Erstellt am 16. März 2016, 05:24

von Edith Hofmann

Eins mit der Rolle. TAM-Ensemble bot emotionale und authentische Darstellungen, die das Publikum sehr berührten.

Das »Besuchszeit«-Ensemble Willi Kainz, Martina Steindl, Regisseur Ewald Polacek, Elisabeth Datler, Walter Weber, Karin Linher, Gerald Kunc, Ulrike Hassler und Johann Kargl nach der erfolgreichen Premiere.  |  NOEN, Edith Hofmann

Emotional und authentisch präsentierte sich das TAM-Ensemble am vergangenen Wochenende im Theater an der Mauer in Felix Mitterers Einakterzyklus „Besuchszeit“.

Während sich das Publikum mit Willi Kainz im Altersheim noch über den Besuch von Schwiegertochter Martina Steindl ein wenig freuen konnte, schlägt die Stimmung im Frauengefängnis schon in Mitgefühl um und lässt dem Zuseher kalte Schauer über den Rücken laufen, wenn Karin Linher – vollkommen eins mit ihrer Rolle - den Gefängnisalltag schildert. Gatte Gerald Kunc hingegen erzählt eher emotionslos vom Leben zu Hause und von Problemen, in die die „Mörderin“ (sie hatte versucht, ihren Gatten zu erstechen) die Familie gebracht hat. Noch mehr Mitgefühl verdient Walter Weber der in endlos scheinenden, gekonnt vorgetragenen Monologen an den Untergang seines Hofes erinnert. Kaum eine Chance für Elisabeth Datler, sich für den Verkauf an die Autobahngesellschaft zu rechtfertigen.

Zuseher sehr berührt

Den Schluss- und Höhepunkt setzten Johann Kargl und Ulrike Hassler. Hassler schlüpfte derart realistisch in die Rolle der sterbenden Frau, dass es dem Publikum kaum möglich schien, am Schluss der Szene zu applaudieren – nicht jedoch, weil das Stück nicht gefallen hätte, sondern weil die Darstellungen direkt aus dem Leben gegriffen und die Zuseher offensichtlich berührt waren.

Mit der „Besuchszeit“ bewies das TAM, dass es auch Ressourcen für ernsthafte Stücke besitzt.