Erstellt am 22. Juni 2016, 11:05

von Monika Freisel

Film zeigte harte Schicksale. Die Historikerin Anita Lackenberger zeichnete Leben im Gulag in Zeitzeugeninterviews nach.

Im Gutshof: Bild- und Tontechniker Günther Schäfer, Hausherr Peter Coreth, die Tagesverantwortlichen Jana Zoglauer-Vinsova und Michael Zoglauer, Kulturbrücke-Präsident Karl Kremser, Sängerin Jana Lewitová, Maler David Barton.  |  NOEN

Wenige Menschen wissen, dass ab den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einige hundert österreichische Frauen in den sowjetischen Gulags interniert waren. Die Historikerin und Regisseurin Anita Lackenberger und ihr Partner, der Filmproduzent Gerhard Mader, zeigten am vergangenen Samstag in der Kulturbrücke-Veranstaltung „Verlorene Leben“ ihren gleichnamigen Film, der die Schicksale dieser starken Frauen aufgreift.

In intensiven Recherchen in Ländern der ehemaligen UdSSR, unter anderem in Sibirien und Kasachstan, in Gesprächen mit überlebenden und nach Österreich zurückgekehrten Zeitzeuginnen und in Interviews mit hinterbliebenen Angehörigen verstorbener Frauen schildert Lackenberger das Leben der im Gulag zur Zwangsarbeit Verurteilten. Unter extremen Bedingungen, bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad in Erdlöchern hausend, zu unerreichbaren Arbeitsnormen gezwungen, an Hunger, Ruhr und Typhus leidend, kämpften diese Frauen um ihr Überleben.

Im Bürgerkrieg 1934 mussten viele Sozialisten aus Österreich nach Russland fliehen, nach dem Zweiten Weltkrieg standen zahlreiche Familien vor den Trümmern ihrer Existenz und emigrierten in die Sowjetunion in der Hoffnung, sich dort ein besseres Leben aufbauen zu können. Die Realität war eine andere. Unter Verdacht des Verrats des kommunistischen Ideals stehende Männer wurden erschossen. Frauen wurden in Gulags gesteckt, weil sie ihre Ehemänner nicht denunzierten, weil sie Sowjetsoldaten zur Flucht verholfen hatten oder weil sie als von den Nationalsozialisten nach Polen deportierte Jüdinnen von den Russen abgeholt und in Zwangslagern interniert wurden.

Nach der Filmpräsentation griff die bekannte tschechische Mezzosopranistin Jana Lewitová mit Liedern spanischer Juden, auf berührende Weise die Melancholie des Fluchtmotivs auf.

Tschechische Künstler zeigen ihre Werke

Der Prager Bildhauer Kurt Gebauer, ein Hauptvertreter der tschechischen Gegenwartskunst, präsentierte im Heckengarten seine Beton-Skulptur „Großes Köpfchen“. Sein Ziel sei, so der Künstler, „aus den Köpfen Menschen zu machen“.

Der tschechische Maler David Barton war bei der Vernissage seiner Ausstellung „Landschaften der Vysoèina“ ebenfalls persönlich zugegen. In den Galerieräumen des Gutshofes zeigt er bis 21. Juli seine das Auge erfreuenden, zumeist abstrakten Bilder der Felder, Wiesen, Gärten und Wälder der Vysoèina, der südböhmischen und südmährischen Hochlandregion jenseits der Grenze nahe Fratres.

Anita Lackenberger und Gerhard Mader drehen derzeit für das ORF-Format „Universum History“ einen Dokumentarfilm über die Geschichte und Entwicklung der Stadt Gmünd in den letzten 100 Jahren. Die Premiere dieses Films wird noch vor Ende des Jahres im Stadtkino Gmünd statt finden.