Tulln

Erstellt am 04. August 2017, 05:36

von Martin Gruber-Dorninger

DNA-Stück als Spürhund. Nichts soll der Analyse-Wunderwaffe mehr entgehen. Erstes Einsatzgebiet ist fäkale Verunreinigungen im Trinkwasser aufzuspüren. Doch das ist erst der Anfang.

Die Arbeitsgruppe am Analytikzentrum des IFA Tulln ist Aptameren auf der Spur. Die Gruppe mit Georg Reischer (Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Diagnostik), Rudolf Krska (Leiter Analytikzentrum), Claudia Kolm (DOC-Stipendiatin) und Dissertant Roland Martzy (v. l.).  |  NOEN, privat

Der Spruch „Da schau her, ein Aptamer“, ist bislang in der Arbeitsgruppe am Analytikzentrum des IFA Tulln wohl ein Insider-Schmäh. Dies könnte sich aber bald ändern, denn ein neues Projekt ist am Laufen, das sich genau mit diesen Aptameren beschäftigt. Das sind kurze Stücke von DNA und haben die Eigenschaft an bestimmten Molekülen haften zu bleiben. Was damit angestellt werden kann, verrät der Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Diagnostik Georg Reischer.

Es ist oftmals sehr schwierig Stoffe in geringer Konzentration zu erkennen. Dass diese Stoffe nicht besonders zahlreich vorkommen, heißt nicht, dass sie nicht schädlich sein können. Beispielsweise Fäkalkeime im Trinkwasser. Damit aber auch diese entdeckt werden können, bedient sich eine Forschergruppe sogenannter „Aptamere“. „Wurde dieser Stoff dann erkannt, kann man sich in der Praxis weiterhin auf Spurensuche begeben. Wo kommt das her? Wie kann man das Problem beheben?“, bleibt Reischer beim Beispiel des verunreinigten Trinkwassers. „Damit würden sie einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Bevölkerung vor durch Wasser übertragbare Infektionskrankheiten leisten“, ist Reischer überzeugt.

Apatamere besser als Antikörper

Doch Aptamere können mehr. Denn diese Fähigkeit Stoffe zielgenau aufzuspüren, zu erkennen und sich daran zu binden, bieten ein großes Anwendungsfeld in der Biosensorik. „Sie können zunehmend die Anwendungen von Antikörpern ersetzen“, schwärmt Reischer. Sie sind wesentlich robuster und können in großer Zahl künstlich hergestellt werden.

Um dieses spannende Gebiet näher zu erforschen, fördert die Akademie der Wissenschaften dieses Projekt, in Form eines sogenannten DOC-Stipendiums. Die Wahl fiel auf die TU-Mitarbeiterin am IFA Tulln Claudia Kolm. Die Dissertantin beschäftigt sich mit der Entwicklung von DNA-Aptameren, die als Fang- und Detektionsmoleküle fungieren sollen.

Das Projekt wird am Department für Molekulare Diagnostik am IFA Tulln gemeinsam mit dem interuniversitärem Kooperationszentrum Wasser und Gesundheit (TU Wien und MedUni Wien), der Karl Landsteiner Universität sowie der Carleton University in Ottawa, Canada, durchgeführt.