Erstellt am 30. Dezember 2015, 05:03

Die zehn wichtigsten Ereignisse im Jahr 2015. Eröffnung des Thayarundenteilstücks Dobersberg-Waldkirchen, Schutz vor Hochwasser und ein glimpflich ausgegangener Brunnensturz bleiben in Erinnerung.

Foto des Jahres: Über 30 Kilometer weit war die Rauchsäule eines Flurbrandes bei Speisendorf im Rekordsommer 2015 zu sehen. Ein Mähdrescher hatte Feuer gefangen, zehn Hektar Felder brannten ab, ein Übergreifen auf den Wald konnte gerade noch verhindert werden.  |  NOEN, Ernst Christian

Gemeinderatswahl

Während der Großteil der Gemeinden fest in „schwarzer Hand“ bleibt, sprengt die FPÖ in Waidhofen die absolute Mehrheit der ÖVP. Mit Spitzenkandidat Gottfried Waldhäusl schaffen die Freiheitlichen in der Bezirksstadt ein noch nie dagewesenes Rekordergebnis von sieben Mandaten.

Die ÖVP ist im Wahlkampf das Thema Stadtamtsdirektor nicht mehr los geworden, die SPÖ ist vor allem durch das Nichtantreten von Gerlinde Oberbauer und interne Querelen aufgefallen und landet auf dem vierten Platz, hinter der IG Waidhofen, einem Zusammenschluss der UBL und der Grünen. In den Koalitionsgesprächen finden ÖVP-Spitzenkandidat Robert Alschach und FPÖ-Spitzenkandidat Gottfried Waldhäusl eine hohe Übereinstimmung bei Sachthemen, Anfang März wird die schwarz-blaue Koalitionsvariante bekannt gegeben.
 

Spatenstich

Die W.E.B Windenergie beginnt Ende März in Pfaffenschlag mit der Errichtung einer neuen Großkomponentenhalle und einem Ausbau des bestehenden Bürogebäudes. Zweieinhalb Millionen Euro nimmt die W.E.B dafür in die Hand. Vorstandsvorsitzender Andreas Dangl betont beim Spatenstich, dass man trotz des Widmungsstopps für neue Windkraftanlagen am Standort Pfaffenschlag festhalten will, nicht zuletzt wegen der guten Kooperation mit der Gemeinde und um in einer als schwierig geltenden Region wie dem Waldviertel ein wirtschaftspolitisches Zeichen zu setzen.

Die neue Halle soll mittels Photovoltaik mehr Strom produzieren als sie verbraucht. Zusätzlich wird von der Tochterfirma „ella“ eine moderne Betriebstankstelle für Elektroautos, gespeist aus der hauseigenen Photovoltaik, errichtet.
 

Brunnensturz

Gleich mehrere Schutzengel haben die Brüder Nico (12) und Maik (4) Bartosch am 16. Mai, als sie im Garten der Nachbarn in einen fast zehn Meter tiefen Brunnen stürzen.

Die beiden Buben wollen über die ca. 180 cm hohe Grenzmauer klettern und steigen dabei auf die mit einer Plastikplane abgedeckte, aus drei Holzpfosten bestehende Abdeckung des Brunnens. Der mittlere, schon morsche Pfosten bricht plötzlich durch, und die Kinder stürzen in den Brunnenschacht.

Nico, der Ältere der beiden, rettet seinem Bruder das Leben, indem er ihn nach dem Sturz über Wasser hält. Die Nachbarin hört einen „Rumps“ und bemerkt das Fehlen der Kinder. Die alarmierten Feuerwehren Groß Siegharts und Dietmanns schaffen es, die Brüder, die beide ansprechbar sind, nach etwa 30 Minuten im kalten Wasser zu bergen. Christoph Litschauer, der die Bergung vornimmt, erinnert sich daran, dass Nico sich gleich dafür entschuldigte, „dass wir in den Brunnen gefallen sind!“

Die Kinder haben nur leichte Verletzungen und eine Unterkühlung erlitten und werden mit Rissquetschwunden im Kopfbereich und Abschürfungen für zwei Tage im Landesklinikum Waidhofen stationär aufgenommen.
 

Thayarunde

Mit der Eröffnung des Teilstücks Dobersberg-Waldkirchen des Radwegs Thayarunde am 14. Juni wird der Grundstein für den 90 Kilometer langen, grenzüberschreitenden Radweg auf der Trasse der ehemaligen Thayatalbahn gelegt. Hunderte Radfans kommen zur Eröffnungsfeier, zahlreiche Radfahrer testen nicht nur den 12 Kilometer langen Abschnitt von Dobersberg nach Waldkirchen, sondern fahren auch über die Grenze bis nach Slavonice weiter.

