Erstellt am 11. Dezember 2015, 05:33

Wie alles begann: Eleonore I. erinnert sich. Tochter eines Tierarztes und Enkelin einer Königsbrunner Winzerfamilie trug vor 60 Jahren als erste Niederösterreicherin die Krone als blau-gelbe Weinkönigin.

 |  NOEN, LK NOE/Eva Posch

Vor 60 Jahren, im Jahr 1955 wurde die erste NÖ Weinkönigin gekrönt. Es war damals Eleonore Selitsch, heute Fruhstuck, aus Königsbrunn. Die heute 79-jährige Eleonore I. war verheiratet und Mutter von zwei Töchtern.

Damit nahm die erste Hoheit ihr Zepter in die Hand und vertrat ganz offiziell den Wein.

Damals wie heute ist das Amt keine leichte Aufgabe, wie die amtierende Weinkönigin Christina Hugl zu berichten weiß: „Es reicht nicht, einfach nett zu lächeln und hübsch auszuschauen. Man muss auch viel Fachwissen mitbringen, um das Amt der Weinkönigin erfüllen zu können.“

„Ich war zu einer Zeit Königin, in der der Wein noch lange nicht das Image von heute hatte“, erklärt Eleonore Fruhstuck und lässt ihre Amtsperiode nochmals Revue passieren. Drei Schilling kostete damals ein Liter Wein, die Landwirtschaftskammer begann Reklame zu machen, um die Wertschätzung der Bevölkerung dem Wein gegenüber anzukurbeln.

Insgesamt 33 Hoheiten traten bis heute für den Wein ein. Alle zwei Jahre wird neu gewählt. In ihrer Amtszeit übernehmen die NÖ Weinköniginnen auch für ein Jahr die Funktion der österreichischen Weinkönigin.

Eleonores Eltern waren gar keine Winzer

Unzählige regionale „Hoheiten“ gab es zwar schon vor 1955, es fehlte aber noch an einer überregionalen Königin. Deshalb wurde 1955 erstmals zur Wahl der ersten Weinkönigin Niederösterreichs und Österreichs geladen. „Das Niveau war ziemlich hoch. Alle Mädchen stammten aus Weinbaubetrieben. Meine Großeltern hatten zwar einen Weinbaubetrieb, aber ich war die Tochter eines Tierarztes und fiel damit eher aus dem Rahmen“, erinnert sich Eleonore I. Ein Professor von der Weinbauschule Klosterneuburg nahm sie unter seine Fittiche und unterrichtete sie vor allem in der Theorie. „Die Weinbauschule habe ich erst gemacht, da war ich bereits Königin“, so Fruhstuck.

In der Zeit des Weinskandals wurde das Know-how der Weinköniginnen auf eine harte Probe gestellt. „Als ich in den 80er Jahren begann mich aktiv für den niederösterreichischen Wein einzusetzen, war ich froh, die Weinköniginnen an meiner Seite zu haben. Nach dem Weinskandal waren sie wesentlich am Wiederaufbau des Images beteiligt“, erklärt der ehemalige Weinbaupräsident Josef Pleil.

Neuorientierung nach dem Weinskandal 

Den Markt aufzurichten und aufs Neue zu erschließen hieß es damals. Imagereisen in bekannte Urlaubs-Skiorte waren dafür ebenso ein Mittel zum Zweck, wie Auslandsaufenthalte für die Beteiligten.

„Jung oder naiv?“ Mit diesen Vorurteilen räumen Eleonore Fruhstuck, Präsident Josef Pleil und Weinkönigin Christina Hugl ganz klar auf: „Es sind immer kompetente Frauen an vorderster Front gestanden. Sie waren es, die den Wein und seine Produktion erst so richtig populär und den Weingenuss salonfähig gemacht haben.“