Erstellt am 30. Dezember 2015, 05:43

von Redaktion Gmünd

„Abwanderung schmerzt auch uns!“. Bezirkskommandant Manfred Damberger fürchtet, dass Bürokratie zu einem neuen Hemmnis für die Wehren wird.

Bezirkskommandant Manfred Damberger ist zuversichtlich, dass es auch nach den Wahlen weiterhin 119 Feuerwehren im Bezirk Waidhofen geben wird.  |  NOEN, Redl

In den ersten Wochen des neuen Jahres wird es emsigen Betrieb bei sämtlichen 119 Feuerwehren des Bezirks geben: Überall wird das Kommando neu gewählt, am 28. Februar werden dann auch noch die Unterabschnittskommandos, Abschnittskommandos und das Bezirkskommando neu gewählt. Aus diesem Anlass sprach die NÖN mit Bezirksfeuerwehrkommandant Manfred Damberger.

NÖN: Herr Bezirkskommandant, mit 119 Feuerwehren ist der Bezirk Waidhofen einer der größten Bezirke Niederösterreichs, obwohl sonst nur zweitkleinster. Wird es gelingen, bei allen 119 Feuerwehren wieder ein neues Kommando zu finden?

Bezirkskommandant Manfred Damberger: Wir bekennen uns weiterhin zur möglichst flächendeckenden Präsenz der Feuerwehr. Ich hatte zu Beginn des zu Ende gehenden Jahres noch Sorgen, dass es weniger werden. Derzeit sieht man aber, dass in den Orten, wenn es notwendig ist, die Bereitschaft steigt, ein Kommando zu finden. Ich wünsche mir auch, dass es dabei bleibt, weiß aber natürlich, dass es bei einer Handvoll Feuerwehren eventuell Diskussionen geben wird, wie man die Funktionen besetzen wird.

Womit begründen Sie Ihren Optimismus?

Damberger: Ich sehe den Mut, dass es Richtung Ausbildung, Voraussetzungen, Kurse und Module für zukünftige, leitende Funktionäre eine Trendumkehr geben wird und so wieder leichter Funktionäre gefunden werden, die das Kommando übernehmen können. Dies wurde auch von Landesfeuerwehrkommandant Fahrafellner beim Bezirksfeuerwehrtag in Waidhofen vor knapp zwei Monaten angekündigt.

Wie kann man sich diese Veränderungen vorstellen?

Damberger: Im Fokus soll zukünftig nicht das Anpassen an neue Herausforderungen stehen, sondern an ortsbezogene, lokale und weniger überregionale Aufgabenbereiche. Es soll die gleiche Basisausbildung geben, aber danach soll diese an lokale Bedürfnisse angepasst sein, wobei eine gewisse Flexibilität nach oben sicher notwendig ist.

Was heißt Anpassen an ortsbezogene Aufgabenbereiche?

Damberger: Abwanderung und Infrastrukturprobleme sind auch für die Feuerwehr eine Herausforderung. Dank der flächendeckenden Struktur ist unsere Einsatzbereitschaft gegeben. Wenn es aber in einem Ort zu wenige Einwohner gibt, dann gibt es dort auch zu wenige Feuerwehrmitglieder. Ein Gegentrend zur Urbanisierung wäre notwendig, vielleicht ist dieser am Horizont auch schon erkennbar.

Gibt es auch durch das neue NÖ-Feuerwehrgesetz Veränderungen?

Damberger: Ja, unter anderem werden auch „geordnete Maßnahmen“ für die Kommando-Wahl vorgegeben, die die Qualität der Wahl steigern sollen. Dazu gehören eine Wahlurne, Kuverts und Stimmzettel.

Und Sie erwarten, dass grundsätzlich alles reibungslos über die Bühne geht?

Damberger: Ich erwarte keine gravierenden Probleme. Auch die Bürgermeister haben sich vor Ort eingebracht. Man merkt, sie haben sehr wohl Interesse, dass die Feuerwehren in den Gemeinden flächendeckend bleiben.

Wie sieht es in den drei Abschnitten und im Bezirk aus?

Damberger: Es gab am 28. Dezember eine Sitzung, bei der alle bisherigen Kandidaten bekanntgeben konnten, ob sie wieder antreten, damit bereits am 1. Jänner Klarheit herrscht, wer sich für welche Funktion zur Verfügung stellt. Das ist ein Novum für Niederösterreich. Bis zur Wahl am 28. Februar können auch noch weitere Kandidaturen erfolgen.

Wie sieht es mit der Finanzierbarkeit dieses flächendeckenden Feuerwehrwesens aus?

Damberger: Diese wurde vom Land über Jahrzehnte gesichert. Auf Gemeinde- und Feuerwehrebene habe ich allerdings Sorgen bei der Verpflichtung laut Feuerwehrgesetz, dass einzelne Wehren auch Geldmittel aufstellen müssen. Wir dürfen zwar weiterhin an drei Tagen im Jahr ein Fest veranstalten, die Möglichkeit wird wegen der Registrierkassenpflicht und der Meldepflicht für Spenden ab kommendem Jahr aber immer schwieriger. So ist zum Beispiel der Ball der FF Kollmitzdörfl, der immer im wunderschönen Ambiente des Schüttkastens Primmersdorf durchgeführt wurde, heuer bürokratischen Hindernissen zum Opfer gefallen. Das war vom Ambiente her der schönste Ball im Bezirk. Anderswo findet man überall Mittel und Wege, solche bürokratische Hemmnisse zu umschiffen. Man sollte unbedingt Bürokratie-Normen von der vertrauenswürdigsten Organisation für die Bevölkerung, der Feuerwehr, fernhalten. Ich warne eindringlich davor, dass unsere Gesellschaft noch mehr zum Normen- und Bürokratierittertum wird, als sie es ohnedies bereits ist.