Tulln

Erstellt am 10. August 2016, 05:10

von Martin Gruber-Dorninger

Dem Plastik geht’s nun an den Kragen. Zwei Jungforscher widmeten sich der Problematik um den Kunststoff. Dafür gab es auch jeweils einen Preis.

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Plastik ist ein wichtiger Werkstoff in unserer Gesellschaft und von dort eigentlich nicht wegzudenken. Plastik wird auch deshalb Kunststoff genannt, weil er nicht natürlich vorkommt und künstlich erzeugt werden muss. Daher ist er auch auf natürlichem Weg nicht so einfach abbaubar und verbleibt bis zu 1.000 Jahre in der Natur. Plastik wird von Tieren aufgenommen und gelangt auch so auch in den Nahrungskreislauf des Menschen.

Bilder mit verendeten Meeresvögel, deren Mageninhalt fast ausschließlich aus den Hartplastikverschlüssen der PET-Flaschen besteht, gingen kürzlich um die Welt.

Platz eins und zwei bei den Rotary-Awards

Eine Forschergruppe der BOKU im Technopol Tulln, besser gesagt zwei Jungwissenschaftler, haben sich dieses Problems angenommen und in verschiedenen Herangehensweisen elegante Lösungen präsentiert. Dafür erhielten Lisa Entinger und Alessandro Pellis auch die ersten beiden Preise bei den renommierten Rotary-Awards.

Entinger ging der Frage nach, wie man diese künstlich hergestellten Plastikteile, möglichst umweltschonend und schnell abbauen kann. Die Antwort steckt in den Proteinen, umgangssprachlich auch Eiweiße genannt. Proteine sind oftmals riesige chemische Verbindungen und manche davon - die sogenannten Enzyme - können als „Katalysatoren“ verwendet werden. Katalysatoren beschleunigen Prozesse – in diesem Fall den Abbauprozess von Plastik. Die Forschergruppe benutzt das Enzym „Cutinase“ für den Abbau von Plastik. Cutinasen kommen in der Natur nur sehr selten vor. Um dieses Enzym anzureichern, wird der Organismus Hefe benutzt, der Cutinase in größerem Maßstab erzeugen kann.

Bioplastik mit neuen Eigenschaften

Alessandro Pellis ging anders an das Problem „Plastik“ heran. Er versuchte mit seiner Forschergruppe einen Stoff herzustellen, der den Eigenschaften des herkömmlichen Plastiks gleicht, aber biologisch besser abbaubar ist. Nach Gebrauch könnte das Bioplastik auf den Komposthaufen geworfen werden. Ziel ist es, PET-Flaschen durch diesen neuen Werkstoff zu ersetzen. Bei Pellis haben schon einige Firmen angeklopft und reges Interesse am neuen Material bekundet.