Tulln

Erstellt am 07. April 2017, 03:32

von Claudia Stöcklöcker

49-Jähriger muss nicht in Anstalt. Senat lehnt Unterbringung eines psychisch Kranken, der am Amt ausrastete, ab.

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„Aufgebracht war er, durch sein wirres Verhalten haben wir uns bedroht gefühlt und haben den Alarmknopf gedrückt“, erzählt eine Mitarbeiterin der Bezirkshauptmannschaft Tulln über einen 49-Jährigen aus dem Bezirk vorm Richter.

Dass den Frauen Polizisten zu Hilfe eilten, kam nicht gelegen. Einen Beamten schubste der Mann, weil er das Gebäude nicht freiwillig verlassen wollte und wehrte sich mit Händen und Füßen bei der Festnahme.

Weil der 49-Jährige zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig war, beantragte die Staatsanwaltschaft vor einem Schöffensenat die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

„Er hat geglaubt, dass sich der Staat gegen ihn verschworen hat"

Laut psychiatrischer Expertise ist der 49-Jährige an paranoider Schizophrenie erkrankt. „Er hat geglaubt, dass sich der Staat gegen ihn verschworen hat und der Bezirkshauptmannschaft Schuld dafür gegeben, dass ihm der Strom abgedreht worden ist“, erklärt Psychiater Dietmar Jünger. Der Gutachter weiter: „Er konnte sein Handeln nicht steuern, war erregt und nicht zurechnungsfähig.“

Laut Jünger wäre mit ähnlichen weiteren Taten wie Widerstand gegen die Staatsgewalt zu rechnen. Ob der 49-Jährige auch zu Taten gegen Leib und Leben, wie schwere Körperverletzung, fähig ist, kann der Mediziner nicht mit der für eine Einweisung notwendigen Sicherheit sagen.

Der Senat weist somit den Antrag auf Unterbringung ab (nicht rechtskräftig). Der 49-Jährige darf nach Hause gehen.