Erstellt am 28. April 2016, 06:44

von Michael Schwab

Flüchtlinge wollen sich engagieren. Zwei Mal die Woche besucht Nafisa Fatemi zwei Bewohnerinnen und lernt unsere Kultur besser kennen.

Die Familie Fatemi in ihrer Unterkunft: Sayed Ibrahim, Nafisa, Sayed Ahmad, Mir Ghyasudin, Sayed Mansour, Hosna und Zainab Fatemi.  |  NOEN, Michael Schwab

Mit einem guten Beispiel geht die Familie Fatemi aus Afghanistan voran, was Integration und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben betrifft.

So besucht Nafisa Fatemi zwei Mal pro Woche zwei Bewohnerinnen des Landespflegeheims Waidhofen. „Frau Fatemi ist durch Nicole Monihart beim Begegnungscafé darauf gekommen, dass sie das machen will“, erzählt Ehrenamtskoordinatorin Claudia Wimmer. Nafisa kommt jeweils am Mittwoch und am Freitag. „Sie spielt dann mit den Bewohnerinnen Maria Jungherr und Herta Blei ‚Mensch ärgere dich nicht‘, und die Frauen schauen gemeinsam Fotos an. Das hilft Nafisa nicht nur beim Kennenlernen der österreichischen Gepflogenheiten, sondern auch beim Lernen von deutschen Begriffen“, erklärt Wimmer.

Sohn hat in Afghanistan englische Literatur studiert

„Nafisa ist sehr vertraut und anhänglich, sie umarmt einen gerne und wird selber gerne umarmt. Wir gehen sehr herzlich miteinander um“, beschreibt Herta Blei auf Die Frage, wie die Treffen ablaufen. Nafisa Fatemi lebt zusammen mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihrer Tochter sowie ihrem Schwiegersohn und zwei Enkel in einer Asylunterkunft in der Hamernikgasse. Schwiegersohn Sayed Mansour Fatemi hat in Afghanistan englische Literatur studiert und hätte die Chance gehabt, nach Japan zu gehen, doch mit der Flucht fiel er um diese Chance um. Er besucht jetzt die Integrationsklasse in der HAK Waidhofen. „Ich versuche, Deutsch zu lernen. Als ich nach Österreich kam, kannte ich kein einziges Wort. Jetzt spreche ich beim Arzt oder in der Apotheke schon Deutsch“, erklärt Mansour auf Deutsch.

Jeden Mittwoch zum Schachklub

Zusammen mit seiner Frau Zainab Fatemi hat er einen vierjährigen Sohn und eine vier Monate alte Tochter, die schon in Waidhofen zur Welt kam. Mit seinem Schwiegervater teilt er die Leidenschaft des Schachspiels. „Wir gehen jeden Mittwoch zum Schachklub. Mein Schwiegervater war auch schon bei einem Turnier dabei“, erzählt Mansour. Er ist glücklich und dankbar, in Österreich zu sein, und findet die Toleranz gegenüber anderen Religionen gut.

„Was wir Moslems glauben und was Christen glauben, ist eigentlich das Gleiche. Das ist wie eine Seele in zwei verschiedenen Körpern“, betont Mansour. „Diese Ideologie, Andere zu akzeptieren müssten wir nach Afghanistan bringen, um dort in Frieden zu leben“, fügt er abschließend hinzu.