Erstellt am 29. Oktober 2015, 05:32

von Claudia Stöcklöcker

Und dann flogen die Fäuste.... 3-Jähriger wollte Streit schlichten, zückte die Faust und kassierte Tritte. Sein Kontrahent muss nun sechs Monate absitzen.

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"Wenn ihm jemand in die Quere kommt, dann ist er nicht mehr Herr seiner Sinne", sagt ein Verteidiger im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

Absichtlich schwere Körperverletzung wird seinem Mandanten, einem 21-Jährigen aus dem Bezirk Tulln, vorgeworfen, mit Füßen trat er brutal auf einen Stockerauer ein.

Streit mit der Freundin eskalierte

Bier und Schnäpse hatte der 21-Jährige intus, als er heuer im Sommer am frühen Morgen auf einem Parkplatz vor einem Lokal im Bezirk Tulln mit seiner Freundin eine Auseinandersetzung hatte. Schlichten wollte den Streit ein Stockerauer (33). Dieser wäre zu weit gegangen, habe provoziert, meint der Angeklagte.

„Er hat mich zuerst gestoßen, mit der Faust geschlagen. Das lass’ ich mir nicht gefallen“, sagt der Angeklagte vor Richter Markus Grünberger. Eine Zeugin bestätigt seine Version.

Das Opfer erzählt anderes: „Ich habe gehört, dass er laut schreit, bin zu ihm, um ihn deswegen anzusprechen. Da ist schon die Faust geflogen, ich bin am Boden gelegen.“

 „Das letzte Mal von einer Semmel abgebissen, habe ich im Juli!“ 

Mit den Füßen malträtierte der Angeklagte den Wehrlosen dann. Dieser trug schwere Verletzungen davon. „Oberkieferfraktur, Gehirnerschütterung und sieben Zähne waren in Mitleidenschaft gezogen, einer hat gefehlt“, listet der Stockerauer auf. Ob er heute noch beeinträchtigt ist? „Das letzte Mal von einer Semmel abgebissen, habe ich im Juli!“ Für den bereits Vorbestraften setzt es 18 Monate teilbedingt, sechs Monate davon hinter Gittern. 

3.000 Euro muss er an das Opfer berappen, Bewährungshilfe und Antigewalttraining sollen ihn bessern. „Eine Provokation war gegeben“, begründet der Richter und mahnt den Angeklagten, erteilte Weisungen einzuhalten: „Es werden wieder Situationen kommen, wo Sie sonst zurückschlagen. Und wenn es so weitergeht, landen Sie im Gefängnis und kommen nicht mehr raus!“ Das Urteil ist nicht rechtskräftig.