Im Laufe des Jahres wird die Strecke Göpfritz - Raabs asphaltiert und der Unterbau der Strecke Dobersberg - Waidhofen weitgehend fertiggstellt. Bis zum Beginn der Radsaison 2016 soll die „Thayarunde“ durchgängig befahrbar sein. Der 2015 schon befahrbare Teil wird von der Bevölkerung gut angenommen, es herrscht reges Interesse am Fortschritt der Bauarbeiten, in deren Zuge auch die Leerverrohrung für das Breitband-Internet eingebaut wird.

Zwischenrufe einer Handvoll Gegner haben das Projekt im Vorfeld verzögert und viel Zeit gekostet. Letzlich gelingt es, die Vorwürfe, die beim Landesverwaltungsgerichtshof vorgebracht worden sind, zu entkräften, das Bewilligungsverfahren der BH hält der Prüfung stand, wodurch die Thayarunde nach einem langen, steinigen Weg doch realisiert werden kann.
 

Hochwasserschutz

Der niederschlagsarme Sommer und der damit verbundene niedrige Wasserstand der Thaya kommen den Bauarbeiten für den Hochwasserschutz in Waidhofen entgegen. Das Vorhaben befindet sich gegen Ende Jahres voll im Zeitplan. Flutmulden, Grundablassanlage und Streichwehr am ehemaligen Manz-Areal sind fertiggestellt, die Flutmulde über die Nathan-Wiese entlang der Rudolf-Reißmüller-Straße Richtung Kainz-Wehr wird errichtet sowie der Gabler-Damm gegenüber dem Susannabad saniert und verstärkt. Zu den Maßnahmen gehören auch eine Stahlbetonmauer in der Badgasse sowie eine Schüttung nahe der Moritz- Schadek-Gasse.

2016 werden lediglich Restarbeiten wie die Herstellung eines Auslaufbauwerkes und die Wiederherstellung von Straßenflächen durchgeführt, sodass der geplante Fertigstellungstermin für das Gesamtprojekt mit Ende Mai 2016 eingehalten werden kann.

In Karlstein konnte der Hochwasserschutz bereits zu Jahresbeginn 2015 fertiggestellt werden. Das Hochwasserschutzprojekt in Raabs liegt aktuell ebenfalls im Zeitplan, hier wird über den Herbst die Thaya umgeleitet, um die neue Wehranlage samt Wasserkraftwerk bei der Dyk-Mühle errichten zu können.
 

Hitzewelle

Während sich Freibäder, Eisverkäufer und Elektrohändler über den heißen und trockenen Sommer freuen, bangen die Landwirte um ihre Ernte. Vor allem der Mais und die Kartoffeln leiden unter der Trockenheit, starke Einbußen der Erträge sind die Folge.

Auch die Feuerwehren haben alle Hände voll zu tun. Am 26. Juli gibt es innerhalb weniger Stunden drei Brandeinsätze. Zuerst gehen 15 Strohballen und ein 1,5 Hektar großes Feld bei Schaditz in Flammen auf. Noch während die Löscharbeiten andauern, heulen erneut die Sirenen. Diesmal kommt der Hilferuf aus Speisendorf. Ein Mähdrescher hat Feuer gefangen. Durch die Trockenheit breitet sich der Brand auf mehrere benachbarte Grundstücke über eine Fläche von zehn Hektar aus.

Die Rauchsäule ist über 30 Kilometer weit sichtbar. Ein Übergreifen der Flammen auf ein benachbartes Waldgrundstück kann in letzter Minute verhindert werden. Kurz nach 20 Uhr gibt es den nächsten Alarm. Ein Landwirt aus Schönfeld/Wild bemerkt Rauch, der aus seiner Rundballenpresse aufsteigt. Er lenkt Traktor und Presse weg vom Waldrand in die Feldmitte. Als er die Seitenverkleidung öffnet, schlägt ihm eine Stichflamme entgegen. Das Feuer kann mit Löschschaum rasch unter Kontrolle gebracht werden.

In der folgenden Woche brennen zwei Stoppelfelder bei Thures und Alberndorf ab, eine Woche später stehen ein rund zwei Hektar großes Stoppelfeld und der Waldrand zwischen Kaltenbach und Haimschlag in Flammen. Zwischen Raabs und Speisendorf fängt eine Strohballenpresse Feuer. Ein Feuerwehrmann will dem Landwirt mit einem in seinem Privat-Pkw befindlichen Feuerlöscher zur Hilfe kommen, doch das Feuer greift auf das Feld über und vernichtet auch den Pkw des Helfers.

