Erstellt am 20. Januar 2016, 10:16

Ybbs: Schüler schlüpfen in die Rolle des Vorbilds. Mit dem Schulprojekt „Verantwortung“ nimmt die HAK/HAS Ybbs eine Vorreiterrolle ein. Auch Eltern sind begeistert.

Die HAK-Schüler Michael Hackl (2. v. l.) und Timo Burchartz (r.) als Lesepaten mit den Volksschülern Hanna Schachner und Paul Katzengruber. Schulzentrum Direktor Rainer Graf, Vater Peter Burchartz, Volksschuldirektorin Annemarie Marischka und HAK-Lehrerin Helga Geyrecker überzeugten sich von den Fortschritten im Fach Verantwortung.  |  NOEN, Foto: Walter Fahrnberger

„Wir müssen mit den Schülern raus aus der Schule, wenn wir vom Leben reden.“ Unter diesem Motto hat Rainer Graf, Direktor des Ybbser Schulzentrums, heuer im zweiten Jahr das soziale Lernen forciert. Der Name ist im Schulprojekt „Verantwortung“ Programm.

Rund 80 Schüler, jeweils aus den ersten Jahrgängen von HAK und HAS, nehmen, aufgeteilt auf die zwei Semester, daran teil. Das sogenannte „Service Learning“ (Lernen durch Engagement) bedeutet, dass theoretische Lehrplaninhalte in der Praxis erlebt werden können. Das passiert im Gegenstand „Persönlichkeitsbildung und soziale Kompetenz“ durch das Übernehmen von Verantwortung in diversen Institutionen während der Unterrichtszeit.

Neben Lesepaten in der Volksschule sind die Schüler als Lernbegleiter in der Förderschule, als Tagesstättenbetreuer im Therapiezentrum, für die Unterstützung von Menschen im Pflegeheim oder als Hilfe beim Deutschkurs für Asylwerber in Ybbs im Einsatz.

Auch die Eltern sind davon begeistert. Viele von ihnen sind sicher, dass diese Erfahrungen ihre Kinder im Leben nachhaltig beeinflussen. „Die Jugendlichen lernen so auch andere Lebenssituationen kennen“, meint Claudia Eder. „Es ist ein Weg, bei dem die Schüler selbstständig werden“, ergänzt Josef Burchartz aus Blindenmarkt.

„Erfahrungen muss jeder allein machen“

Sein Sohn Timo ist jeden Freitag zwei Stunden in der Volksschule und übernimmt dort in der Mehrstufenklasse die Aufgabe als Lesetutor mit den Kindern, was früher die Eltern erledigt haben. Wie seine Kollegen schlüpft Timo dabei in die Rolle eines Vorbildes. Passend dazu prägt ein Zitat von Kurt Tucholsky (1890-1935) das Leitbild des Schulprojekts: „Erfahrungen vererben sich nicht – jeder muss sie allein machen.“

„Service-Learning“ ist in der Hochschulbildung als eine berufsfeldorientierte Bildung erst in letzter Zeit verstärkt vorgekommen. In den berufsbildenden höheren Schulen ist es aber noch nicht weit verbreitet. Deshalb wurde die HAK/HAS Ybbs gemeinsam mit der WU Wien und der Uni Graz auch zu einem Kongress in Steyr zu dem Thema eingeladen.


SZ YBBS

Das Schulzentrum Ybbs baut in den letzten Jahren verstärkt auf Eigenverantwortung und Selbstständigkeit beim Lernprozess seiner Schüler. Die Erfolge bei nationalen und internationalen Wettbewerben geben diesem zukunftsweisenden Konzept recht. Die Schüler können 20 Prozent ihres Unterrichtes frei wählen und gezielt an ihren Stärken bzw. mithilfe der Lehrer an ihren Schwächen arbeiten. Unterstützt wird dieses Konzept durch den Gegenstand „Verantwortung übernehmen“.

So wurde die Handelsakademie Europameister beim Businessplanwettbewerb, die HTL wurde vom Bundesministerium für Wissenschaft in der Kategorie „Umwelt und Energie“ zum Sieger gekürt. Der HAS wurde Platz eins des MANZ Pädagogikpreises verliehen. Aufgrund der sozialen und kreativen Bildung steigen auch die Berufsaussichten der Schüler.  www.sz-ybbs.ac.ast