Erstellt am 20. April 2016, 05:04

von Gabi Gröbl und Martin Gruber-Dorninger

Tschernobyl: Der Tag an demd ie Erde stillstand. Katastrophe jährt sich Ende April zum 30. Mal. Die NÖN sprach mit BOKU-Rektor Gerzabek, der damals Bodenuntersuchungen durchführte.

Martin Gerzabek ist heute Rektor der BOKU, 1986 war er an der Untersuchung von verstrahlten Bodenproben in Österreich federführend.  |  NOEN, Birgit Kindler

"26. April, vor 30 Jahren. Eine der größten Umwelttragödien nimmt ihren Lauf: im heute ukrainischen Tschernobyl explodierte in Block vier des Kernkraftwerkes der Reaktor. Dies hatte nicht nur für die unmittelbare Umgebung Auswirkungen, auch der Tullner Bezirk wurde massiv beeinflusst.

Einer, der die Auswirkungen hautnah und praktisch als Erster mitbekommen hat, ist der heutige Rektor der BOKU Martin Gerzabek. „Ich war damals in Seibersdorf der Strahlenschutzverantwortliche des Instituts für Landwirtschaft. Deshalb hatte ich auch stets einen Blick auf die Messgeräte“, erklärt Gerzabek gegenüber der NÖN. Ausschläge der Nadel sind an diesen Messgeräten praktisch nie vorgekommen. Am 29. April jedoch schlugen die Geräte aus. Wenig später erfolgte ein Anruf des Bundeskanzleramtes – Tschernobyl habe auch Österreich erreicht. Eine radioaktive Wolke zog bedrohlich über Österreich und regnete ihre gefährliche Fracht ab.

Tullner Bauern wussten nicht weiter

Unter den Landwirten im Tullnerfeld kam große Sorge auf, davon berichtete auch die Tullner NÖN vor 30 Jahren: „Radioaktive Erde auf Äckern“ hieß damals die Schlagzeile.

Für die Bevölkerung wurden Maßnahmen zur Vorsicht vorgeschrieben. Dazu gehörten: Nicht in der Sandkiste spielen, kein Obst aus dem Garten essen, nicht schwimmen gehen, Erdarbeiten vermeiden. Bezirksbauernkammer Obmann Hermann Dam kann sich gut an die Schutzmaßnahmen erinnern. Eine davon besagte, nicht mit Erde und Staub in Kontakt kommen: „Wie hätten wir Bauern das machen sollen? Das wäre doch nicht möglich gewesen.“

Einen Berührungspunkt von damals hat der Bezirk Tulln auch noch mit dem niemals in Betrieb gegangenen Atomkraftwerk in Zwentendorf.

Ein skurriler Fund holt die Vergangenheit aber in die Gegenwart zurück: Bei einer Sonderführung durch den Keller des AKW Zwentendorf wurden vor einiger Zeit ein paar Kisten mit alten Filmrollen entdeckt. Eine besondere Perle aus der Welt der 1970er Jahre stellt die EVN auf dem EVN-Youtube-Kanal zur Ansicht zur Verfügung 
 

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