Waidhofen an der Thaya

Erstellt am 14. Juni 2017, 05:24

von Michael Schwab

Trockenheit trifft Flüsse.... Situation könnte bald kritisch werden, starke Einbußen für Kraftwerke.

Gerade noch knöchel- bis wadentief steht das Wasser in der Thaya bei Kottschallings, wie Fischereiaufseher Günther Gratzl demonstriert.  |  Michael Schwab

Die Trockenheit hat nicht nur auf die Landwirtschaft massive Auswirkungen ( die NÖN berichtete in der Vorwoche ), sondern wird auch für die Betreiber von Wasserkraftwerken und den Fischbestand in den Flüssen zum Problem.

„Durch den niedrigen Wasserstand heizt sich das Wasser in den Flüssen leichter und schneller auf. Steigt die Temperatur über etwa 20 Grad, beginnen die Probleme“, erklärt Fischereiaufseher Günther Gratzl. Denn durch die steigende Wassertemperatur setzt sich eine unheilvolle Spirale in Gang. „Der Sauerstoffgehalt des Wassers sinkt, und die höheren Temperaturen fördern das Wachstum von Algen und biologische Zersetzungsprozesse, die wiederum Sauerstoff verbrauchen. Sterben dann Lebewesen im Wasser durch Sauerstoffmangel, setzt dies weitere Zersetzungsprozesse in Gang, die das Sauerstoffangebot weiter reduzieren“, führt Gratzl aus.

Wasserkraftwerke wie jenes der Dyk-Mühle leiden unter dem geringen Durchfluss der Thaya. Lisa Dyk auf der Wehranlage, hinter der sich auch schon der niedrige Wasserstand zeigt.  |  Michael Schwab

Noch ist die Wassertemperatur nicht kritisch, da es zwischen den Hitzetagen immer wieder Abkühlphasen gab. „Wenn es jetzt aber zwei bis drei Wochen weiter heiß bleibt, kann es kritisch werden“, warnt Gratzl. Eine ähnliche Situation gab es zuletzt im Spätsommer 2015, als punktuell Fischsterben auftrat. Damals entwickelte sich die Wasserknappheit allerdings erst im Laufe des Sommers. Heuer droht diese kritische Lage jedoch bereits im Frühsommer.

Entlang der Thaya zeigt sich an flachen Stellen die niedrige Wassermenge deutlich, etwa in Kottschallings. Beim Lokalaugenschein mit Gratzl drängten sich dort die Fische an flachen Stellen im warmen Wasser. „Es kann vorkommen, dass bei einem Absinken des Wasserspiegels diese Stellen vom Fluss abgeschnitten werden. Dann sind die Fische gefangen“, merkt Gratzl an.

Problematisch werden bei Wasserknappheit auch illegale Wasserentnahmen zu Bewässerungszwecken. „Unter normalen Bedingungen fällt die entnommen Menge nicht ins Gewicht, bei der niedrigen Durchflussmenge, wie sie jetzt herrscht, aber schon“, sagt Gratzl.

Wasserkraftwerke erzeugen kaum Strom

Der niedrige Durchfluss macht auch Kraftwerksbetreiber entlang der Thaya zu schaffen. „Unsere Turbine lieferte in den letzten Tagen nur mehr sechs bis zwölf Kilowatt Strom, ausgelegt wäre sie auf etwas über 200 Kilowatt“, berichtet etwa Lisa Dyk, die Geschäftsführerin der Dykmühle in Raabs. Schon seit zwei bis drei Wochen reicht der Durchfluss nur noch für eine geringe Leistung aus, die Aufzeichnungen der Anlage, die seit Mitte März im Probebetrieb läuft, zeigen, dass in den beiden Märzwochen mehr Strom als im Mai und Juni zusammen erzeugt wurde, was das Ausmaß des Wassermangels deutlich macht.

Wenn es wie zuletzt am Wochenende doch einmal kurz regnet, bringt dies nur kurzzeitige Verbesserungen für einige Stunden, nach denen die Stromerzeugung sofort wieder abfällt. Für Seniorchef Peter Dyk ist diese Situation nicht neu. „Trockene Sommer gab es auch, als ich noch ein Kind war. Damals war so wenig Wasser in der Thaya, dass wir unsere Mühle nur im Schwellbetrieb betreiben konnten. Das Wasser wurde aufgestaut, dann lief die Mühle einige Stunden, danach musste wieder gestaut werden“, erinnert sich Peter Dyk.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim Wasserkraftwerk in Thaya. „Unsere Turbine liefert gerade zehn Prozent Leistung“, berichtete Bürgermeister Eduard Köck am Montagvormittag. Die Durchflussmessstationen an der Thaya unterstreichen dieses Bild.

In Dobersberg lag die Durchflussmenge am Montagvormittag bei nur 0,53 Kubikmetern pro Sekunde, im langjährigen Mittel sollten es knapp 3,5 Kubikmeter pro Sekunde sein. Der Wasserstand lag zum gleichen Zeitpunkt bei 169 cm, im Mittel sollte er an dieser Stelle etwas über 210 cm liegen.