Erstellt am 27. Januar 2016, 04:53

von Karin Widhalm

FF Retz hat neuen Chef. Christian Lehninger wollte Kommandant bleiben, wurde allerdings von der Mehrheit der Mitglieder abgewählt. Markus Leidenfrost, der schon einmal kandidierte, folgte ihm nach.

Bürgermeister Helmut Koch nahm die Angelobung des neuen Kommandanten Markus Leidunfrost (r.) vor. Ihm zur Seite stehen Stellvertreter Roman Hofbauer und Verwalter Wolfgang Binder. Foto: FF Retz  |  NOEN, FF Retz

64 Mitglieder der Feuerwehr kamen vorigen Freitag im FF-Haus zusammen, um das Kommando neu zu küren. Die periodische Wahl war im Vorfeld mit Spannung erwartet worden. Eine Spaltung innerhalb der Mannschaft war zu bemerken gewesen. Das Ergebnis war letztlich klar.

„Man muss einen Konsens finden“

FF-Chef Christian Lehninger wollte seine Funktion weiterführen. Markus Leidenfrost, bisheriger zweiter Stellvertreter, griff zum zweiten Mal nach dem Kommandantenposten (siehe auch Seite 6). 36 Stimmen erhielt schließlich Hauptbrandinspektor Leidenfrost, 24 Brandrat Lehninger.

Lehninger bedankte sich eingangs bei der Mannschaft für die Unterstützung in seiner Tätigkeit als Kommandant. Gemeinsam konnten wichtige Projekte umgesetzt werden, sagte er. Die Landesfeuerwehrleistungsbewerbe 2014 gehörten dazu. Zehn Jahre lang war er FF-Chef in Retz.

Einiges vor hat Leidenfrost auch: „Gewisse Räder werden sich verändern“, erklärt er. Der 45-Jährige strebt ein großes Miteinander und eine Einheit der FF Retz an. Der Kommandant treffe zwar die Entscheidungen und müsse auch die Verantwortung tragen, aber: „Man muss bei so vielen Feuerwehrmännern einen Konsens finden und diesen auf eine breite Basis stellen“, ist der frischgebackene FF-Chef überzeugt. Das sei besonders bei der Jugend wichtig.

Der Nachwuchs sei überhaupt wesentlich für die Feuerwehr: In Retz könne man zufrieden sein, nur: Der Übergang in die aktive Mannschaft gelinge nicht. „Da fehlt uns das Bindeglied“, meint Leidenfrost. Auch das will das Kommando in den nächsten fünf Jahren anpacken.

„Wir sind alle Profis und wir machen das
nicht aus Jux und Tollerei. Und ich mach
das nicht, damit ich einen goldenen Stern
bekomme.“
Neo-Chef Markus Leidenfrost

Leidenfrost gibt ganz offen zu: „Ich werde bei den meisten Einsätzen nicht Einsatzleiter sein können.“ Er ist Betriebsleiter bei FCA Motor Village Austria in Wien und kann nicht innerhalb von Minuten an Einsatzorten sein. Die Besetzung des restlichen Kommandos sei deshalb bewusst gefallen.

Roman Hofbauer, ein ÖBB-Schichtarbeiter, wurde mehrheitlich zum Stellvertreter gewählt. Wolfgang Binder, Unternehmer in Retz, wurde zum Leiter des Verwaltungsdienstes bestimmt. „Er hat sich in den letzten Jahren recht gut gemacht“, sagt Leidenfrost.

Beide können schneller in Ernstfällen reagieren. „Wir sind alle Profis und wir machen das nicht aus Jux und Tollerei. Und ich mach das nicht, damit ich einen goldenen Stern bekomme. Wir machen das für die Bevölkerung“, sagt Leidenfrost noch zum Abschluss des NÖN-Gesprächs.

Christian Lehninger, der bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, möchte Abschnittskommandanten bleiben. Das verkündete er jedenfalls vorigen Donnerstag bei der Kommandanten-Tagung. Die Wahl erfolgt am 19. Februar in der Grenzlandhalle Hadres.


Warum haben Sie ... auch bei der Wahl zum Retzer FF-Chef kandidiert?

x  |  NOEN, FF Retz
Markus Leidenfrost folgte dem „Wunsch nach Veränderung“.

NÖN: Warum traten Sie neben dem noch amtierenden FF-Chef Christian Lehninger ebenso bei der Wahl zum Kommandanten an ?
Leidenfrost: Aus der Mannschaft heraus kam schon im Sommer des vorigen Jahres der Wunsch nach einer Veränderung.

War die Mannschaft unzufrieden?
Wenn 64 Mann in der Feuerwehr sind, gibt’s immer ... Unstimmigkeiten will ich nicht sagen, aber doch andere Meinungen. Man muss einen Konsens finden und den auf eine breite Basis stellen.

Wie hat’s Christian Lehninger aufgenommen?
Wir haben im Vorfeld besprochen: Egal, wer gewählt wird, wir bleiben FF-Männer. Ein Bier waren wir dann aber nicht trinken. Er ist sicher frustriert. Ich kenn das: Ich wollte vor zehn Jahren Kommandant werden, als Günter Bauer zurücktrat. Christian Lehninger ist’s dann geworden. Ich hoffe, dass sich der Frust wieder legt.