Waidhofen an der Thaya

Erstellt am 13. Juli 2016, 05:52

von Michael Schwab

Neue Idee mit Tauscharbeit. „Was ich heute gehörte habe, werde ich mit ins Rathaus nehmen“, erklärte Diskussions-Initiator Gottfried Waldhäusl.

Diskussionleiter Hannes Ramharter (Mitte) und Vizebürgermeister Gottfried Waldhäusl (rechts) mit den Podiumsteilnehmern Martin Litschauer, Franz Pfabigan, Gerlinde Oberbauer, Gilbert Brodar, Jürgen Schmidt und Wolfgang Gaigg.  |  NÖN, Michael Schwab

Die Ansichten der Waidhofner Bevölkerung zum Thema Asylwerber wollte Vizebürgermeister Gottfried Waldhäusl bei einem „Runden Tisch“ im Stadtsaal am 5. Juli hören.

NÖN Chef vom Dienst Hannes Ramharter moderierte die Diskussion, zu der ein Podium, bestehend aus Wolfgang Gaigg von der Diakonie, dem ehemaligen Asylkoordinator Gilbert Brodar, FPÖ-Gemeinderat Jürgen Schmidt, SPÖ-Stadtrat Franz Pfabigan, IG-Waidhofen/Grüne Stadtrat Martin Litschauer und Gerlinde Oberbauer von der Volkshilfe bereitstand. Seitens der ÖVP Waidhofen war wegen einer Terminkollision niemand gekommen.
Waldhäusl selbst saß nach seiner Begrüßungsansprache im Publikum.

Im Laufe der großteils diszipliniert ablaufenden, sachlichen Diskussion kristallisierten sich vor allem die Themen Arbeitsplätze, das in Waidhofen im Vergleich zu anderen Gemeinden schlechte Betreuungsverhältnis, eine mögliche Beschäftigung von Asylwerbern im ehrenamtlichen und gemeinnützigen Bereich und der Abbau von Ängsten und Vorurteilen als wesentlich heraus.

Szenario zurück gewiesen

Das von Waldhäusl im Vorfeld skizzierte Szenario, dass anerkannten Flüchtlingen, welche die Asylquartiere verlassen müssen, aber in normalen Wohnungen in Waidhofen bleiben, während die Asylquartiere wieder aufgefüllt werden, und damit der Anteil der Flüchtlinge auf 500 bis 600 steigen würde, wies Gilbert Brodar zurück. „Es können gar keine 600 Personen in Waidhofen unterkommen. Die Bereitschaft der Vermieter, Flüchtlinge unterzubringen, ist gering. Der Zuzug wird dadurch beschränkt, meine Schätzung für 2017 liegt bei rund 300 Personen, und auf dem Niveau wird sich das deckeln“, meinte Brodar.

Er wies auch darauf hin, dass es seit zehn Monaten in Waidhofen keine strafrechtlich relevante Tat gab, die durch Asylwerber begangen wurde. Zugleich beklagte er sich aber auch über zahlreiche Hasskommentare, die er auf Facebook erhalten habe. Zum Thema Beschäftigung äußerte Gerhard Fallent, Obmann des Vereins „Willkommen Mensch in Groß Gerungs - Langschlag“ eine Idee. „Unsere Rechtsauskunft sagt, Anstellen geht nicht, darum haben wir uns ein Tauschprojekt überlegt. Die Asylwerber sind Vereinsmitglieder und tauschen Leistungen aus, etwa Gartenarbeit im Tausch für Fahrdienste“, erklärte Fallent. Integration ohne Arbeitsplätze sei schwierig, daher will Fallent auch ein Beschäftigungsprojekt ins Leben rufen.

Waldviertel sei Abwanderungsregion

Josef Baum, Obmann des „Verkehrsforums Waldviertel“, wies darauf hin, dass das Waldviertel ohne die Asylwerber eine Abwanderungsregion sei. Martin Litschauer fügte hinzu, dass jetzt in Waidhofen Wohnungen und Häuser, die jahrelang leer standen, wieder belebt seinen. „Der Zuzug wird aber seine Grenzen haben, wenn es nicht die nötigen Arbeitsplätze gibt“, schränkte er ein. Jürgen Schmidt sprach sich für ein organisiertes Miteinander aus. „Man muss im Vorfeld auf mögliche Probleme hinweisen und sich Gedanken machen“, hob er hervor.

Dass man die Sorgen und Ängste der Bürger ernst nehmen müsse, stellte Gerlinde Oberbauer klar. „Ich denke, es gibt so viele positiv eingestellte Leute - was können wir tun, dass Integration funktioniert, und sich die Leute nicht fürchten müssen“, warf Oberbauer auf.

Deutschkenntnisse wichtig

Dass für eine erfolgreiche Integration vor allem auch Deutschkenntnisse wichtig sind, betonte der Asylberater Henedy Tamer vom Verein „Willkommen Mensch Zwettl“. Das Lernen der Sprache sorge auch für eine sinnvolle Beschäftigung. „Ohne die freiwilligen Deutschkurse haben Asylwerber keine Möglichkeit, irgendetwas zu tun, außer auf den Bescheid zu warten“, erklärte Tamer.

Für kurze Unruhe sorgte ein Zuhörer, der sich vor dem Podium aufbaute und Brodar mit angeblichen Vorfällen, wo Frauen von Asylwerbern belästigt worden seien, konfrontierte. Da der Mann sich immer mehr hineinsteigerte, wurde er von zwei Männern aus dem Saal begleitet.
Moderator Ramharter lobte zum Schluss die großteils sachliche Diskussionskultur.

Waldhäusl schloss sich an und wandte sich resümierend an Gerlinde Oberbauer: „Du hast es am besten getroffen. Es gibt Probleme, die Frage ist, wie können wir sie lösen. Wir brauchen klare Regeln. Was ich heute hier gehört habe, werde ich mit ins Rathaus nehmen.“