Erstellt am 27. Februar 2016, 05:24

von Karl Stiefel

Vom Flüchtling zum Vorzeige-Studenten. Mojtaba Tavakoli kommt zurück in die Jakob Thoma-Mittelschule, um eine Perspektive zu bieten.

Mojtaba Tavakoli sucht in seiner alten Schule das Gespräch mit jungen Flüchtlingen.  |  NOEN, Karl Stiefel

Vor zehn Jahren teilte Mojtaba Tavakoli sein Schicksal mit vielen minderjährigen Flüchtlingen: Er kam ohne Begleitung nach Österreich, ein für ihn damals fremdes Land. Mittlerweile ist es die Heimat des in Afghanistan geborenen 22-Jährigen geworden. Aktuell studiert er Molekularbiologie an der Universität Wien und schreibt an seiner Bachelor-Arbeit.

Seine Anfänge hat die Karriere Mojtabas in der Jakob Thoma-Mittelschule – damals noch Hauptschule – genommen. Nun kehrt der Absolvent an die Schule zurück, um jungen Flüchtlingen, die dort unterrichtet werden, Mut und eine Perspektive zu geben.

Man hat an mich geglaubt

„Hier hat alles angefangen“, erinnert sich Mojtaba zurück. „Ohne die Unterstützung, die ich hier erhalten habe, wären weder mein Schulabschluss an der HBLVA Wien noch mein Studium an der Universität möglich gewesen. Man hat an mich geglaubt und das möchte ich jetzt weitergeben.“

Dafür sucht er das Gespräch mit den Schülern, die wie er alleine ins Land gekommen sind. „Am wichtigsten ist es, gut Deutsch zu lernen. Wenn man sich gut verständigen kann, dann kann man erst richtig am Leben teilnehmen“, weiß er aus eigener Erfahrung.

Trauma zu verarbeiten braucht Zeit

Er möchte mit den Schülern nicht nur über die Möglichkeiten in ihrer Situation sprechen, sondern auch zuhören. „Die Jugendlichen sind oft noch von der Flucht traumatisiert. Bis man das verarbeiten kann, braucht es Zeit. Es hilft unheimlich, wenn man jemanden hat, der einem zuhört. Das möchte ich den Schülern ebenfalls bieten.“

Direktorin Elisabeth Leitner freut sich über die Unterstützung: „Mojtaba ist auf uns zugekommen und wollte mit den Schülern Kontakt aufnehmen. Es ist einfach toll, dass er seine alte Schule und die Lehrer nicht vergessen hat. Wir haben ausgemacht, dass er regelmäßig vorbeischaut und, wenn ein Schüler Redebedarf hat, sich dafür Zeit nimmt. Ich sehe schon nach dem ersten Gespräch, dass Mojtaba sofort ein Vorbild für unsere Schüler geworden ist.“