Erstellt am 10. August 2016, 06:57

von René Denk

Waldstücke für Jahrzehnte geschädigt. Tornado zerstörte zwölf bis 14 Hektar Wald. Nennenswerte Erträge werden dort erst wieder in 40 Jahren möglich sein.

Schwere Schäden in den Wäldern hinterließ der Tornado, der am 21. Juli durch den Bezirk zog. Die Aufräumarbeiten beschäftigen die Waldbesitzer noch intensiv.

„Es wird sicher zumindest noch vier bis fünf Wochen dauern, bis die gröbsten Schäden beseitigt sind“, ist Landeskammerrat Franz Fischer überzeugt. Damals zog das Hagelunwetter über den Bezirk und richtete in den Gemeinden Thaya, Dobersberg, Kautzen, Ludweis-Aigen und Karlstein enorme Forstschäden an.

Hauptbetroffene Gemeinden waren dabei Ludweis-Aigen und Karlstein. Fischer und der forstwirtschaftliche Kammersekretär Josef Weichselbaum schätzen, dass zwölf bis vierzehn Hektar Wald zerstört wurden.

„Bei Unwetterschäden in einem Wald ist dieser für Generationen verloren.“

Landeskammerrat Franz Fischer

Um die 100 Waldbesitzer dürften betroffen sein, davon 15 bis 20 Geschädigte, die bedeutendere Flächen Wald verloren haben. „Ab einer Fläche von 30 ar sind das schon bedeutende Schäden für einen Waldbesitzer“, sagt Weichselbaum im NÖN-Gespräch.
Fischer rechnet mit rund 20.000 bis 25.000 Festmeter Holz, die nun aufgearbeitet werden müssen, und streicht den Unterschied zwischen einer Ackerfläche und einem Waldstück heraus: „Die Schäden sind natürlich auch auf den Ackerflächen bedeutend. Aber dort kann man im nächsten Jahr wieder neu anbauen und ernten. Der Wald hingegen ist für Generationen verloren.“

So dauert es 40 Jahre, bis wieder die ersten nennenswerten Erträge für den Waldbesitzer möglich sind. Ein hiebreifer Bestand, perfekt für die Schlägerung, sei dann zwischen 80 und 100 Jahren gegeben.

Der Sägerundholzpreis sei derzeit zum Glück zufriedenstellend, aber im Normalfall ernte man im Wald zirka 80 Prozent Sägerundholz. Die Unwetter sorgten dafür, dass in den Betroffenen Waldgebieten sicher nicht mehr als 60 Prozent Sägerundholz-Ertrag anfällt. „Der Rest ist Industrie- und Energieholz“, erklärt Fischer, dass das niederpreisige Bruchholz zu großen Verlusten führt.

Ein schwerbetroffenes Waldstück liegt zwischen Pfaffenschlag und Liebenberg. Dort riss der Tornado eine Schneise. Das Waldstück ist eine Art Insel, umringt von Ackerflächen. Beim Lokalaugenschein zeigen Fischer und Weichselbaum mit den betroffenen Waldbesitzern Gerhard und Ingrid Zellhofer aus Oberndorf, Martin Zeindl aus Seebs und Reinhard Zeindl aus Pfaffenschlag das Ausmaß der Verwüstung, während Forstunternehmer Karl Zach bereits mit seinen „Harvestern“ die geschädigte Waldfläche ausräumt und aufarbeitet.

In Liebenberg wird nach den Ausräumarbeiten auch ein Mulcher eingesetzt, der die Kleinteile häckselt und wieder auf den Waldboden aufbringt. So werden dem Waldboden wieder wichtige Nährstoffe zugeführt.

Fischer, der auch Forstausschussvorsitzender der NÖ Landwirtschaftskammer und Waldverband NÖ-Obmann ist, betont, dass es jetzt vor allem wichtig ist, die Waldflächen schnell wieder aufzuforsten. „Die Schäden sind in den nächsten Wochen beseitigt. Die Aufforstung wird aber Jahre in Anspruch nehmen - wenn ein Waldbesitzer dahinter ist, dann rund fünf Jahre, bis man hier wieder Bäume stehen sieht“, sagt Fischer.

Katastrophenfonds hilft Geschädigten

Der Holzgraben in Karlstein wurde vergangenen Freitag Abend wieder für den Verkehr freigegeben. Auch dort wird intensiv an der Behebung der Unwetterschäden gearbeitet. Ein Unternehmer, der dort mit den Aufräumarbeiten beaufragt wurde, ist Stefan Demmer aus Thuma, der zwei seiner drei Harvester im Holzgraben im Einsatz hat.

„Der Holzgraben hat schon viele Geländekanten. Mit dem Harvester geht es aber“, schildert Demmer und beschreibt auch, wie anders es im Wald im Vergleich zu sonstigen Forstschäden durch Unwetter aussieht. „Die Bäume liegen kreuz und quer in alle vier Himmelsrichtungen. Das muss ein richtiger Wirbel gewesen sein“, so der Unternehmer. Zum Teil seien die Bäume gebrochen und abgerissen, zum Teil wurden sie mit dem Wurzelstock ausgerissen.
Auch er betont, dass eine schnelle Aufarbeitung wegen des Borkenkäfers wichtig ist: „Wenn hier alle zusammenhelfen, wird der größte Teil der Arbeiten bald erledigt sein.“

Das Geschäft, das nun in kurzer Zeit viel Arbeit erfordere, kann für später auch Nachteile bringen. Da das Unwetter den Wald verwüstete, könne es sein, dass der Einschlag in den nächsten Jahren in den betroffenen Gebieten nicht so groß werden könnte. „Wir werden es sehen“, meint der Unternehmer.

Forstsekretär Weichselbaum meint abschließend: „Ab einem zusammenhängenden geschädigten Waldgebiet von 0,3 Hektar besteht die Möglichkeit einer Beihilfe zur Behebung der Schäden durch den Katastrophenfonds. Waldbesitzer sollten dies unbedingt melden.“ Bis zu einer Fläche von 0,5 Hektar kann die Meldung im Gemeindeamt erfolgen. Ab 0,5 Hektar Fläche sei eine Meldung bei der Bezirksforstbehörde notwendig.