Erstellt am 11. November 2015, 05:22

von Michael Schwab

"Braucht Aufklärung". Veranstaltung der Waldviertel Akademie füllte den Waidhofner Stadtsaal bis auf den letzten Platz und beleuchtete viele Aspekte des Themas.

 |  NOEN, APA (AFP)

Reges Interesse herrschte bei einer Infoveranstaltung der Waldviertel Akademie zum Thema „Flüchtlinge und Asyl im Waldviertel“ am Donnerstag - der Stadtsaal war praktisch voll besetzt.

„Beim Thema Asyl braucht es Information und Aufklärung“, stellte der Vorsitzende der Waldviertel Akademie, Ernst Wurz zu Beginn klar.

Christian Riedl, der Geschäftsführer des Diakonie Flüchtlingsdienstes, gab einen Überblick über Herkunftsländer der Flüchtlinge und beschrieb die Zustände in den Massenlagern in den Anrainerstaaten der Krisenregion.

Andreas Michael Pechter von der Koordinationsstelle für Ausländerfragen des Landes führte an, dass aktuell rund 9.600 Asylwerber in Niederösterreich in der Grundversorgung stehen, eine Zahl, die bis Jahresende auf 12.000 bis 13.000 anwachsen wird. „70 Prozent sind Einzelpersonen, und wir verzeichnen eine leicht steigende Tendenz bei Familien“, erklärte Pechter. Er ging auf die Anforderungen an ein Flüchtlingsquartier ebenso wie auf die Betreuungssituation durch geschultes Personal ein, wo derzeit ein Mitarbeiter 140 Flüchtlinge betreut.

„Wenn wir etwas brauchen, werden wir das
rechtzeitig in den Medien bekannt geben.“
Willi Sauer, geschäftsführender
Bezirksstellenobmann des Roten Kreuzes

Christian Scheidl, der Asyl- und Integrationsbeauftragte der Caritas für das Waldviertel, hob die Vorteile der bei uns verbreiteten privaten Unterbringung in kleinen Strukturen bei der Integration hervor, ließ aber zugleich auch die Herausforderungen, allen voran die Verkehrsinfrastruktur und die in manchen Orten fehlenden Einkaufsmöglichkeiten nicht unerwähnt.

Er räumte auch mit „Schauermärchen“ wie angeblich von der Caritas verschenkten I-Phones auf, und erwähnte, dass immer wieder Caritas-Mitarbeiter am Telefon beschimpft und bedroht werden. „Ich muss nicht alles gut finden, aber man sollte bei der Wahrheit bleiben und uns bei unserer Arbeit nicht behindern“, appellierte Scheidl.

Der Präsident des niederösterreichischen Roten Kreuzes, Willi Sauer, berichtete über die elf in der Rotkreuz-Bezirksstelle untergebrachten Flüchtlinge. „Man muss diesen Menschen das Gefühl der Selbstständigkeit geben, man darf sie nicht bemuttern“, betonte Sauer, wie der richtige Umgang auszusehen habe. Er forderte die Besucher auf, sich mit Sachspenden zurückzuhalten. „Wenn wir etwas brauchen, werden wir das rechtzeitig in den Medien bekannt geben“, meinte Sauer.

In der anschließenden Diskussion kam unter anderem auch die Frage nach einer gemeinnützigen Beschäftigung von Asylwerbern in den Gemeinden auf. „Wir denken sehr intensiv darüber nach, wir möchten aber keinesfalls den Eindruck erwecken, diese Leute auszunutzen. Ein Einsatz zum Beispiel bei der Schneeräumung wäre denkbar“, sagte Bürgermeister Robert Altschach dazu.