Erstellt am 11. November 2015, 05:07

von Günter Rapp

Unendliche Geschichte :"Wollen Gerechtigkeit!". Ehepaar in der Dr. Johann-Baumgartner-Straße wehrt sich seit mehr als 20 Jahren gegen Kanalanschluss in der St. Georg-Straße. Anschlusszwang bleibt ausgesetzt.

Friedrich und Elfriede Kügler im Garten ihres Wohnhauses. Den gesunden Baumbestand müssten sie roden, wenn hier der fast 100 Meter lange Kanalstrang verlegt würde.  |  NOEN, Rapp

Unglaublich, aber wahr. Das Wohnhaus in der Dr. Johann-Baumgartner-Straße 10 ist bis heute nicht an die öffentliche Abwasserbeseitigungsanlage angeschlossen. „Eine lange Geschichte, ein dicker Akt!“, sagt Bürgermeister Alois Zetsch. „Wir wollen endlich Gerechtigkeit“, sagen Elfriede und Friedrich Kügler.

Die Vorgeschichte: Seit 1972 gibt es das Wohnhaus in der Dr. Johann-Baumgartner-Straße 10. „Unser Haus war das erste in dieser Straße“, erinnert sich Elfriede Kügler. Sie hatte das Grundstück von ihren Eltern bekommen und dann dort gemeinsam mit ihrem Gatten gebaut. Vor rund 25 Jahren wurde mit dem Kanalbau begonnen und in der Dr. Johann-Baumgartner-Straße ein Kanal geplant.

Dieser wurde aber nicht realisiert, Familie Kügler sollte in der am südlichen Ende der Liegenschaft angrenzenden St. Georg-Straße an den Kanal anschließen. Die Gemeinde schrieb die Kanalanschlussgebühr vor, dagegen legten die Küglers Berufung ein. „Wir hatten ja die Zusage, dass in der Dr. Johann-Baumgartner-Straße ein Kanal kommt“, so Elfriede Kügler. Nach einem längeren Rechtsstreit wurde die Anschlussgebühr von 18.000 Schilling schließlich bezahlt.

Warten auf einen Kanal in Baumgartner-Straße

Im Jahr 1999 wurde Familie Kügler der Kanalbau bescheidmäßig aufgetragen. Nach einer weiteren Berufung kam es am 23. Februar 1999 zu einer Einigung mit der Marktgemeinde Großweikersdorf: Der Kanalanschluss muss erst dann erfolgen, wenn in der Dr. Johann-Baumgartner-Straße ein Kanal errichtet wird. Der Anschlusszwang wurde also ausgesetzt.

2003 befasste Familie Kügler die Volksanwaltschaft mit der „Causa Kanal“. Weil kein entsprechender Bescheid über die Aussetzung des Anschlusszwangs ergangen war, musste dies mit Bescheid vom 2. Mai 2003 nachgeholt werden.

„Derzeit ist kein Bedarf an einem Kanalstrang in der Dr. Johann-Baumgartner-Straße gegeben“, sagt Bürgermeister Alois Zetsch. „Die Entwässerung erfolgt zur Oberrußbacher-Straße hin. Außerdem würden der Gemeinde Kosten in Höhe von rund 72.000 Euro entstehen.“

Der Gemeinderat einigte sich jetzt einstimmig auf eine Bestätigung des Bescheides von 1999 und damit Verlängerung der Anschluss-Aussetzung. „Dass Familie Kügler ihren Kanal nicht anschließen muss, ist ein Entgegenkommen des Gemeinderates“, betont der Bürgermeister.

„Für uns wäre es unmöglich, einen fast 90 Meter langen Kanalanschluss an die St. Georg-Straße herzustellen“, so Friedrich Kügler zur NÖN. „Da müssten wir den Garten roden, weil das Grundstück schmal ist.“