?
Ja, und je mehr es auch nach Deutschland ging, desto mehr. Da habe ich auch erkannt, dass eine Band Sinn macht. Deshalb habe ich die „Ansa Panier“ gegründet, mit wechselnden Musikern, mittlerweile sind es sieben, da sind echte Freundschaften entstanden. Geigen, Quetschn (Anm.: Ziehharmonika), Kontrabass, Bläser … werden sicher auch in die nächste Platte einfließen, bei der ersten war ja in erster Linie Akustikgitarre zu hören.

Apropos nächste Platte: Wann ist es denn so weit?
Jetzt steht einmal die Festival-Saison mit Konzerten in Österreich, Deutschland und der Schweiz auf dem Programm. Im Herbst werde ich mich dann ein bisserl zurückziehen. In den letzten zwei Jahren habe ich wirklich viel live gespielt, zweimal pro Woche, manchmal auch öfter. Aber mich für drei Monate ganz aus dem Spiel zu nehmen, wie bei der ersten Platte, das wird diesmal wohl nicht möglich sein.

Wenn das neue Album musikalischer wird, werden Spoken-Word-Stücke wie „Alimente“ noch eine Rolle spielen?
Auf jeden Fall, ich habe da schon einige Ideen. Es ist nur die Frage, ob das homogen in ein Album passt oder ob das mehrere kleine Formate werden.

Neue Stücke gibt es derzeit bei deiner Zusammenarbeit mit Stefanie Sargnagel, „Ja, eh! Beisl, Bier und Bachmannpreis“ im Wiener Rabenhof Theater zu hören, wie kam es dazu?
Theater hat mich immer interessiert und es war klar, dass ich das mache, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Die Steffi war eine der ersten, die ich in Wien kennengelernt habe. Dadurch war klar, dass die Zusammenarbeit passt. Man muss ja aufpassen, wenn man viele Angebote bekommt. Aber die Gefahr, sich zu verrennen, die war hier einfach nie gegeben. Also habe ich drei neue Stücke geschrieben, eines handelt übrigens vom Tullner Eislaufplatz.

Auftritte in Tulln: Eine Mischung aus Vorfreude und Aufgeregtheit

Womit wir wieder in der Stadt deiner Kindheit sind. Wie geht es dir mit Auftritten in Tulln?
Vor dem letzten Auftritt in der Kunstwerkstatt habe ich wochenlang nachgedacht: Es war eine Mischung aus Vorfreude und Aufgeregtheit. Die Kunstwerkstatt war auch die erste Plattform, die mir als Jugendlicher ermöglicht hat, etwas zu machen. Somit war das schon sehr emotional. Aber es ist dann eh gut aufgenommen worden.

Und am 8. Juli gibst du ein Gratiskonzert auf der Donaubühne?
Ja, und dazu gibt’s eine fast schon kitschige Geschichte: In der Volksschule mussten wir eine Zeichnung zu unserem Berufswunsch machen und ich habe mich mit meinen damaligen Freunden auf der (alten) Donaubühne gezeichnet. Diese Zeichnung habe ich jetzt erst wieder ausgegraben und es ist irgendwie arg, dass das jetzt so ähnlich Wirklichkeit wird. Aber vielleicht inspiriert das ja andere, an sich zu glauben und es auch zu versuchen.

Einser-Frage zur „Ansa Woar“: Kann man davon leben?
Ich bin ja damit aufgewachsen: „Wenn du nicht gerade der Ambros bist, dann kommst du auch nicht damit durch“. Aber wie sich jetzt gezeigt hat: Es kann sich ausgehen. Wobei es sehr viele Leute gibt, die wirklich gute Musik machen, bei denen es nicht so ist. Die Schäfchen im Trockenen hat man damit zwar nie, aber was soll’s: Wenn es weniger wird, wird sich etwas Anderes finden. So weit in die Zukunft habe ich nie gedacht und ich werde jetzt nicht damit anfangen.