Update am 26. Juli 2016, 14:36

von Hannes Ramharter

Hagelsturm zog Spur der Verwüstung. Hagelgewitter zog von Tschechien kommend eine rund vier Kilometer breite Schneise, Schaden wird auf 1,5 bis 2 Millionen Euro geschätzt.

ür enormen Schaden in der Landwirtschaft sorgte ein vermutlicher Tornado mit Hagelgewitter, der am Donnerstag gegen 22 Uhr von Tschechien kommend eine rund vier Kilometer breite Spur der Verwüstung durch die Gemeinden Kautzen, Dobersberg, Karlstein und Ludweis-Aigen zog.

„Das Unwetter kam aus Tschechien über Litschau, Kautzen, Klein Taxen, Goschenreith, Merkengersch, Göpfritzschlag, Griesbach, Schlader, Karlstein, Pfaffenschlag nach Aigen und von dort weiter in den Bezirk Horn“, berichtet der Obmann der Bezirksbauernkammer Waidhofen, Nikolaus Noé-Nordberg. Er schätzt, dass der Hagelstrich eine Breite von rund vier Kilometern hatte.

„Innerhalb dieser vier Kilometer sind alle Kulturen betroffen und es gibt einen 100-prozentigen Schaden“, erklärt er weiter. Insgesamt dürften rund 60 Hektar Wald geschädigt worden sein, allein 16 Hektar bei Liebenberg (Gemeinde Ludweis-Aigen).
Die Hagelversicherung schätzt, dass der Schaden alleine im Bezirk Waidhofen rund 1,5 Millionen Euro beträgt, die Bezirksbauernkammer rechnet mit rund zwei Millionen Schaden.

„Es wird auch enorme Folgeschäden geben, zum Beispiel für viehhaltende Betriebe, da kann es Probleme mit der Futtermenge geben“, erklärt Noé-Nordberg die Differenz. Deshalb wird die Bezirksbauernkammer wieder die „Futtermittelbörse“ forcieren, auf der man Futter anbieten und erwerben kann.

"50 Hektar Waldfläche fast zur Gänze zerstört"

Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass enorme Mengen an Erntegut auf dem Boden liegen. Viele Bauern werden daher intensiv den Boden bearbeiten müssen, um die liegende Frucht zum Keimen zu bringen, bevor die nächste Frucht angebaut werden kann.

„Mindestens 50 Hektar Waldfläche wurden fast zur Gänze zerstört, viele Waldflächen wurden ebenfalls nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen, die Schadenssumme im Wald beträgt mehrere hunderttausend Euro“, erklärt Franz Fischer, der in Zemmendorf (Gemeinde Raabs) wohnhafte Obmann des Waldverbandes NÖ.

Einzelne Waldbesitzer sind oft gleich mit einigen Hektar Schadensfläche betroffen. „Das wichtigste ist jetzt eine möglichst rasche Aufarbeitung des Holzes, um eine Verbreitung des Borkenkäfers zu verhindern“, meint Fischer weiter.

„Da die Sägewerke für Sägerundholz aufnahmefähig sind, ist der Absatz dafür gegeben, leider gibt es auch viel Bruchholz, das nur zu schlechten Preisen verkauft werden kann“, erklärt Fischer.

In Kautzen gab es einen Wassereintritt in zwei Hallen einer Textilfirma. Auch in Dobersberg wurden Keller überflutet, beschädigt wurde auch das Gerüst des derzeit im Umbau befindlichen Internats Karlstein.

Schicht war zum Glück bereits im Gange

Betroffen war auch die Baumschule Bauer in Merkengersch. „Wir sind derzeit mit den Aufräumarbeiten beschäftigt und können unseren Kunden bereits wieder die von uns erwartete Qualität und Waren bieten“, meldete sich noch am Freitag Ludwig Bauer bei der NÖN.

Während die Feuerwehr Karlstein mit benachbarten Feuerwehren noch in der Nacht praktisch alle wichtigen Straßenverbindungen frei machen konnte, ist der sogenannte „Holzgraben“, der von Karlstein Richtung Groß Siegharts bzw. Waidhofen führt, nach wie vor gesperrt. Dort werden die Aufräumarbeiten noch voraussichtlich mindestens bis Ende der Woche dauern, da auch Hangrutschungen befürchtet werden müssen.

Stromausfälle gab es in Dobersberg, Gastern, Kautzen, Waldkirchen, Teilen von Karlstein und Thaya. Diese dauerten laut EVN von 21.30 Uhr bis 23.30 Uhr. Länger dauerte das Blackout nur in Niederedlitz, wo ein Baum in die Trafo-Station gestürzt war. Dort gab es erst ab 3.30 Uhr wieder Strom. Von großem Glück über den Zeitpunkt des Unwetters spricht man derzeit vor allem auch in Karlstein.

Die Nachtschicht in der Firma Pollmann war zum Zeitpunkt des Unwetters bereits im Gange, nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Arbeiter genau zu diesem Zeitpunkt durch den Holzgraben Richtung Karlstein bzw. Richtung Waidhofen gefahren wären!