Erstellt am 14. Oktober 2015, 05:32

von Thomas Peischl

Zeltstadt nur für internationale Übung. Infoabend im Minoritenkloster verlief sehr sachlich. Bürgermeister betonte: "Muss jeder für sich entscheiden, Hilfe kann man nicht verordnen."

Informierten über Flüchtlingshilfe in Tulln (v.l.): Stadtamtsdirektor Viktor Geyrhofer, Christian Kolger (SLC Europe und Bürgermeister von Puchenstuben), Wolfgang Apfelthaler (Plattform Flüchtlingshilfe), Gemeinderätin Sabrina Felber, Bürgermeister Peter Eisenschenk, Rotkreuz-Bezirkskommandant Michael Weissmann, Moderator Erlefried Olearczik und der Leiter der Abteilung Staatsbürgerschaft und Wahlen, Peter Anerinhof (Land NÖ).  |  NOEN, Peischl

Am 21. Oktober sollen die ersten von insgesamt 100 Asylwerbern ihre Containerwohnungen in Tulln beziehen. Aus diesem Anlass hatte die Stadtgemeinde zu einem Infoabend ins Minoritenkloster geladen.

Und das Interesse war groß: 300 Sessel waren aufgestellt worden, kein einziger sollte leer bleiben. Viele Gerüchte und Fehlinformationen konnten ausgeräumt werden. So ist die Zeltstadt, die am Fliegerhorst Brumowski in Langenlebarn hochgezogen wird, nicht für 600 bis 800 Flüchtlinge, sondern für eine internationale Großübung des Bundesheeres gedacht, wie Josef Mayerhofer informierte.

"Ich persönlich bin überzeugt, dass wir helfen müssen."

Gleich zu Beginn stellten sowohl Moderartor Erlefried Olearczik als auch Bürgermeister Peter Eisenschenk klar, dass geopolitische Lage und Tagespolitik außen vor bleiben sollen. „Wir wissen, dass uns die Landesregierung 100 Flüchtlinge zuteilen wird. Wie sollen wir damit umgehen? Ich persönlich bin überzeugt, dass wir helfen müssen. Aber das muss jeder für sich entscheiden, Hilfe kann man nicht verordnen“, betonte Eisenschenk weiter.
 

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Stadtamtsdirektor Viktor Geyrhofer erklärte, dass nach der Zuteilung der Asylwerber erst die richtige Herausforderung folge. Die Grundversorgung wird durch SLC Europe und Caritas sichergestellt, aber Tulln wolle mehr bieten.

„Setzen auf Mithilfe der Bevölkerung"

„Wir werden eine Begrüßungsveranstaltung organisieren. Danach setzen wir auf die Mithilfe der Bevölkerung“, so Geyrhofer. Das Projekt solle menschenwürdig und vorbildhaft laufen. Wie das funktionieren kann, hat bereits das erste Begegnungscafé zwischen den 39 Flüchtlingen, die schon jetzt in Tulln untergebracht sind, und eingesessenen Stadtbewohnern gezeigt. „Persönlicher Kontakt hilft am besten, Sorgen und Ängste abzubauen“, betonte Wolfgang Apfelthaler von der Plattform Flüchtlingshilfe.

In dieselbe Richtung ging der Appell von Rotkreuz-Bezirkskommandant Michael Weissmann: „Gehen Sie offen auf diese Menschen zu, geben sie ihnen eine Chance und ziehen sie dann ihre Schlussfolgerungen.“

Zahlen und Fakten lieferte Peter Anerinhof von der Abteilung Staatsbürgerschaft und Wahlen des Landes NÖ. Unter anderem legte er klar, dass die finanzielle Unterstützung für Asylwerber selbst bei individueller Unterbringung „doch sehr weit entfernt von der bedarfsorientierten Mindestsicherung ist“.

„Viele Ängste relativieren sich, wenn man einmal Gesichter und Geschichten dazu hat.“ Christian Kogler, SLC Europe, Bürgermeister von Puchenstuben

Christian Kogler von SLC Europe, jener Firma, die die Quartiere errichtet und betreibt, ist auch Bürgermeister von Puchenstuben, einer 350-Einwohner-Gemeinde, die seit den 90er-Jahren 50 Asylwerber beherbergt. „Aber nicht weil wir so ein großes Herz haben, sondern weil unser Schulstandort gefährdet war und da auch vier Asylwerberkinder dabei waren“, schmunzelte Kogler. Mittlerweile sei der Umgang aber eine Selbstverständlichkeit. Neben dem Verein „Willkommen in Österreich“ kümmere sich auch eine Gemeinderätin um die Anliegen der Asylwerber.

Abschließend betonte Eisenschenk, dass die Stadt weder sozialromantisch, noch fremdenfeindlich agiere: „Wir werden unseren Gästen aber klar sagen: Wenn ihr das Projekt Hilfe nicht gefährden wollt, müsst ihr unsere Werte auch akzeptieren und leben.“


FAKTEN UND WEITERE INFOS

Wohncontainer-Dorf:
An jedem der fünf Standorte werden zehn Schlaf-, drei Aufenthalts- und ein Sanitärcontainer aufgestellt. Die Asylwerber sollen sich selbst versorgen, auch damit bereits eine gewisse Tagesstruktur vorgegeben wird. Für Rund-um-die-Uhr-Betreuung sorgen ein Sozialarbeiter und drei Asylbetreuer im Schichtdienst.

Helfen, aber wie?
Die Wohncontainer verfügen über die notwendigste Grundausstattung. Was für die Tullner Flüchtlingshilfe eventuell noch benötigt wird, erfährt man unter
02272/690-110 bzw. bei der Plattform Flüchtlingshilfe unter www.tulln.hilft.at