Erstellt am 03. Juni 2016, 13:10

Europa-Nostra-Award für Projekt Pitoti. Archäologie-Medientechnik-Projekt der Fachhochschule St. Pölten mit Weltkulturerbe-Preis ausgezeichnet.

 |  NOEN, Europa Nostra / Álvaro Marín

Vergangene Woche vergaben die Europäische Kommission und die Organisation Europa Nostra im Zarzuela Theater in Madrid den European Union Prize for Cultural Heritage / Europa Nostra Award. 28 Laureatinnen und Laureaten aus 16 Ländern wurden aus 187 Bewerbungen ausgewählt und vom EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport Tibor Navracsics und Plácido Domingo, dem Präsidenten von Europa Nostra, ausgezeichnet.
 
Darunter war auch das EU-Projekt Pitoti. Es machte prähistorische Steinbilder mit moderner Medientechnik für interessierte Menschen zugänglich. Im norditalienischen Tal Valcamonica meißelten Menschen mehr als 50.000 Steinfiguren, sogenannte Pitoti (auf Italienisch: kleine Püppchen), in den Fels. Die meist Jahrtausende alten Bilder sind Darstellungen von Menschen, Gegenständen, Jagd- und Tanzszenen und abstrakten Mustern, aber auch Europas erste Landkarte ist darunter.

Jäger und Sammler: vom Stein auf den Bildschirm

Die Felsbilder sind oft kaum sichtbar oder in unwegsamem Gelände, das aus Konservierungsgründen nicht betreten werden darf. „Felskunst ist ortsgebunden und kann nicht beliebig transportiert werden. Durch das hohe Interesse an diesen Kunstwerken sind sie einem ständigen Strom von Besucherinnen und Besuchern ausgesetzt, der die anfälligen Steinbilder gefährdet und zerstört“, erklärt Markus Seidl, Leiter des Instituts für Creative\Media/Technologies (IC\M/T) und Pitoti-Projektleiter an der FH St. Pölten.
 
Archäologinnen, Archäologen und MedientechnikerInnen aus Italien, Österreich und England arbeiteten im Pitoti-Projekt daran, die wertvollen Beispiele frühester Kunst dauerhaft zu erhalten. Die Steinbilder wurden digitalisiert und Besucherinnen und Besuchern als Film, Animation, Installation und virtuelles Spiel präsentiert, etwa bei einer Ausstellung bei der Triennale in Mailand sowie im Museum of Archaeology & Anthropology der Universität Cambridge.

Exzellente Kreativität und Innovation

Die prämierten Projekte des Europa Nostra Awards stellen exzellente Beispiele für Kreativität, Innovation, nachhaltige Entwicklung und soziale Partizipation im Bereich des kulturellen Erbes in Europa dar, schreibt Europa Nostra in einer Pressemitteilung. Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden für ihre Errungenschaften im Bereich der Konservierung und Forschung, für ihre engagierten Leistungen und ihre Aktivitäten in Bildung, Ausbildung und Bewusstseinsbildung gewürdigt. An der Gala nahmen circa 1.000 Gäste teil.
 
„Der technische Aspekt der Forschung ist von immensem Wert und dient als internationales bestes Beispiel für das Aufzeichnen dieser unbezahlbaren Kunstwerke. Die neu entwickelten Methoden zum Präsentieren der Kunst für ein Publikum und um Besucherinnen und Besucher zur Interaktion anzuregen, ist vorbildlich“, so die Preis-Jury in der Aussendung von Europa Nostra.
 
Laut dem Statement der Jury ist die Qualität der Forschung höchst originell. Die Kombination aus alten und neuen Formen der grafischen Kunst sei mitreißend. Die Jurorinnen und Juroren honorieren an dem Projekt das Arbeiten an den Grenzen zwischen klassischer Forschung und Performancekunst.

Folgeprojekt: Steinbilder in 3D

Im Rahmen des Folgeprojekts 3D-Pitoti, das erst vor Kurzem beendet wurde, untersuchte die FH St. Pölten gemeinsam mit europäischen Forschungseinrichtungen erstmals die dreidimensionale Struktur der Steinbilder mittels 3D-Kameras. Die FH St. Pölten entwickelte in diesem Projekt neue Methoden zur Analyse der Bilder und großen Datenmengen.
 
„Diese Technik erleichtert Archäologinnen und Archäologen ihre Arbeit. Bisher mussten die Bilder mühsam von Hand auf Folien abgezeichnet werden. Die entwickelten Techniken der 3D-Verfahren könnten in Zukunft zudem in der Industrie etwa in der Oberflächenanalyse eingesetzt werden“, so Seidl.