Erstellt am 02. August 2017, 03:40

von Michael Schwab

Am schlimmsten von der Dürre betroffen. Trockenheit setzte Getreide, Mohn und Mais stark zu, auch das Grünland ist von den Einbußen stark betroffen, daher werden auch Futtermittel knapp.

Bezirksbäuerin Renate Kainz in ihrem schwer geschädigten Mohnfeld.  |  Michael Schwab

Minus 30 bis 35 Prozent beim Ertrag aus allen Getreidekulturen zeichnen sich nach ersten Schätzungen ab, ausgehend von der im nördlichen Teil des Bezirkes weitgehend abgeschlossenen Ernte.

„Winterroggen und Winterweizen haben unter der Trockenheit weniger stark gelitten als die Sommergetreidesorten Hafer und Gerste. Das liegt daran, dass die Winterungen die Feuchte im Frühling und Herbst nutzen konnten, während die Vegetationsperiode der Sommerungen genau in die extreme Trockenperiode fiel. Daher sind hier Einbußen von 50 bis 60 Prozent zu erwarten“, erklärt Bezirksbauernkammerobmann Nikolaus Noé-Nordberg. Laut Daten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) habe es im Zeitraum von Anbau bis Ernte ein Niederschlagsdefizit von 72 Prozent im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt gegeben. Die Bezirke Waidhofen und Horn seien österreichweit am schlimmsten von der Trockenheit betroffen. Auf die Getreidekulturen wirkte sich die Dürre gleich doppelt schädlich aus.

Lokalaugenschein in einem Feld in der Nähe von Waidhofen mit Bezirksbauernkammerobmann Nikolaus Noé-Nordberg und Pflanzenbausekretär Herbert Gutkas. Mit im Bild ist Alois Redl - er meint, er habe in 40 Jahren so eine extreme Dürre nicht erlebt.  |  Michael Schwab

„Es gibt sowohl bei Menge als auch Qualität massive Einbußen. Durch die Trockenheit ist die Kornausbildung sehr schlecht, dadurch fällt ein größerer Teil der Erntemengen als üblich ins Futtergetreide, da die Qualitätsanforderungen als Nahrungsmittel nicht mehr erfüllt werden“, führt Noé-Nordberg aus. Aus diesem Grund werde sich der Trend zu einem geänderten Anbauverhalten - weg vom Sommergetreide hin zum Wintergetreide - weiter fortsetzen. Schon jetzt werden 4.500 Hektar Winterroggen, 4.300 Hektar Wintertriticale (Sorte für Futtergetreide und Ethanolherstellung), 4.100 Hektar Winterweizen und 2.200 Hektar Winterraps angebaut. Dem gegenüber stehen 2.600 Hektar Sommergerste und 2.400 Hektar Hafer.

Einbußen im Grünland bis zu 80 Prozent

Noch schlimmer als das Getreide ist das Grünland von der Trockenheit betroffen, das eine wichtige Futterquelle für viehhaltende Betriebe ist. „Die Einbußen liegen hier bei 80 Prozent. Viele Bauern müssen nun Futtermittel zukaufen, es wurde dafür von uns eine Futtermittelbörse eingerichtet. Einbußen beim Futtergetreide sind auch ein großes Problem, ein Landwirt hat zum Beispiel heuer auf Gerste gesetzt, und jetzt fehlt ihm durch die Ausfälle das Futtergetreide“, schildert Noé-Nordberg die mitunter dramatischen Auswirkungen.

Speziell Betriebe, die im Vorjahr vom Hagelunwetter im Raum Karlstein betroffen waren, seien in einer schwierigen Lage. „Diesen Landwirten wurde der Silomais vernichtet, sie konnten keinen Vorrat anlegen. Normalerweise hat ein Betrieb einen Futtervorrat für eineinhalb Jahre. Da die Reserven aber nicht angelegt werden konnten, bedeuten erneute Ausfälle in nächster Konsequenz eine Reduktion des Viehbestandes und Einkommensverluste für die betroffenen Bauern“, erläutert der Bezirksbauernkammerobmann.

Ein Versicherung gegen Dürreschäden ist derzeit nur beim Weizen möglich. „Sommerungen sind zur Gänze ausgeschlossen. Wir fordern daher, dass in Zukunft alle Getreidesorten versicherbar sind“, fordert Noé-Nordberg.

Qualität und Menge sind schlecht, wie sich anhand dieser klein geratenen Ähren erkennen lässt.  |  Michael Schwab

Extreme Schäden gibt es beim Mohn, der vom Anbau an unter den geringen Niederschlagsmengen litt. „Die Bestände sind dünn mit kleinen Kapseln, mit einem geringen Kornertrag“, berichtet Noé-Nordberg aus eigener Erfahrung. Auch Bezirksbäuerin Renate Kainz hat die gleichen Erfahrungen gemacht. In ihrem Mohnfeld in Kleinzwettl stehen die Mohnpflanzen dünn und machen auch auf einen Laien den Eindruck, dass hier nicht viel Ertrag zu erwarten sein kann.

„Die Mohnernte schaut schlecht aus“, sagt Kainz. Beim Wintergetreide spricht sie von einem „schlechten Durchschnitt“, beim Sommergetreide von einer „schlechten Ernte“. „Höhe und Dichte sind schlecht“, fügt Kainz hinzu. Bei näherem Hinsehen kann man auf noch nicht abgeernteten Feldern genau erkennen, wo besonders trockene Stellen sind.

Wasserspeicher im Boden sind noch leer

Auch beim Mais lässt sich das gut erkennen, etwa auf einem Feld bei Kleinzwettl, wo ein Teil eines Feldes nachgepflanzt worden war, als die Trockenheit begann. Die Saat ist dort nur sehr dünn aufgegangen, und die Pflanzen sind, verglichen mit dem restlichen Feld, klein und schwach.

Kräftige Gewitterniederschläge wie in der vergangenen Woche sind zwar hilfreich, entschärfen aber die Situation nur kurzfristig. „Diese Niederschläge bewässern nur die oberen 20 bis 25 Zentimeter des Bodens. Der Wasservorrat im Boden fehlt noch immer“, stellt Noé-Nordberg klar. Besonders wichtig ist der Regen nun für die Kartoffeln, damit die Knollenausbildung gut ist und möglichst viel Stärke eingelagert wird. Ertragseinbußen seien aber auch hier zu erwarten, da der Knollenansatz durch die Dürre geringer ist. „Aus heutiger Sicht sind minus 30 Prozent zu erwarten“, sagt Noé-Nordberg.

Der nachgepflanzte Mais auf diesem Feld bei Kleinzwettl litt extrem unter der Trockenheit.  |  Michael Schwab

Schlimm betroffen sind aber auch Waldbesitzer. Nicht nur wegen der Borkenkäfergefahr (die NÖN berichtete), sondern auch durch Dürreschäden in neu aufgeforsteten Kulturen aufgrund der Sturmschäden im Vorjahr. „Hier gibt es 70 % Ausfälle, die neu gesetzten Bäume sind verdorrt. Man muss hier wieder neu aufforsten“, führt Noé-Nordberg an.