Aufgrund der extremen Trockenheit entschließt sich die FF Riegers, ihre Weltuntergangsparty abzusagen - zu groß wäre das Risiko eines Brandes am Gelände gewesen.
 

Protest gegen Gyn-Schließung

Als Anfang Oktober bekannt wird, dass die beliebte Geburtenabteilung und Gynäkologie am Landesklinikum Waidhofen geschlossen werden und stattdessen eine Schwerpunktsetzung auf die Psychiatrie erfolgen soll, gehen die Wogen in Bevölkerung und Lokalpolitik hoch. Die Anfahrtzeiten bis zur nächsten Geburtshilfe- und Gynäkologieabteilung sind vor allem aus den Gemeinden im Norden des Bezirkes lang, es gibt Befürchtungen, in kritischen Notfällen nicht rechtzeitig dorthin zu gelangen.

Ulrike Ullrich gründet die „Bürgerinitiative Pro Geburtshilfe Waidhofen“, die Unterschriftenlisten für den Erhalt der Abteilungen in Waidhofen auflegt und eine Demonstration organisiert, zu der laut Veranstalter über 1.500 Menschen kommen. Als die Schließung im Landtag Ende Oktober beschlossen wird, überreicht die Bürgerinitiative mehr als 15.000 Unterschriften an den zuständigen Landesrat Karl Wilfing. Am Beschluss ändert dies jedoch nichts.
 

Ansturm

Sensationell ist der „Run“ auf die Karten für die Andy Marek - Weihnachtsshow, die heuer zum zweiten Mal stattfindet. Obwohl das Programm und die Gäste - wie schon bei der ersten Show 2014 - eine völlige Überraschung sein werden, ist der Andrang so groß, dass die Karten eine Stunde nach Verkaufsbeginn am 20. November ausverkauft sind.

Organisator Andy Marek denkt das ganze Wochenende nach und entschließt sich schließlich nach Rücksprache mit den Hauptacts seiner Show zu einem zweiten Termin. Der Erfolg gibt ihm Recht, und Marek ist stolz, als sozialen Aspekt am Ende der Show wieder einen stolzen Betrag an Menschen übergeben zu können, denen es nicht so gut geht.
 

Initiative für Flüchtlinge

Die Flüchtlingswelle macht auch vor dem Bezirk Waidhofen nicht Halt. In der Bezirkshauptstadt ruft Gerlinde Oberbauer ein Begegnungscafé im Pfarrhof ins Leben, bei dem sich Asylwerber und Waidhofner kennenlernen und Vorurteile abbauen können. Sie kümmert sich auch um die Vernetzung von Bürgern, die helfen wollen. In Waidhofen wird auch ein Begegnungsbazar im Freizeitzentrum eingerichtet. Beide Einrichtungen erfahren viel positive Resonanz. In Vitis wird die Initiative „Willkommen Mensch in Vitis“ gegründet, die sich um die dort untergebrachten drei Familien kümmert.
 

Finanzamt bleibt

Zweiter Paukenschlag für Waidhofen nach der Ankündigung der Schließung der Geburtshilfe - eine Abteilung des Finanzamtes soll mit 1. November nach Gmünd verlegt werden, eine weitere nach Horn. Bürgermeister Robert Altschach und Bundesratsabgeordneter sprechen im Finanzministerium vor und erhalten die Zusage, dass der Standort Waidhofen erhalten bleibt.
 

Zitate des Jahres

„Für uns gibt es keine Nationalitätenunterschiede, für uns gibt es einfach ‚Kinder‘“.
Claudia Mader, Leiterin des Kindergartens I in Waidhofen

„Wir haben schon öfter läuten gehört, dass wir mit Balls&Beats bald bei einer Kontrolle der Finanzpolizei dran sein werden. Bei uns war die Frage nicht ob, sondern wann.“
Christoph Mayer, Obmann des Vereins „Balls&Beats“ in Waidhofen

„Wir gehen gleich zum Schmied und nicht zum Schmiedl.“
Robert Altschach, Bürgermeister der Stadt Waidhofen, zu einem Termin beim Sekretär des Finanzministers

„Sind wir Gottes zweite Garnitur, und wer ist hier der liebe Gott?“
Ulrike Pecina, ehemalige Hebamme, bei der Demonstration gegen die Schließung der Geburtshilfe und Gynäkologie in Waidhofen.

