Erstellt am 01. April 2016, 05:34

von Michael Schwab

Emotion und Verunsicherung. Magdalena Bloder und Stylianos Schicho eröffneten ihre Ausstellungen in der Kunstfabrik.

Riesige Augenpaare starrten die Besucher in der Ausstellung von Stylianos Schicho (2.v.l.) an: Bürgermeister Gerald Matzinger, Petra Krall, Wolfgang Pichler und der künstlerische Leiter der Kunstfabrik, Günther Gross, im Bild mit dem Künstler Stylianos Schicho.  |  NOEN, Michael Schwab
Mit zwei Ausstellungseröffnungen und der Waldviertel-Premiere des neuen Albums „Mein lieber Freund und Zwetschkenröster“ des David-Stellner-Duos startete am Ostersamstag die neue Saison in der Kunstfabrik.

Drei Aufnahmen wegen Fotoverbot schwarz

Den Anfang machte Magdalena Bloder im Projektraum junge Kunst. Die junge steirische Künstlerin war Anfang des Jahres nach Palästina und Israel gereist, wo sich sich mit ihrer Analogkamera auf Spurensuche nach Momenten des Alltags, nach „alltäglichen Souvenirs“, wie der Titel ihrer Ausstellung lautete, begab. In einer Region, wo Begriffen wie Land, Staat, Grenze und Freiheit eine ganz andere Bedeutung als bei uns zukommt.

Bloder hielt die aufgeladene Stimmung vor Ort fest, ohne den Konflikt selbst zu zeigen, aber doch das Gefühl transportierend, sich nicht frei bewegen zu können. Drei Aufnahmen waren völlig schwarz - entstanden mit aufgesetztem Objektivdeckel an einem Grenzübergang, wo das Fotografieren verboten war. Ein Film, den Bloder auf Super-8- und 16-mm-Film gedreht hatte, lieferte ein beklemmendes Zeugnis der Lebensrealität in dieser Weltgegend.

Zahlreiche Besucher in der Galerie

Riesige Augenpaare starrten die zahlreichen Besucher in der Galerie an, wo Stylianos Schicho, ein gebürtiger Wiener, Werke aus den vergangenen 15 Jahren seines Schaffens zeigte. Die übergroßen Gesichter vermitteln eine unglaubliche Nähe zu den dargestellten Personen, die durch ihre Präsenz Teil des Raumes werden. Die Grenzen zwischen Kunstwerk und Raum verschwimmen ebenso wie jene zwischen (Kohle)zeichnung und Malerei. „Wir finden uns in diesen Bildern wieder, es ist eine sehr emotionale Kunst“, betonte Wolfgang Pichler in seiner Eröffnungsansprache, und fügte hinzu, dass Stylianos Bilder auf den ersten Blick oft verunsichernd wirken würden.

Nach kurzer Pause zum eingehenden Studium der Werke ging es musikalisch weiter. David Stellner und Raphael Widmann präsentierten ihr neues Album, auf dem 15 Lieder des David Stellner Duos aus den letzten beiden Jahren enthalten sind. Mit viel Witz und Improvisation zogen die beiden Musiker das Publikum auf ihre Seite und ließen es an den „Besonderheiten“ der Bundeshauptstadt teilhaben - vom Nacktbaden an der Donau bis zum typisch wienerischen „Granteln“.