Erstellt am 10. November 2015, 11:42

von René Denk

Akuter Notärztemangel im Bezirk Waidhofen. Für neun Tage im November konnte noch kein Notarzt gefunden werden. Bereits am 5. November ist der nächste Tag, an dem kein Notarzt im Bezirk verfügbar ist.

 |  NOEN, Rotes Kreuz Symbolbild
Für Alarmstimmung sorgte Mitte der Vorwoche ein interner Mailverkehr des Roten Kreuzes, der der NÖN zugespielt wurde.
Dort wurde von „verschiedenen Umständen“ gesprochen, die dazu geführt hatten, dass im Bezirk Waidhofen kein Notarzt zur Verfügung stehen würde. Die ersten Tage ohne Notarzt-Besetzung fanden bereits am 3. und 5. November statt.

Rot-Kreuz Bezirksstellengeschäftsführer Bernhard Schierer bestätigte auch Mitte der Vorwoche im NÖN-Gespräch, dass insgesamt für neun Tage kein Notarzt gefunden werden konnte. „Am 3. November hat es im Bezirk definitiv keinen Notarzt im Einsatz gegeben“, betonte er. Weitere Termine wären noch im Ärztepool ausgeschrieben und noch nicht belegt, erklärte Schierer. NÖN-Recherchen zufolge waren die weiteren Termine - neben 3. und 5. November - an denen keine Notärzte verfügbar sind: Donnerstag, 12., Montag, 16., Mittwoch, 18., Donnerstag, 19., Montag 23., Dienstag, 24. und Samstag, 28. November. Schierer stellt aber auch klar, dass die Bereitstellung nicht Sache des Roten Kreuzes sei: „Den Arzt stellt die Landeskliniken Holding“, so der Bezirksstellengeschäftsführer.

FPÖ-Klubobmann Gottfried Waldhäusl übte in der Vorwoche ebenfalls harsche Kritik und ortete einen Skandal. Er kritisierte in einer Aussendung, dass Waidhofen „von der ÖVP NÖ offenbar zum Notstandsgebiet ausgerufen wurde.“ Nachdem man 2016 die Geburtenstation in Waidhofen schließen wolle, sei dies der nächste „fiese Anschlag“ auf die Waldviertler Bevölkerung. Mittlerweile überlasse man sogar Schwerverletzte ihrem Schicksal. Waldhäusl fordert eine 24-Stunden-Bereitschaft von Notärzten in jedem Bezirk, an jedem Tag, in jedem Monat.

Mittlerweile konnte man die Situation zumindest für die laufende Woche klären: „Für diese Woche sind alle Dienste besetzt. Wir gehen davon aus, dass auch die nächsten Wochen besetzt werden“, heißt es in einem Schreiben der Landeskliniken-Holding.

„Bis jetzt gab es keine einzige Beschwerde“, betonte NÖ-Rot- Kreuz Präsident und geschäftsführender Bezirksstellenobmann Willi Sauer. Laut ihm könne man auch nicht von einem Mangel sprechen, denn Notärzte wären in anderen Regionen stationiert. „Das Problem wurde hochstilisiert. Es hat zu keiner Zeit Gefahr bestanden“, meint Sauer. Zudem käme es immer wieder in Extremfällen mal vor, dass der Notärztedienst in Waidhofen nur halbtags wahrgenommen werde.

Das Problem stellt das neue Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte dar, das Ärzten nicht erlaubt, mehr als 48 Stunden zu arbeiten. „Die Ärzte wären bereit, den Dienst zu machen, nur können und dürfen sie nicht, weil sie sonst mit dem Gesetz in Konflikt kommen würden. Der Gesetzesgeber arbeite aber bereits an einer Gesetzesnovelle, um die Probleme, an denen er mit Schuld ist, zu reparieren“, meint Sauer.

ÖVP-Bundesratsabgeordneter Eduard Köck betonte im NÖN-Gespräch, dass er sofort mit Landesrat Karl Wilfing (ÖVP) Kontakt aufgenommen hätte. Vom Büro des Landesrates heißt es, dass sofort Auftrag gegeben worden sei, die nicht besetzten Notärztedienste zu besetzen. Mittlerweile sollte dies auch so umgesetzt und damit gelöst worden sein. Laut Köck seien die Lücken im November bereits gefüllt. Die Notarzt-Versorgung der Region wäre zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, da sich die Notarzt-Einsatzradien überschneiden. Im Bezirk Waidhofen sei über die Nacht außerdem das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) im Pflegeheim in Raabs stationiert.

„Die Ärzte wären bereit, den Dienst zu machen,
nur können und dürfen sie nicht, weil sie sonst
mit dem Gesetz in Konflikt kommen würden.“
NÖ Rot Kreuz Präsident Willi Sauer

Mittlerweile arbeite der Gesetzgeber schon an der Gesetzesnovelle, die voraussichtlich Anfang 2016 in Kraft trete. Mit dem Gesetz sollte dann das Problem wieder gelöst sein.