„Hier werden per Rundumschlag aus der Ferne etablierte Strukturen zerschlagen. Das Vorgehen des Bündnisses der Gastrononie Austria ist für mich letztklassig und führt zu gegenseitiger Vernaderung.“
Rudolf Mayer, Bürgermeister der Stadt Raabs, zur Anzeige des „Forever Young“ des Jugendvereins durch das „Bündnis der Gastronomie Austria.“
 


2015 nahmen wir Abschied von ...

Michaela Braun. Die langjährige Mitarbeiterin der NÖN verlor am 14. Februar im 36. Lebensjahr den Kampf gegen ein Krebsleiden.

Herbert Frei. Große Trauer herrschte in der Jägerschaft des Bezirks Waidhofen über den plötzlichen Tod des passionierten Jägers und ausgezeichneten Hundeführers, Revier Pfaffenschlag.

Renate Göbl. Die langjährige Gemeindeärztin in Karlstein schied im 63. Lebensjahr auf tragische Weise aus dem Leben.

Willi Grötzl. Der langjährige Gemeinderat, Vizebürgermeister und Bürgermeister von Oedt/Wild und spätere Vizebürgermeister und Bürgermeister der zusammengelegten Marktgemeinde Ludweis-Aigen verstarb am 3. Dezember im 86. Lebensjahr.

Franz Höbinger. Mit 42 Jahren Dienst als Ortsvorsteher von Oberndorf-Weikertschlag war Höbinger der längstdienende Ortsvorsteher der Großgemeinde Raabs. Er verstarb am 28. Oktober im 79. Lebensjahr.

Stefanie Höhsel. Nach einem arbeitsreichen und schicksalhaften Leben verstarb die Oedterin am 2. Februar im 102. Lebensjahr. Sie führte bis zum 95. Lebensjahr ihren Haushalt selbst.

Anton Hörmann. Der im 93. Lebensjahr verstorbene Kautzener war 30 Jahre lang in der Kommunalpolitik tätig und engagierte sich für das Kautzener Heimatmuseum.

Alfred Löffler. Der ehemalige Direktor der Polytechnischen Schule Waidhofen und langjährige Leiter der Volkshochschule Waidhofen verstarb am 30. April im 72. Lebensjahr.

Johann Mölzer. Trotz längerer Krankheit unerwartet verstarb Johann Mölzer, Tischlermeister i. R., am 19. März im 82. Lebensjahr. Als besonderes Hobby betrieb er den Bau von Wasserrädern.

Maria Morscher. Nach einem arbeitsreichen Leben verstarb die engagierte Unternehmerin, die das Geschäft für Elektrohandel und Elektroinstallationen ihres Gatten auch nach seinem Tod mit Leidenschaft weiterführte, am 30. November im 96. Lebensjahr.

Ignaz Nagl. Mit Ökonomierat Ignaz Nagl verloren die Stadtgemeinde Raabs und die Bezirksbauernkammer einen engagierten Mann, der diese und andere Institutionen über Jahrzehnte in der Öffentlichkeit repräsentiert hat. Ignaz Nagl starb am 20. August im 90. Lebensjahr.

Karl Österreicher. Der ehemalige Gemeinderat von Amaliendorf-Aalfang und Leiter des Zollamtes Neunagelberg, Karl Österreicher, verstarb Ende Mai im 88. Lebensjahr. In seiner Funktion war er im Bezirk Waidhofen für zahlreiche Firmen für die Zollabwicklung verantwortlich.

Karl Piffl. Der bekannte Musiker und Gründer der „Rossinger Musikanten“ verstarb am 18. Juni im 76. Lebensjahr.

Heinz Schuster. Zahlreiche ehemalige Berufskollegen sowie Vertreter des Verschönerungs- und Dorferneuerungsvereines Kautzen und viele Gemeindebürger gaben dem unerwartet im 77. Lebensjahr verstorbenen Finanzbeamten am 21. Februar das letzte Geleit.

Josef Rosenauer. Der bis dato erfolgreichste Fußballer, Trainer und Funktionär des SV Waidhofen verstarb am 13. Mai im 81. Lebensjahr.

Alfred Winkler. Trauer und Schock herrschte in den Pfarren Vitis und Echsenbach am 29. November. Der 62-jährige beliebte Pfarrer und Dechant wurde vom Mesner tot in der Sakristei aufgefunden.

Johann Wittmann. Der ehemalige Amtstierarzt und zwölffache Vater starb am 14. April im 90. Lebensjahr. Er engagierte sich im Sport und in der Kirche.