Erstellt am 29. September 2015, 15:40

von Michael Schwab

Geburtshilfe am Landesklinikum Waidhofen vor Aus!. Die Geburtshilfe-Abteilung am Landesklinikum Waidhofen steht scheinbar vor der Schließung.

Landesklinikum Waidhofen an der Thaya Spital Krankenhaus  |  NOEN, NÖN

Die Gerüchte, dass die Geburtshilfe-Abteilung am Landesklinikum Waidhofen geschlossen werden soll, wurden nun in einer Pressekonferenz bestätigt.
Sämtliche gynäkologische Leistungen werden von Waidhofen nach Zwettl und Horn verlagert, um Gegenzug wird in Waidhofen der Schwerpunkt auf die Psychiatrie gesetzt, inklusive einer Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

„Am Landesklinikum Waidhofen registrierten wir in den vergangenen Jahren stets rückläufige Geburtenzahlen, in den letzten beiden Jahren hatten wir weniger als 300 Geburten . Das ist die niedrigste Zahl unter allen Standorten in Niederösterreich, und die fünftniedrigste Österreichs“, begründete Markus Klamminger, der stellvertretende medizinische Geschäftsführer der Landeskliniken-Holding die Entscheidung zu diesem Schritt.

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„Geburtshilfeeinrichtungen sollen eine gewisse Mindestgröße nicht unterschreiten. In Zwettl gibt es zudem eine Abteilung für Neonatologie, was für die Mütter und Kinder ein Plus an Sicherheit bringt“, stellte Primar Gerhard Wolfram, der Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe in Waidhofen, klar.
 
Neben der Psychiatrie wird man sich in Waidhofen künftig auch auf die Bereiche Innere Medizin, Onkologie und Chirurgie konzentrieren. „Erst vor Kurzem wurden die Operationssääle um drei Millionen Euro auf den letzten Stand gebracht. Dies ist ein klares Signal für den Erhalt des Standortes. Der operative Teil bleibt unverändert, ebenso die Urologie. Wir führen auch schon planbare orthopädische Operationen durch, auch hier können wir in Zukunft vermehrt Patienten in Waidhofen operieren, um im Gegenzug in Zwettl zusätzliche Operationskapazitäten für gynäkologische Eingriffe zu schaffen“, erklärte der ärztliche Standortleiter des Landesklinikums Waidhofens, Manfred Weissinger.

Der „Fahrplan“ zum Transfer der Gynäkologie von Waidhofen nach Zwettl soll in drei Stufen ablaufen. „Zuerst werden wir die größeren gynäkologischen Operationen nach Zwettl oder Horn verlegen. Im ersten Quartal 2016 werden die Geburtshilfeleistungen folgen, mit Ende des zweiten Quartals 2016 wird der Transfer abgeschlossen sein“, fasste Klamminger zusammen.

Keine Mitarbeiter werden entlassen

Er betonte auch, dass durch die Umstrukturierung keine Mitarbeiter entlassen werden. Die nun frei werdenden Räumlichkeiten der Gynäkologie werden für die Schaffung der Kapazitäten für die kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik und zusätzliche operative Patienten verwendet werden.
 
Als Reaktion auf einen Bericht in der dieswöchigen Ausgabe der NÖN erreichte die Redaktion bereits vor der Pressekonferenz ein offener Brief von Roland Stumberger an Landeshauptmann Erwin Pröll: „Mit großer Besorgnis habe ich von der Schließung der Gynäkologie und Geburtshilfe im Landesklinikum Waidhofen an der Thaya erfahren. Da die Entfernung von entlegenen Gebieten im Waldviertel wie z.B. Litschau nach Horn oder Zwettl aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse eine Fahrzeit von etwa einer Stunde im Sommer (ohne Schnee und Eis) erfordert, finde ich es unzumutbar, dass eine Schwangere mit Probleme/Wehen diesen Weg zurücklegen muss“, schreibt Stumberger darin.

Klamminger erklärte bei der Pressekonferenz, die Richtlinien des österreichischen Strukturplans Gesundheit würden vorsehen, dass 90 Prozent der Frauen innerhalb von 45 Minuten eine Geburtshilfeabteilung erreichen können sollen. Dies könne man auch nach dem Wegfall Waidhofens leicht erfüllen, 93 Prozent könnten innerhalb von 30 Minuten ein geeignetes Krankenhaus erreichen.