Waidhofen an der Thaya

Erstellt am 20. Juli 2016, 06:16

Waidhofner zahlen mehr. Wer in Waidhofen einen Breitbandanschluss mit 100 Mbit/s haben will, muss dafür mehr als das Doppelte im Vergleich zum Nögig-Glasfasernetz bezahlen.

Bürgermeister Robert Altschach.  |  NOEN, zVg

Ein deutliches Ungleichgewicht ortet der in Waidhofen wohnhafte Werner Böhm bei der Versorgung mit schnellem Breitbandinternet.

Wie berichtet, darf die Nögig im Stadtgebiet keinen Glasfaserausbau durchführen, da es mit der Firma Speeding einen privaten Anbieter gibt, der über sein Kabelnetz ebenfalls Breitbandinternet mit bis zu 100 Mbit/s offeriert. Doch beim näheren Hinsehen entpuppt sich dieses Angebot keinesfalls als gleichwertig. Während ein Bürger in einer Landgemeinde, die von der Nögig ausgebaut wird, einen Glasfaseranschluss mit 100 Mbit/s im Up- und Download ab 34,90 Euro erhalten kann, muss ein Waidhofner für 100 Mbit/s im Download und 10 Mbit/s im Upload mehr als das Doppelte - nämlich 80 Euro bezahlen.

„Dann gibt es noch eine ‚Fair-Use-Klausel‘, mit der sich der Anbieter vorbehält, nach Verbrauch von 300 Gigabyte Transfervolumen die Geschwindigkeit zu drosseln. Bei 100 Mbit/s wäre dieses Volumen nach rund sieben Stunden durchgehendem Download verbraucht“, empört sich Böhm. Dazu komme noch der nur ein Zehntel so schnelle Upstream. „Wer so wie ich häufig Fotos in hoher Auflösung auf seine Dropbox lädt, hat hier einen erheblichen zeitlichen Mehraufwand im Vergleich zu einem Glasfaseranschluss“, so Böhm. Dieses Angebot von Speeding sei für ihn aufgrund des hohen Preises uninteressant.

Christian Berger  |  NOEN, Archiv

Bürgermeister Robert Altschach ist die Problematik bekannt. „Mir sind in dieser Sache aufgrund der EU-Wettbewerbsregeln leider die Hände gebunden. Die Firma Speeding hat für 2016 und 2017 zugesichert, den Breitbandausbau voranzutreiben, was nachher geschieht, ist noch offen“, erklärt Altschach. Es sei allerdings fraglich, ob 2018 noch Fördergelder in der heutigen Form und Höhe bereitstehen werden.

Speeding-Geschäftsführer Christian Berger erklärt den Preisunterschied mit der unterschiedlichen Kostenstruktur zwischen dem geförderten Glasfasernetz der Nögig und seinem privat betriebenen Kabelnetz. „Die Preise im Glasfasernetz sind deswegen so günstig, weil es vom Land subventioniert wird. Ich bekomme keine Subvention“, fasst Berger zusammen. Eine „Fair-Use-Klausel“ sei auch bei Glasfaser-Verträgen üblich. „Der Vorteil meines Angebots ist, dass es ab sofort verfügbar ist. Am Land wird man Jahre warten müssen, bis der Ausbau tatsächlich erfolgt ist. Ich habe schon mehrere Kunden mit 100 Mbit/s, sie sind alle sehr zufrieden“, betont Berger.

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