Erstellt am 24. Februar 2016, 05:04

von Doris Firmkranz

Sexueller Übergriff war frei erfunden. Asylsuchende werden oft fälschlich verschiedenster Vergehen bezichtigt. Polizei und Stadt suchen nach Lösungen.

Miteinander Freizeit verbringen - möglich im »Begegnungscafè« im Rosenheim.  |  NOEN, Urbanitsch

So schildert etwa Stadträtin Elfriede Pfeiffer: "Kürzlich war ich bei einem älteren Bürger um ihm im Namen der Stadtgemeinde Glückwünsche zum Geburtstag zu übermitteln.“ Beim Plaudern sei man am Thema Flüchtlinge nicht vorbeigekommen. Der Jubilar und seine Frau waren selbst vor vielen Jahren aus Bosnien geflüchtet und erzählten nun voll Dankbarkeit wie sie damals unterstützt worden waren.

"Alles frei erfunden!"

Pfeiffer weiter: „Da läutet plötzlich die Nachbarin an der Wohnungstür und erzählt zwischen Tür und Angel, die Polizei wäre am Vortag von Wohnung zu Wohnung gegangen, um zu raten, künftig nur noch in Begleitung oder mit Pfefferspray bewaffnet aus dem Haus zu gehen. Grund: In unmittelbarer Nähe des Wohnhauses, wo sich auch ein Container mit Flüchtlingen befindet, seien zwei Frauen vergewaltigt worden.“

Eine Anfrage bei der Polizei ergab: Alles frei erfunden!

Grapschen, Betteln, Drogenhandel – das alles wird jetzt gerne Asylwerbern in die Schuhe geschoben. Doch der Polizei sind bis jetzt keine kriminellen Handlungen durch Asylwerber bekannt. Damit das so bleibt, arbeiten Exekutive, Stadtgemeinde, Plattformen, Pfarren und Hilfsorganisationen zusammen.

"Wer sich nicht daran hält, muss Tulln wieder verlassen.“

Bürgermeister Peter Eisenschenk: „Mir ist wichtig, dass die in Tulln untergebrachten Asylwerber volle Unterstützung erhalten und gleichzeitig fordern wir von ihnen im Gegenzug ganz klar, dass unsere Verhaltensweisen und Werte beachtet werden. Wer sich nicht daran hält, muss Tulln wieder verlassen.“


Wissenswertes zum Thema

  • 150 Flüchtlinge sind derzeit in Tulln untergebracht, davon 50 privat, der Rest in Wohncontainern (St. Stephan, St. Severin, Agrana, Frauenhofen, Langenlebarn) .

  • Herkunft: Afghanistan, Irak, Iran, Ukraine bzw. Russland, Palästina, Syrien, Pakistan, Nigeria.

  • Die Website der Plattform Flüchtlingshilfe (tulln.hilft.at) bietet Aktuelles, Kontakte und Infos.

  • Ein Welcome-Guide in fünf Sprachen für Neuankommende wurde von der Stadt aufgelegt und dient bereits als Vorbild für andere Kommunen.