Erstellt am 23. September 2015, 06:52

von René Denk

Aufregung um Besuch. Dolmetscher will von Bewohner in Asylwerberquartier eingeladen worden sein. Flüchtlingsbetreuerin wusste davon jedoch nichts.

Symbolbild  |  NOEN, privat

Widersprüchlige Aussagen gibt es über die Unterbringung von Asylsuchenden. Über schlimme Zustände berichtet Parwis Manoutschehri aus Frauenhofen, der sich als Farsi-Dolmetscher engagiert. Manoutschehri war vor rund drei Jahrzehnten selbst als iranischer Flüchtling nach Österreich gekommen und engagiert sich bis heute ehrenamtlich in einigen Vereinen.

Ursprünglich hieß es, dass der Frauenhofner als Dolmetscher zu Familien in der Roseggergasse 2 gerufen worden war, die aus Afghanistan sowie aus dem Iran stammen. Die Flüchtlinge hätten ihn gebeten, bei der Übersetzung diverser Dokumente zu helfen. Dort wurde er dann von einer „Daniela“ des Hauses verwiesen und dabei harsch „angeschnauzt“, dass er gefälligst vorher bei ihr anrufen oder sich melden müsse, wenn er das Haus betreten wolle.

„Auf meine Entgegnung hin, dass ich von einem Bewohner eingeladen worden sei, hat sich dann ein Wortgefecht entwickelt“, meint Manoutschehri zur NÖN. Solle man denn auch in medizinischen Notfällen erst anrufen, bevor ein Notarzt ins Haus darf, fragt sich der Frauenhofner zynisch. Außerdem wirke das Haus ziemlich baufällig.

Bürgermeister Gerald Matzinger hat bisher noch nichts von diesem Vorfall gehört. „Es stehen dort zwei alte Häuser, eines wird gerade saniert, das andere wurde bereits saniert. Das Haus, in dem die Flüchtlinge untergebracht sind, ist zwar alt, aber es ist bautechnisch in Ordnung“, sagt Matzinger.

Flüchtlinge sind eigenständige Menschen

„Wenn das wirklich der Wahrheit entspricht, dann geht das so natürlich nicht. Flüchtlinge sind eigenständige Menschen, die man nicht bevormunden muss. Betreuer sind nur zur Orientierungshilfe am Anfang gedacht, damit sich die Asylwerber besser zurechtfinden können“, meint Stadtchef Matzinger.

Daniela Tonko ist mit der Flüchtlingsbetreuung in der Roseggergasse 2 beschäftigt. Manoutschehri solle „die Geschichte gefälligst richtig erzählen“, wenn er sich schon aufrege, meint sie im Gespräch mit der NÖN. Als sie Tonko Manoutschehri bemerkt habe, habe sie ihn angesprochen, wer er sei und was er denn hier mache. „Dann habe ich ihn auch auf die rechtlichen Schritte hingewiesen, denn er befand sich auf Privatgrund. Das hat ihn provoziert“, erklärt Tonko.

Warum sie so reagierte, erklärt Quartierbetreiber Roland Pollak. „Es ist hier so weit gegangen, dass die Helfer überfürsorglich und damit zu aufdringlich waren. Deshalb haben wir das System der Besuchszeiten bzw. Anmeldungen mit den Asylwerbern abgesprochen. Das passiert im Interesse und zum Schutz der Flüchtlinge, Daniela Tonko hat keinen Fehler gemacht“, sagt Pollak.

„Ich kann auch nicht einfach so in einen Privatgarten
spazieren, weil mir ein Baum so gut gefällt und ich ihn
mir aus der Nähe ansehen will!“
Daniela Tonko

Tonko versteht nicht, warum Manoutschehri ihren Ruf beschmutzen will. Vor allem hätte sie bei den Flüchtlingen nachgefragt: „Der Herr wurde von niemandem als Dolmetscher bestellt. Er kam vorbei und fragte einfach als Privatperson, wie es ihnen gehe und ob sie etwas bräuchten. Mir kam das gleich seltsam vor, denn normalerweise sagen mir die Familien, wenn wer vorbeikommt. Das ist dann auch überhaupt kein Problem!“

Dass man außerhalb der Besuchszeiten und noch dazu auf einem Privatgrundstück keine Schaulustigen haben wolle, die auch die Privatsphäre der Flüchtlinge stören, ist für Tonko klar: „Ich kann auch nicht einfach so in einen Privatgarten spazieren, weil mir ein Baum so gut gefällt und ich ihn mir aus der Nähe ansehen will!“

Aufklärung bietet ein zweites Gespräch mit Manoutschehri: Er betreut einen flüchtigen Afghanen, der in Horn untergekommen ist. Dessen Tante wohnt in Groß Siegharts. Der Afghane fragte Manoutschehri, ob er mit ihm die Tante besuchen könnte. Das tat Manoutschehri an diesem Tag. „Für mich geht es nach wie vor um die Grundfrage, ob es gesetzlich erlaubt ist, den Flüchtlingen den Besuch zu verbieten“, will Manoutschehri geklärt wissen.