Erstellt am 19. Juli 2017, 02:51

von Michael Schwab

Wasserstand ist unglaublich niedrig. Niedriger Wasserstand könnte ergeben, dass Gewässer umkippen. Flusskraftwerke an der Thaya stehen praktisch überall still.

Die Thaya bei Dobersberg weist eine weit unter dem Niedrigwasser-Durchschnitt liegende Wasserführung auf. Nur Abkühlung und Regen können jetzt noch helfen, sagt Fischereiaufseher Günther Gratzl.  |  privat

Der Wassermangel im Thayatal spitzt sich immer mehr zu.

Die durchschnittliche Wasserführung der Thaya (Messstation Dobersberg) schwankte in den letzten Tagen um 0,5 Kubikmeter pro Sekunde, und fiel zum Wochenende sogar auf 0,4 m /s ab. Die Mittelwasserführung sollte bei 7,11 Kubikmetern pro Sekunde liegen, die mittlere Niederwasserführung liegt bei 1,17 Kubikmetern pro Sekunde.

Beim Wasserkraftwerk in Thaya fließt das Wasser nur noch durch den Fischaufstieg. „Dieses Rinnsaal ist die Thaya“, sagt Bürgermeister Eduard Köck.  |  privat

„Es wird kritisch. Das Gewässersystem ist mit der Durchflussmenge ziemlich am Ende, es muss aber auch noch die Einleitungen aus den Kläranlagen aufnehmen. Durch die geringe Durchflussmenge sinkt aber der Verdünnungsgrad weit unter das vorgesehene Maß ab“, warnt Bentz. Durch den hohen Nährstoffeintrag, der unzureichend verdünnt wird, kommt es zu einer starken Vermehrung von Organismen im Wasser, der Sauerstoffverbrauch steigt, während der Sauerstoffgehalt im Wasser durch die steigende Wassertemperatur aufgrund der Sommerhitze sinkt. „Es setzt sich hier ein Teufelskreis in Gang, der zum ‚Umkippen‘ des Gewässers führen kann“, erklärt Bentz.

Das bestätigt auch Fischereiaufseher Günther Gratzl. „Über 20 Grad wird es allmählich kritisch. Während der Hitzewelle wurde diese Schwelle in der Thaya überschritten, was momentan hilft, sind die tageweisen Abkühlungen und frische Nächte, dann sinkt die Wassertemperatur wieder“, führt Gratzl aus. In Dobersberg wurde am 10. Juli ein Wert von 23,1 °C gemessen, mit der Abkühlung fiel die Temperatur wieder unter 20 Grad. Aktuell ist sie aber schon wieder im Steigen begriffen, in Raabs wurden die 20 Grad am Wochenende schon wieder überschritten.

Illegale Entnahme von Wasser verschärft Lage

Erschwerend komme laut Bentz hinzu, dass Wasser für Bewässerungszwecke aus den Gewässern, vor allem aus der Thaya, abgezweigt werde. „Die NÖ Landesregierung erlaubte in einer an die Bezirkshauptmannschaften gerichteten Vollzugsempfehlung vom 28. Juni unter bestimmten Bedingungen die Entnahme von Wasser aus öffentlichen Gewässern mittels Traktorpumpen.

Darunter verstanden manche Landwirte offenbar einen Freibrief, obwohl, wie eine Woche später von der Behörde klargestellt wurde, eine Entnahme von Wasser selbst angesichts der Dürre zur Bewässerung nur dann erfolgen darf, wenn kein fremdes Recht, auch jenes der Fischereiberechtigten, verletzt wird. Daher ist jede Wasserentnahme bewilligungspflichtig, einfach so darf man kein Wasser entnehmen“, erklärt Bentz, dem beide Schreiben der Behörde vorliegen.

Die Klarstellung werde allerdings gerne übersehen und die Wasserentnahme ohne Rücksicht auf Verluste fortgesetzt. „Da draußen herrscht Krieg“, ist Bentz überzeugt. Einen möglichen Hinweis auf Wasserentnahmen liefert auch Gratzl.

Dieser Fischteich wurde - wie dieses der NÖN anonym zugespielte Foto zeigt, komplett leer gepumpt.  |  privat

„Man sieht, dass der Pegel der Thaya in den Nachtstunden absinkt. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Wasser entnommen wird“, merkt Gratzl an. Bisweilen scheint man auch vor stehenden Gewässern wie Fischteichen nicht Halt zu machen. Anonymen Hinweisen zu Folge soll dies in der Nähe von Wilhelmshof bei zwei Teichen geschehen sein - einer wurde komplett leer gepumpt, ein anderer weist nur noch ca. ein Drittel des normalen Spiegels auf. Dies wurde auch mit Fotos belegt. Die NÖN fragte bei Reinhard Bentz nach, ob er nähere Angaben zu dem Vorfall machen kann.

„Es wurde Anzeige erstattet, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann ich leider keine weiteren Angaben machen“, sagt Bentz. Es würde ihn aber nicht wundern, wenn sich angesichts der Wasserknappheit Vorfälle häuften, dass Fischteiche oder Biotope zur Bewässerung herangezogen werden.

Kraftwerke an der Thaya stehen still

Ein Punkt, der Bentz und Gratzl sauer aufstößt, ist die Bewässerung von Sportanlagen. „Wenn ich sehe, dass Tennisplätze gegossen werden, dann ist das eine Vergeudung, die in der gegenwärtigen Lage nicht gerechtfertigt. ist“, stellt Gratzl klar. Bentz spricht sogar davon, dass für den Bezirk Waidhofen eine Notverordnung erforderlich wäre, um die ökologische Funktionsfähigkeit der Gewässer zu erhalten und den Schutz der Fische zu gewährleisten, und um die nötige Verdünnung der Kläranlagen-Einleitungen sicherzustellen.

Nicht zuletzt sei auch die Trinkwasserversorgung durch ein zu starkes Absinken des Thaya-Pegels in Gefahr, warnt Bentz. Die geringe Wasserführung hat nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen. Die Kraftwerke entlang der Thaya stehen still, so etwa jenes der Dyk-Mühle und in Thaya.