Tulln

Erstellt am 21. Oktober 2016, 05:59

von Thomas Peischl

Buchvorstellungen: Neues von Schindlecker. Mit einer Graphic Novel über Heinz Fischer und der österreichischen „Psycherl-Analyse“ liefert der Langenlebarner Autor unterhaltsamen Lesestoff.

Am Samstag, 10. Dezember, wird Fritz Schindlecker gemeinsam mit Erwin Steinhauer im Tullner Danubium aus beiden aktuellen Büchern („Heinz Fischer und die Zweite Republik“ und „Wir sind super! Die österreichische Psycherl-Analyse“) lesen.  |  Peischl

Mit 60 Jahren fasste der Autor Fritz Schindlecker einen Entschluss: „Ich will nur noch Dinge machen, die ich noch nicht gemacht habe.“ Natürlich war dem heute 63-Jährigen Langenlebarner klar, dass das nicht immer möglich sein wird, aber bis jetzt schafft er es regelmäßig, seine Leser zu überraschen.

So erschien etwa gerade unter dem Titel „Heinz Fischer und die Zweite Republik“ seine erste Graphic Novel (eine Art textlastiger Comic für Erwachsene). Die Illustrationen stammen von Reinhard Trinkler (bekannt durch seine „Herr Karl“- und Kottan-Comics), als wissenschaftlicher Berater stand den beiden Meinhard Rauchensteiner zur Seite.

Rauchensteiner war unter anderem seit 2007 Bundespräsident Fischers Berater für Wissenschaft, Kunst und Kultur. Als weitere Quellen dienten Bücher über Fischer (vor allem „Reflexionen“) und der Bundespräsident a.D. selbst.

„Mein Appell an die Politiker ist, sie mögen wieder ein bisserl gescheiter werden, denn man kann nur vernünftige Menschen karikieren.“

Fritz Schindlecker

„Es war eine interessante generationenübergreifende Kooperation“, berichtet Schindlecker, „Fischer ist 77, Rauchensteiner 45 und Trinkler erst 29 Jahre alt.“ Entstanden ist daraus eine kurzweilig zu lesende, bildhafte, naturgemäß sozialdemokratisch geprägte Geschichte der zweiten Republik. Schließlich erzählt im Buch der heutige Heinz Fischer die Hauptstoryline in einem öffentlichen Saal vor Publikum.

Wobei der ehemalige Präsident Schindlecker in einer Gesprächsrunde sogar mit den Worten „Der Autor ist etwas zu links“ korrigierte und auf einer Relativierung der Figur des Kurt Waldheim bestand.

Schindlecker zeigt sich von allen Kooperationspartnern begeistert: „Trinkler prägte das Buch mit seinem Zeichen-Foto-Mixstil, Fischer und Rauchen-steiner sind umfassend gebildete faszinierende Gesprächspartner, zeitweise unterhielten sich die beiden auf altgriechisch.“ Etwas, das Schindlecker zwar schon gemacht hat, bei dem er trotzdem zum Wiederholungstäter wurde ist, ein gemeinsames Buch mit Erwin Steinhauer.

Buch ist gegenwarts- und zukunftsorientiert

Nachdem die beiden schon mit ihrer ganz persönlichen Zeitgeschichte „Sissi, Stones & Sonnenkönig“ zu begeistern wussten, kommt jetzt „Wir sind super! Die österreichische Psycherl-Analyse“. Die liebevolle Verkleinerungsform „Psycherl“, hinter der sich trotzdem ein potenzieller Massenmörder verbergen kann, wählten die beiden bewusst.

Das Buch ist für Schindlecker ungewohnt gegenwarts- und zukunftsorientiert, in einigen Ausflügen in die Vergangenheit bricht aber dann doch der engagierte Hobbyhistoriker aus ihm heraus (etwa beim „Kingnapping“ durch die Babenberger).

Das ganze Werk zeichnet ein stark parodistischer Ansatz aus, vor allem bei den Prognosen im dritten Abschnitt („Vereinigte Staaten von Großösterreich“) aber auch bei der Analyse der Seelenlandschaften der neun Bundesländer im Hauptteil, Prädikat: „sehr unterhaltsam“.

Auf die Frage, warum sich so mancher Österreicher von allem Fremden, allem Ausländischen oftmals bedroht fühlt, haben die begnadeten „Austrologen“ und Hobbyanalytiker aber auch keine Antwort.