Tulln

Erstellt am 10. August 2016, 05:08

von Doris Firmkranz

Ausraster auf Polizei wird zum Politikum. Die Affäre um einen randalierenden Asylberechtigten in Wiener Polizeistation löst jetzt einen politischen Schlagabtausch aus.

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Ein 22-jähriger Asylberechtigter aus Nigeria war wenige Stunden, nachdem er seine Strafe wegen Störung der öffentlichen Sicherheit an Ort und Stelle bezahlt hatte, gegen 21 Uhr in die Polizeiinspektion am Urban-Loritz-Platz im siebten Wiener Gemeindebezirk verärgert zurückgekehrt. Laut Polizeibericht beschwerte er sich lautstark über die Amtshandlung am Nachmittag.

Der derzeit in Tulln wohnhafte Nigerianer soll demnach seine Aggressivität zunächst auf Einrichtungsgegenstände gerichtet haben und dann auf die Polizisten losgegangen sein. Dabei verletzte er einen Beamten am Knie. Die Polizisten versuchten den Randalierer zu beruhigen, worauf dieser das Gebäude verließ.

Der Randalierer drohte mit dem Umbringen

„Draußen ging es dann erst so richtig los“, berichtet Polizeisprecher Patrick Maierhofer. Der Nigerianer tobte und bedrohte zwei hinzukommende Polizisten. „Der Mann wollte mit ihnen kämpfen, zog sein T-Shirt aus und ging in Angriffsposition“, schildert Maierhofer. Sie wären nicht die ersten Polizisten, die er umbringt, soll er zu den Beamten gesagt haben. Der Mann konnte schließlich überwältigt werden. Er wurde wegen schwerer Körperverletzung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt angezeigt und vorübergehend festgenommen.

„Die rechtlichen Folgen für den Mann reichen von bedingter Haftstrafe bis zu mehreren Jahren hinter Gitter.“

Patrick Maierhofer, Polizeisprecher

„Mit rechtlichen Folgen in Form von bedingter Haftstrafe bis Gefängnis, abhängig vom Richterspruch im Ausmaß von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, muss der Mann rechnen“, so Maierhofer weiter.

Bei ihren Recherchen die Identität des nigerianischen Asylberechtigten betreffend, stieß die NÖN zunächst auf Verwunderung. „Uns hat niemand über den Vorfall in Kenntnis gesetzt. Die Polizeiinspektion in Wien beruft sich auf Anfrage, auf den Datenschutz“, berichtet Christian Resch von der Stadtgemeinde und verweist auf die Leiterin der Tullner Flüchtlingshilfe Cornelia Raderer. Diese kann „nichts bestätigen“. Die Pfarre St. Stephan, auf deren Grundstück der Container steht, in dem der 22-Jährige gemeinsam mit anderen Asylwerbern angeblich wohnen soll, war zu keiner Stellungnahme bereit.

Sofort reagierte hingegen FPÖ-Bezirksparteiobmann Andreas Bors auf den Ausraster des Nigerianers: „So kann es nicht länger weiter gehen. Wir brauchen keine Asylanten in Tulln, die sich nicht zu benehmen wissen“, meint er und fordert Bürgermeister Peter Eisenschenk auf, endlich zu handeln. TVP-Fraktionsobmann Peter Höckner kontert: „Der Bürgermeister ist nicht für Abschiebungen zuständig. Das ist alles politisches Kalkül der FPÖ“. In Tulln werde eine vorbildliche Betreuung gelebt, die national und international gelobt werde. „Natürlich lässt sich in Einzelfällen Fehlverhalten nicht gänzlich ausschließen. Betreffende Personen haben hier auch mit Konsequenzen zu rechnen“, so Peter Höckner.