Erstellt am 03. Februar 2016, 05:53

von Michael Schwab

Kritik an Quartieren für Flüchtlinge. Asylsuchender und ehemalige Flüchtlingsbetreuerin üben Kritik, Betreiber weist Vorwürfe zurück.

So sieht das Quatier der Asylwerber in Groß Siegharts von außen aus.  |  NOEN, privat
Schimmel an den Wänden, kalte Räume, ein verstopfter Duschabfluss und Probleme mit der Warmwasserversorgung sollen Asylwerber in den Flüchtlingsunterkünften, die von Robert Pollak betrieben werden, plagen.

Die NÖN erhielt von einem dort lebenden Flüchtling und einer ehemaligen Flüchtlingsbetreuerin eine Reihe von Fotos, welche die Zustände vor Ort dokumentieren sollen. Die beiden werfen dem Quartiergeber vor, auf Hinweise zu diesen Mängeln stets mit einem „das höre ich heute zum ersten Mal“ zu reagieren und eine Beseitigung zu versprechen, die dann wochen- und monatelang verschleppt werde. Selbst eine Teekanne mit einem zerbrochenen Ausguss würde nicht ersetzt werden. Der Quartiergeber würde die Flüchtlinge sowie die Betreuerin für die Schäden verantwortlich machen.

Quartiere regelmäßig von Diakonie kontrolliert

„Ich würde diese Fotos gerne einmal zu Gesicht bekommen. Es stimmt nicht, dass die Mängelbehebung verschleppt wird. Die Quartiere werden regelmäßig von der Diakonie kontrolliert. Wenn da etwas entdeckt wird, was nicht den Vorgaben entspricht, bekomme ich sofort eine Aufforderung, das zu korrigieren“, nimmt Quartierbetreiber Roland Pollak, den die NÖN mit den Anschuldigungen konfrontierte, Stellung. Er streitet auch nicht ab, dass es beispielsweise Probleme mit Schimmelbefall ergeben habe.

„Das kommt daher, dass die Bewohner verbotenerweise am Heizkörper Wäsche trocknen und dazu auch nicht lüften. Durch die so entstehende hohe Luftfeuchtigkeit gibt es zwangsläufig Schimmel“, erklärt Pollak. Auch die Kritik an zu kalten Räumen kann er nicht stehen lassen. „Die Heizung ist auf 22 bis 23 Grad eingestellt, und in der Nacht wird auf 19 Grad abgesenkt. Das ist über den Vorgaben. Man muss den Leuten eben klar machen, dass hier andere klimatische Verhältnisse herrschen als in ihrer Heimat, und dass wir hier bei strengem Frost keine 27 Grad im Haus haben“, meint Pollak.

Zwist mit Flüchtlingsbetreuerin

Er wisse genau, aus welcher Ecke die Anschuldigungen kommen würden. „Wir mussten uns kürzlich von einer Flüchtlingsbetreuerin trennen. Sie hat einen Bewohner vergangene Woche zum Fotografieren ins Haus geschickt, weil sie es nicht mehr betreten darf“, sagt Pollak dazu. Die Betreuerin, die anonym bleiben will, wirft dem Quartiergeber indes vor, nur am Geld und nicht am Wohl der Flüchtlinge interessiert zu sein.

„Wir hoffen, dass das Quartier kontrolliert wird, damit die Asylwerber nach den österreichischen Mindeststandards der Grundversorgung untergebracht werden und alle Leistungen, die das Land vorgibt, auch erhalten“, so die Betreuerin gegenüber der NÖN.