Erstellt am 23. März 2016, 04:04

Ratschen bleibt den Buben vorbehalten. Dorferneuerung setzt sich für Gleichberechtigung ein. Missverständnisse führen zu Diskussionen in der Bevölkerung.

Auch heuer kein Ratschen für Mädchen.  |  NOEN, shutterstock/Lucciana

Zwischen Gründonnerstag und Karsamstag erinnern die Ratscherkinder an die Gebetszeiten zur Osterzeit. Auch in Atzenbrugg. Doch bisher war es dort nicht üblich, dass Mädchen mit den Ratschen durch die Gassen zogen, dies war nur den Burschen vorbehalten.

„Das haben Mädchen und deren Eltern immer hingenommen, soll sich aber nun ändern“, sagt Maria Huber, Obfrau der Dorferneuerung in Atzenbrugg. Kritische Dorfbewohner wiederum pochen auf immer schon bestehende Traditionen.

Mit dieser Tradition sollte heuer gebrochen werden. In anderen Gemeinden sei die strenge Auflage, nur Buben ratschen zu schicken, bereits deutlich gelockert worden. „Ich setze mich dafür ein, dass auch Mädchen das tun können, wenn sie wollen“, so Huber. Ihr sei wichtig, dass dabei kein böses Blut entstünde, denn es hieß ursprünglich, dass es Mädchen gänzlich untersagt sei, diesen Brauch aktiv auszuüben.

Missverständnisse in der Organisation

Eine Reihe von Missverständnissen führte schließlich dazu, dass heuer wieder kein Mädchen bei den Ratschern dabei ist. Es gab Probleme bei der Anmeldung. Die Verantwortlichen wurden nicht rechtzeitig informiert, die Ratscherbuben hingegen schon. Viele wussten gar nicht, wer eigentlich verantwortlich ist.
Innerhalb der Gemeinde gibt es verschiedene Voraussetzungen zum Ratschen. Schließlich wurde die Situation immer undurchsichtiger und verworrener.

Schlussendlich mochte sich niemand mehr gegenüber der NÖN äußern, um das Feuer nicht noch weiter zu schüren.

Für heuer steht nun fest, dass – wie bisher – nur Buben die Kirchenglocken ersetzen. „So weit hätte es nicht kommen müssen“, ist Huber enttäuscht. Der Ratschermeister habe ihr versprochen, dass er sich bei den Betroffenen entschuldigen werde. Schließlich möchte niemand, dass die Situation noch weiter eskaliert.