Erstellt am 04. Februar 2016, 11:45

von Daniela Führer

Radinger-Abtritt als Ende einer Ära: „Es ist nie zu spät“. Amstetten-Lands Abschnittsfeuerwehrkommandant Karl Radinger stellt sich am 27. Februar nicht mehr zur Wahl.

Karl Radinger bleibt seiner Heimatfeuerwehr in Seisenegg treu und auch seine Ausbilder- und Bewertertätigkeiten macht er weiter. Foto: Schlemmer  |  NOEN, Schlemmer
„Die Kameradschaft, das Miteinander, und dass man anderen Menschen helfen kann – das bindet mich derart an die Feuerwehr“, sagt Abschnittsfeuerwehrkommandant von Amstetten-Land, Karl Radinger aus Viehdorf.

Ein Hilfseinsatz blieb ihm dabei besonders lebhaft in Erinnerung: „Bei einem Großbrand 1992 in St. Georgen/Ybbsfelde kam der Altbauer danach zu mir, nahm meine Hand und sagte mit nassen Augen: ‚Danke, dass ihr gekommen seid!‘ Da läuft es mir heute noch kalt über den Rücken, wenn ich daran denke.“

Abschied bereits im Jahr 2011 angekündigt

Der 58-jährige Karl Radinger wird mit der Wahl am 27. Februar sein Amt als Abschnittsfeuerwehrkommandant zurücklegen. 15 Jahre übte er dieses aus. „Am 19. Februar 2011, als ich zum dritten Mal zum Abschnittsfeuerwehrkommandanten gewählt wurde, habe ich schon gesagt, das ist der erste Tag meiner letzten Periode“, erzählt er.

Diese Ankündigung setzt er nun in die Tat um – aus einem für ihn logischen Grund: „Mein Stellvertreter Sepp Weber und ich sind beide 58 Jahre alt. Wir könnten beide noch eine Periode machen bis zur Altersgrenze. Aber er ist so ein Top-Mann und es steht ihm einfach zu, auch noch Abschnittskommandant zu sein. In den nächsten fünf Jahren kann er dann an seiner Seite jemanden aufbauen, der das Kommando in Zukunft übernimmt“, erklärt er.

Natürlich brauche sein Nachfolger Josef Weber, Kommandant der FF Stift Ardagger, auch die Zustimmung der Kameraden – jeweils der Kommandant und sein Stellvertreter der 22 Feuerwehren im Abschnitt sind wahlberechtigt. Radinger ist aber guter Dinge, dass die Entscheidung bei der Wahl am 27. Februar auf seinen Stellvertreter fallen wird.

Als Kandidat für den Stellvertreter wird Andreas Wagner, Kommandant der FF Schlickenreith, antreten. Im Raum stehe aber noch ein Kandidat. Dieser müsse sich aber erst entscheiden, erklärt Radinger.

Der Leiter des Verwaltungsdienstes, Martin Brandstetter, und sein Stellvertreter Markus Brandstetter werden ihre Funktionen übrigens auch abgeben.

„2013 stand es wirklich auf Messers Schneide“

Insgesamt kam es bei den 22 Feuerwehren im Abschnitt heuer bei 17 Wehren zu einem Wechsel im Kommando. „Größtenteils altersbedingt“, erklärt Radinger. Es ist aber, auch wenn die Mitgliederzahlen im Abschnitt leicht steigen, nicht immer einfach, Leute für Führungspositionen zu gewinnen. „Es geht viel Zeit drauf. Wenn die Familie und die Frau da nicht mitmachen, geht es nicht. Außerdem ist die Verantwortung sehr hoch und die Anforderungen werden auch immer mehr“, weiß er.

Beim Rückblick auf seine 15 Jahre als Abschnittsfeuerwehrkommandant sind Karl Radinger besonders die beiden Hochwasserereignisse 2002 und 2013 im Bezirk in Erinnerung. „Das waren die größten Einsätze, bei denen alle Feuerwehren im Abschnitt im Einsatz waren. 2013 stand es auf Messers Schneide, ob das Hochwasser über den Damm bei Wallsee nicht überschwappt“, hat er heute noch genau vor Augen.

Radinger bleibt der Feuerwehr aber treu: „Ich bleibe Ausbildungsleiter für das Feuerwehrleistungsabzeichen Gold und auch Bewertungen auf Bezirks-, Abschnitts, Landes-, Bundes- bis hin zur internationalen Ebene mache ich gerne weiter bis 65, sofern ich gesund bleibe“, erklärt der Feuerwehrmann.

Selbst ist er eigentlich ein „Spätberufener“. „Ich bin erst 1985 mit 27 Jahren zur Feuerwehr gegangen. Dann habe ich aber Gas gegeben und viele Kurse gemacht. 1987 wurde ich stellvertretender Leiter des Verwaltungsdienstes der FF Seisenegg, ‘90 Kommandantstellvertreter, ‘91 wurde ich Unterabschnittskommandant, ‘93 Abschnittskommandantstellvertreter und seit 2001 bin ich Abschnittsfeuerwehrkommandant. Ich weiß also genau: Es ist nie zu spät, um der Feuerwehr beizutreten.“

Ein besonderes „Steckenpferd“ von Karl Radinger war auch, dass seine Kameraden immer korrekt angezogen waren. „Wenn ich bei der Tür hereinkam, hörte ich öfter: ‚Der Karl ist da, schnell, Bluse zumachen!‘“, lacht der 58-Jährige.