Erstellt am 26. Juli 2016, 13:29

von Thomas Peischl und Bernhard Steinböck

„Diese Dinger sind überall“. Die kleinen Monster sind auch im Bezirk Tulln unterwegs.

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Philipp Kirschner ist mit seinen Freunden am späten Nachmittag im Marc Aurel-Park unterwegs. Der junge Bankangestellte hat Anzug und Krawatte abgelegt und ist jetzt ganz „Monsterjäger oder -trainer“. Er ist dabei seit dem Tag, an dem das Spiel vor knapp zwei Wochen in Österreich offiziell frei gegeben wurde.

„Diese Dinger sind überall zu finden“, erklärt Philipp, „aber der Park ist ein Hotspot, hier gibt es besonders viele Pokemon zu schnappen.“

„Manche Anwender unterschätzen die Gefahren der natürlichen Umwelt. Das betrifft auch den Straßenverkehr...“ 
 

Raimund Schwaigerlehner, Landespolizeidirektion NÖ

Das hat sich bereits wie ein Lauffeuer verbreitet und erklärt, warum das Areal dieser Tage besonders stark frequentiert wird. „An die 100 pro Tag werden es schon sein“, meint eine Anrainerin, „bis zu 50 Personen halten sich mitunter dort gleichzeitig auf.“ Allein, in Gruppen, mit dem Fahrrad, zu Fuß, am Skateboard, mit Hund und Kinderwagen.

Tulln im Pokemon-Fieber

So wie Philipp und seine Freunde hat Pokémon GO weltweit unzählige vorwiegend jugendliche Fans in den Bann gezogen. Eine Art Fieber, befällt einen, sobald man die Spiele-App auf das Smartphone geladen hat. Wer vorausschauend denkt, hat Akkupacks bei der Jagd auf Pokémon dabei, um die Kapazität des Smartphones zu verlängern.

Pokémon gab es bereits in der 1990er-Jahren, für den Gameboy und als Kartenspiel. Im Gegensatz zu Videospielen, bei denen man stundenlang am Handy oder vorm Computer auf sich allein gestellt zockt, treibt die Jagd auf die kleinen Monster die Menschen in Scharen an die frische Luft. Dort halten sich Rattfratz, Hornliu und Co versteckt, tauchen unvermutet auf und warten darauf, gefangen zu werden. Bei eingeschalteter Kamera werden sie auf dem Smartphone-Bildschirm in die echte Umgebung eingeblendet. Häufig besuchte Orte in der Realität verwandeln sich im Spiel zu Kampfarenen oder Plätzen zum Auffüllen der Ausrüstung (Pokéstops).

Straßen, Parks, Einkaufszentren und Sehenswürdigkeiten werden so zum Jagdgebiet oder Kampfplatz. Mit der ersten App, die das Prinzip der „augmentend Reality“ (veränderte Realität) erfolgreich umsetzt, kann das mitunter kuriose Formen annehmen. So wurden Pokémon angeblich schon in Kirchen, auf Friedhöfen, in Spitälern und in Klomuscheln(!) gesichtet.

So schön der Gedanke an ein Zurück in die Natur und auf die Straßen auch erscheinen mag, negative Folgen gibt es vor allem im Straßenverkehr. Zwar ist bei der Polizei in Tulln noch keine Anzeige in Verbindung mit dem Spiel und einem Unfall eingegangen, aber zumindest jeder Zweite kann über unangenehme Begegnungen von Pokémon-Jägern mit anderen Verkehrsteilnehmern berichten, oder war gar darin verwickelt.

Pressesprecher Raimund Schwaigerlehner von der Landespolizeidirektion NÖ warnt vor Unachtsamkeiten: „Manche Anwender unterschätzen die Gefahren der natürlichen Umwelt. Das betrifft auch den Straßenverkehr, wo es sich empfiehlt, regelmäßig den Blick vom Bildschirm zu lösen und auf die Umgebung zu achten. Wenn man sich da zu Fuß bewegt, ist höchste Vorsicht geboten.“ Auch das Thema Datenschutz sollte beachtet werden. Herunterladen kann man das Spiel zwar gratis, bezahlt werden muss es jedoch mit der Preisgabe der persönlichen Daten. „Ich hab schon wieder einen“, ruft Dominik im Marc Aurel-Park, tippt wild auf das Display seines Handys ein und rennt zum Reiterstandbild des Marc Aurel, wo er seinen Pokémon in der dort befindlichen virtuellen Arena in den Kampf schickt. In dem Moment fährt Lukas mit dem Rad vorbei und schreit: „Gewonnen!“ „Ah, du warst das“, meint Dominik nur und neigt seinen Kopf Richtung Handy. Ein kampfbereites Monster wartet schon an der nächsten Ecke ...

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