Erstellt am 08. Juni 2016, 05:55

von Michael Schwab

Bürger befürchten Benachteiligung. „noegig“ darf im Stadtgebiet keine Glasfasern verlegen, da es privaten Breitbandanbieter über Kabelnetz gibt.

Andreas Schiffermüler der »noegig« und Breitbandkoordinator Rainer Miksche, im Bild mit Bürgermeister Robert Altschach, zeigten eine Glasfaserinstallation vor.  |  NOEN, Michael Schwab

Unmut und Enttäuschung waren aus dem Publikum bei einer Informationsveranstaltung der Stadtgemeinde Waidhofen am 31. Mai zu vernehmen.

Denn in der Stadtgemeinde gibt es eine für den ländlichen Raum eher ungewöhnliche Situation. Während in den Katastralgemeinden theoretisch die Voraussetzungen für einen flächendeckenden Glasfaser-Ausbau durch die noegig erfüllt sind und hier nur die entsprechende Zahl von mindesten 40 Prozent der Haushalte erreicht werden muss, die bereit sind, einen Glasfaseranschluss zu nutzen, gestaltet sich die Situation im Stadtgebiet komplizierter.

EU-Wettbewerbsregeln blockieren noegig

Denn hier gibt es mit der Firma Speednet einen privaten Anbieter, der Breitbandinternet über das Kabelnetz anbietet. Laut EU-Wettbewerbsregeln darf die noegig in solchen Fällen, wie Breitbandkoordinator Rainer Miksche vom Zukunftsraum Thayaland erklärte, nicht von selbst tätig zu werden, solange der private Anbieter selbst einen Breitbandausbau verfolgt.

Einige Bürger äußerten bei der Infoveranstaltung Bedenken, dass es dadurch zu einer Verschleppung des Ausbaus und zu halbherzigen, nur bedingt zukunftssicheren Ausbaumaßnahmen kommen werde und dann, wenn schließlich die Möglichkeiten des Kabelnetzes erschöpft seien, der Umstieg auf die Glasfaser mangels Förderung durch die öffentliche Hand teurer kommen würde.

Speednet-Geschäftsführer Christian Berger war nicht zur Veranstaltung gekommen. Ein anwesender Techniker erklärte jedoch, man könne in Kürze 100 Mbit/s im Download über Kabel anbieten, was mit den derzeitigen Glasfaserangeboten vergleichbar sei. Lediglich der Upload sei mit 20 bis 40 Mbit/s eingeschränkt, während Glasfaser in beide Richtungen die gleiche Geschwindigkeit liefern kann.

100 Mbit/s im ganzen Stadtgebiet möglich

Auf telefonische Nachfrage der NÖN bestätigte Berger, dass nach Abschluss eines laufenden Testbetriebs 100 Mbit/s im ganzen Stadtgebiet möglich sein werden, die zugehörigen Tarife werde es bis zum Ende des Monats geben. „Die Hälfte der Leute weiß gar nicht, wie das Internet zu ihnen ins Haus kommt. Der Großteil der Kunden will schnelles Internet, ob dieses nun über Koaxialkabel oder Glasfaser kommt, ist zweitrangig. Wir haben Lichtwellenleiter bis zum letzten Knoten, nur das letzte Stück bis zum Kunden läuft über Kabel. Diese Technologie reicht für die nächsten 10 bis 15 Jahre“, erklärt Berger.

Durch neue Übertragungsstandards seien weitere Leistungssteigerungen möglich, auch im künftig immer wichtiger werdenden Upload.

„Für uns als Stadtgemeinde ist es wichtig, dass wir beim Breitbandausbau keine Zwei-Klassen-Gesellschaft bekommen, sondern dass jedem Haushalt die gleiche Qualität angeboten wird. Leider darf die noegig aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Stadtgebiet nicht tätig werden. Ich appelliere daher an Herrn Berger, Glasfaserinternet und nicht glasfaserähnliches Internet anzubieten. Wenn er mit der noegig gemeinsam ausbaut, sind Fördergelder vorhanden. Lassen wir diese verfallen, kann ein Glasfaseranschluss in Zukunft nur teurer werden“, nimmt Bürgermeister Robert Altschach klar Stellung.

Er appelliert auch an die Einwohner in den Katastralgemeinden, die Chance zu nutzen und sich bereit zu erklären, einen Glasfaseranschluss zu bestellen, um die erforderlichen 40 Prozent zu schaffen. „Man muss hier den Blick weiter nach vorne richten als nur auf die nächsten zwei bis drei Jahre“, ist Altschach überzeugt.